Worte über Worte im Meraner Stadtanzeiger, dem Wochenblatt für Meran



                                        

Wurst ist nicht gleich Wurst

„Je weniger die Leute wissen, wie die Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie“, meinte einst der preußische Ministerpräsident Otto E. L. von Bismarck, einer der sich auskannte, was alles schon zu seiner Zeit nicht nur in die Gesetze gepackt wurde. Was so in die Würste hineingestopft wird, bleibt uns zu gutem Glück ein Geheimnis, sonst würden wir nach mancher Törggelepartie wohl schwerlich Schlaf finden. Hüten wir uns aber davor, das Ansehen der Wurst durch Vorurteile zu...


                                        

Zankapfel

Der Apfel im Mittelpunkt einer Dorffehde, er ist wortwörtlich zum Zankapfel geworden. Es könnte sich ohne Weiteres um eine mittelalterliche Sage aus dem Vinschgau handeln, mitnichten, die Geschichte ist brandaktuell, von einem „Bauernkrieg im 21. Jahrhundert“ schreibt das Wochenmagazin ff . Der Ausdruck „Zankapfel“ geht als malum discordiae auf die griechische Mythologie zurück. Er ist das Symbol für den Preis der Schönheit, den der trojanische Königssohn Paris der Liebesgöttin Aphrodite...


                                        

eitungen

Müssen nunmehr Zeitungen Federn bzw. Buchstaben lassen? Die Lettern bröckeln ihnen ab, wie an einem Postkasten, gesehen in einer Südtiroler Berggemeinde, ersichtlich ist. Die Zeitungshäuser geben offen zu, dass ihnen seit 2009 die Leser abhandenkommen und gleichzeitig die Umsätze aus der Werbung schrumpfen. Stellt die Zeitung ein Auslaufmodell in der Medienlandschaft dar? Aber können wir uns einen Alltag ohne Zeitung vorstellen? Die erste Zeitung wurde im Jahr 1605 in Straßburg von einem gewissen Johann Carolus als...


                                        

Wenn wir täten, was wir sollten

„Es wäre höchste Zeit, wenn sich in der Flughafenfrage die Vernunft allmählich durchsetzen würde .“ K. Zimmermann drückt im Leitartikel der ff einen erfüllbaren Wunsch aus; mit der Möglichkeitsform „würde“ verweist er auf die Realisierbarkeit. „Die Jugend wäre eine schöne Zeit, wenn sie erst später im Leben käme “, träumte Ch. Chaplin nostalgisch von seinen besten Jahren, sein Wunsch ist jedoch unerfüllbar. Nicht nur als Wunsch, mehr noch als ein...

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Zu hoch gelegenen Zielen hochsteigen

Die deutsche Nationalmannschaft hat es bewiesen: Wer die Ärmel hochkrempelt , kann auch hochgesteckte Ziele erreichen. Wir lassen die DFB-Kicker derzeit hochleben . Nicht wenige würden sie gerne höher leben lassen, was aber sprachlich unzulässig ist. Was Wunder, dass der Ärger über die Rechtschreibreform manch einen die Wände hochgehen lässt: Wie sollen wir beispielsweise wissen, ob Verbindungen aus „hoch“ und Verb getrennt oder zusammenzuschreiben sind? Nach neuen Regeln sind die zwei...


                                        

Denk mal!

„Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ Das Zitat der Philosophin Hannah Arendt soll als Leuchtschrift das Duce-Relief am Bozner Finanzgebäude entschärfen. Dieser Vorschlag findet nicht nur Zustimmung. Das ganze Relief sollte entfernt und in einem Museum untergebracht werden, schlägt der Bozner Vizebürgermeister Klaus Ladinser vor. Andere befürchten, die Aufforderung könnte Jugendliche zum Ungehorsam ermutigen. Ein Denkmal sollte immer die Botschaft übermitteln: „Denk mal nach!“ In diese...


                                        

Public Viewing

Vom kollektiven Fußballfieber angesteckt berauschen wir uns in Gemeinschaft an der schönsten Nebensache der Welt, die Übertragung auf Großbildschirmen macht’s möglich. Als Public Viewing werden Großveranstaltungen solcher Art bezeichnet. Im „Center Court“ der Meraner Tennisanlage können wir alle WM-Spiele bis hin zum Finalspiel auf einem 4 x 3 Meter großen Bildschirm verfolgen. Der Ausdruck „Public Viewing“ geht eigentlich auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland...


                                        

Kaffee und Rouladen

Mit Freunden treffen wir uns im Café zu einem Plausch und trinken einen Kaffee , in Gesellschaft mit Italienern bestellen wir einen Caffé , ist Eile geboten, begnügen wir uns mit einem coffee to go . Der Kaffee, das weltweit wohl verbreitetste Heißgetränk, hat sich auch zu einem echten Weltwort entwickelt. Kahvi nennen ihn die Finnen, kaffe die Schweden, die Rumänen bestellen den kafea, die Russen kofe und die Tschechen kava. Früher einmal galt „das Kaffee“ auch als Kaffeehaus, heute...

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Wenn Wörter klingen

Mit Attacken wie „Der Teufel trägt Merkel“ vergreift sich Beppe Grillo zusehends im Ton , ebenso Berlusconi, der große Töne spuckt gegen die EU und den Euro, immer mit derselben alten Leier. Auf weiter Flur sind kaum noch Politiker auszumachen, die in Wahlveranstaltungen den richtigen Ton finden; vom guten Ton , also von den Regeln des Umgangs im Sinne von A. Freiherr v. Knigge, haben sie wohl nie etwas gehört. Der Ton macht die Musik , hat es früher geheißen, doch der gute Ton ist nicht...


                                        

Was Blumen uns zu sagen haben

Mit der Sonderausstellung „Blümchensex“ laden heuer die Gärten von Trauttmansdorff zu einer Reise in das Reich der Blumen ein. Von den Tricks der Pflanzen, wie sie Farben und Düfte zur Arterhaltung einsetzen, könnten wir anmaßende Menschen allerhand abschauen; nicht von ungefähr haben wir aus der Botanik selbst die Bezeichnung Fortpflanzung übernommen. „Blumen sind die Liebesgedanken der Natur“, schrieb einst Bettina von Arnim, die Schwester des Dichters Clemens Brentano. Blumen spielten...


                                        

Mit Herzblut dabei

„Es ist nicht der Sinn, dass ein Kopf nach dem anderen rollen soll, wir sind doch nicht bei den Jakobinern“, stellte der Landeshauptmann Arno Kompatscher klar. Blutrünstig gibt sich zurzeit das Südtiroler Volk, zahlreich sind die selbst ernannten Scharfrichter, bereit die Guillotine zu betätigen. Blutrausch ortet Erwin Bernhart, Chefredakteur vom „Vinschgerwind“, auf höherer Ebene: Nicht das Volk, sondern bestimmte SVP-Kreise wollten Blut sehen, der Rentenskandal ziehe eine parteiinterne Zerfleischung nach...


                                        

Diät halten und Diäten beziehen

Nicht so sehr aus religiöser Überzeugung unterzieht sich derzeit so mancher Zeitgenosse einer Diät , vielmehr ist es eine gesunde Lebensweise, zu der er sich verpflichtet fühlt. Nicht die Fastenprediger erwirken eine Umstellung der Essgewohnheiten, es sind die Diätisten , die dem Ernährungsbewussten das Kalorienzählen vorschreiben. Wie viele Frauenzeitschriften verdanken doch dem magischen Wort „Diät“ ihren lukrativen Umsatz. Im Rahmen von „Gesundheitswochen“ bietet die Athesia eine...

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Schüttelbrot in Duden aufgenommen

Unsere Knödel haben sich längst in den deutschen Wortschatz eingereiht, kein Wunder, sind sie ja schon auf einem Fresko um 1200 n. Chr. in der Schlosskapelle von Hocheppan dargestellt. Nun ist auch unser Schüttelbrot zu Ehren gelangt: In der neuesten Auflage des Rechtschreib-Dudens ist es erstmals enthalten. Es wird als „hartes, knuspriges, gewürztes (Südtiroler) Fladenbrot“ den Unkundigen erklärt. Leider befindet sich das Schüttelbrot in schlechter Gesellschaft mit neuen Begriffen des 21. Jahrhunderts wie...


                                        

Noten

Neue Zehn Euro Banknoten sollen bald in Umlauf kommen, an die neuen Fünf Euro Scheine haben wir uns schon gewöhnt. Sie werden nur von kurzer Lebensdauer sein, nach sechs Monaten werden sie im Schnitt wegen starker Abnützung aus dem Verkehr gezogen. Fünf Jahre im Umlauf sind durchschnittlich die 200 und 500 Euro Banknoten, als Sparbanknoten werden sie vorwiegend im Tresor aufbewahrt. Verbesserte Sicherheitsmerkmale weisen die neuen Noten auf, lässt die EZB verlauten, damit wir sie leichter von den falschen, also den...


                                        

Hoffnungsträger

„Es freut mich sehr, dass ich Italiens Fahnenträger sein darf. Es ist eine große Ehre für mich“, beteuerte der Rodel-Meister Armin Zöggeler, der bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele das Aufgebot der italienischen Sportelite anführt. Zöggeler ist unser zuverlässiger Hoffnungsträger , er ist seit seiner ersten Teilnahme 1994 in Lillehammer nie ohne Medaille heimgekehrt. Damit reiht er sich in die Gesellschaft der tragenden Persönlichkeiten Südtirols ein, das zu Recht...


                                        

Newcomer und Youngster

„Auf den bulligen Landesfürsten Luis Durnwalder folgt ein smarter Akademiker mit dem Auftreten eines Managers – nach eigenem Bekunden ein Teamplayer und durch und durch Demokrat.“ Unter dem Titel Alpen-Obama umreißt die Züricher Zeitung „Blick“ die Persönlichkeit und den Führungsstil des Arno Kompatscher, eine Zeitenwende breche auch mit der Newcomerin Waltraud Deeg und dem Youngster Philipp Achammer an. Eine italienische Tageszeitung sieht ihn gar in der Rolle als Verschrotter (rottamatore), der...

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Giftige Gaben

„Das ist ja eine schöne Bescherung!“ Wörtlich genommen könnte dies, gerade am weihnachtlichen Hochfest des Schenkens, ein passender Ausruf der freudigen Überraschung sein. Das gerade Gegenteil ist der Fall, die Redewendung hat sich zum Ausdruck ärgerlichen Verwundertseins gewandelt. Unser Sprachgebrauch wartet mit Überraschungen auf, wenn wir auf den Bedeutungswandel so manchen Wortes achten. Das Wort Gift bietet sich dafür als aufschlussreiches Beispiel an. Ursprünglich bedeutete...


                                        

Wünschen wir ein "neues" oder "Neues" Jahr?

Feiertagsgrüße und Neujahrswünsche zu versenden gehört auch zum Vorweihnachtsstress. Trotz Zeitdruck könnte sich manch einer fragen, ob er etwa „Alles Gute fürs n eue Jahr “ oder doch „… fürs N eue Jahr “ schreiben müsse. Ist also in diesem Fall „neu“ klein oder groß zu schreiben? Warum stellt sich bei der Schreibung von Eigenschaftswörtern in Glückwünschen ein Rechtschreibproblem ein? Obwohl die Regel eigentlich ganz einfach ist, wird oft gegen sie...


                                        

Spricht der Bayer bairisch oder bayerisch?

Zweifel an seiner Rechtschreibsicherheit müssen jeden befallen, der in Untermais die Sybillastraße begeht. Drei unterschiedliche Bezeichnungen werden auf den Straßenschildern angeführt: „Sybillasstraße“, „Sibyllastrasse“ und “via Sibilla“. Benannt ist die Straße wohl nach der dort 1912 von Josef Nösing erbauten „Villa Sybilla“, wie sie von Anna Pixner Pertoll im Buch „Ins Licht gebaut“ dokumentiert ist. Dementsprechend müsste...


                                        

Wortwörtliche Ausrutscher

Die Sanierung am Turm der Meraner Christuskirche ist beendet und am Reformationstag von der Evangelischen Gemeinde gefeiert worden. „Aufgrund der schadhaften Dachkonstruktion und statistischer Probleme muss der hölzerne Turmhahn abgenommen und überholt werden“, berichtete im Frühjahr die „Tageszeitung“. Die Statistik dürfte hier keine Rolle gespielt haben, eher wohl war die Statik des Turms nicht mehr garantiert. Für sprachliche Entgleisungen werden kritische Leser wenig Verständnis aufbringen,...

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Trinkfreudiger Wein?

Der Magdalener sei ein „sehr trinkfreudiger Wein“, schwärmte ein Winzer in der Zett–Beilage „Trinken & Törggelen“. Der Wein-Beißer wird wohl mit „Freude“ den Magdalener genießen, der Wein selbst aber kann niemals ein „trinkfreudiger“ sein. Nur eine Person, die gerne vor allem alkoholische Getränke konsumiert, kann als trinkfreudig bezeichnet werden. Ein „biologisches Erntefest“ veranstalteten kürzlich die Obst- und Gemüseanbauer in Brixen. Hierzu...


                                        

Wortgefechte

„Die Parteien rüsten zur großen Schlacht “, lautete letzthin die Schlagzeile in der „Pustertaler Zeitung“, „sie bringen sich nun in Stellung .“ Vor Wahlen unterliegt selbst die Wortwahl von Politikern und Medien einer gezielten Strategie . Der aggressive Sprachgebrauch versetzt uns auf Kriegsschauplätze zurück, wenn dieselbe Zeitung das Ergebnis der Wahlen in aller Dramatik ankündigt: „Zum Schluss gibt es Sieger und Besiegte .“ Um die Bürger in ihrer...


                                        

Hokuspokus

„Simsalabim und Abrakadabra – schon wieder war die SVP da!“ War Zauberei mit im Spiel, argwöhnte das Wochenmagazin ff , als das Edelweiß wie im Jahr zuvor an die erste Stelle von den 19 Listenzeichen auf den Plakaten ausgelost wurde? Davon sind jetzt – Hokuspokus – nur mehr 14 auf dem Stimmzettel übrig geblieben. Was sich unserer Logik entzieht, verbannen wir ins ominöse Reich der Zauberei, was unser Verstand zu erklären nicht imstande ist, verschleiern wir mit magischen Formeln. Unter...


                                        

Tutti kaputti?

„Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt!“, jubelte Goethe, als er am 29. Oktober 1786 in Rom eintraf. Wovon der Dichterfürst einst nur schwärmte, nämlich vom caput mundi , darüber müssen wir Staatsbürger Italiens nur den Kopf schütteln. In der capitale wird derzeit so ziemlich alles, was den beinahe bankrotten Staat noch hätte retten können, kaputt regiert. Bekanntlich beginnt der Fisch am Kopf zu stinken. Ist dieses kaputt überhaupt ein deutsches Wort? Vom...

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Die Lüge ist salonfähig

Es wird nie soviel gelogen wie vor einer Wahl, während eines Krieges und nach einer Jagd. Wer immer diese Aussage getätigt hat, es ist unbestritten, dass die Lüge auf den genannten Tummelplätzen fruchtbaren Nährboden findet. Zu welchen Auswüchsen die menschenverachtende Propaganda des Reichslügenministers Goebbels geführt hat, belehrt uns die Geschichte des Tausendjährigen Reiches. Harmlos belustigend finden wir dagegen, wenn die Waidmänner gehörig übertreibend in urigem Jägerlatein mit ihren...


                                        

Schweigen – die Muttersprache des Weisen.

Auf der Penaud­alm oberhalb Karthaus werden die Gäste mit einem schlichten Hinweis angehalten, das Mobiltelefon nicht zu gebrauchen, weil es eh nicht funktioniert. Die Wanderer wissen es zu schätzen, sich ungestört unterhalten zu können und statt des entnervenden Handy-Gedudels das beruhigende Schellen der friedlich äsenden Rinder zu vernehmen. Wer glaubt, auch noch auf der Alm „online“ sein zu müssen, hat hier nichts zu suchen, weil er da auch nichts verloren hat. Es gibt auch Zeitgenossen, die zeitweise...


                                        

Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein

An der Fassade des Lienzer Kaufhauses dm prangt das Faustzitat, natürlich zurecht gebogen; mit dem ersten Satz soll die Aufmerksamkeit des Käufers geweckt, mit dem zweiten soll er zum Handeln, also zum Kauf bewogen werden. Mit demselben Goethezitat wirbt ein Burggräfler Hotel, auch hier ist der Text verfälscht, zwar ist nur ein „s“ unterschlagen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Der Gast darf sich hier aufhalten, weil er ja ein zahlender Mensch ist. Die Werbung greift mit Vorliebe auf bekannte Zitate und...


                                        

Tunnelblick

„Rund 24.000 Fahrzeuge pro Tag sollen laut Prognose 2026 durch den ersten Abschnitt des Tunnels rollen“, lesen wir in der letzten Ausgabe der „Meraner Nachrichten“. Die baldige Fertigstellung der Tunnel-Verbindung von der MeBo zum Bahnhof wird angekündigt. Bis wir durch den Tunnel unter der Stadt und dem Küchelberg ins Passeiertal gelangen, wird noch sehr viel Wasser von dort in die Etsch fließen. Auch die Bewohner von Forst fordern vehement eine Verlegung des Verkehrsflusses Richtung Töll in den Marlinger Berg....

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Statt ajourniert sind wir up to date

Nicht nur reif für die Insel sind sie, unter Burn-out leiden nicht wenige, die Lehrenden und Lernenden. Als ausgepowert bezeichnen sich auch manche, wenn sie merken, dass sie sich verausgabt haben. Burn-out und ausgepowert : Auf den ersten Blick scheinen beide Wörter aus dem Englischen zu stammen. Dem ist aber nicht so, denn das „ausgepowert“ geht ursprünglich auf das französische Wort pauvre zurück, was „arm“ heißt, das italienische povero fällt uns hierbei ein. Auspowern bedeutete...


                                        

Sprachliche Bandwürmer

Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz war mit 63 Buchstaben das längste gebräuchliche Wort der deutschen Sprache. Das Gesetz zum Schutz der Verbraucher vor der Rinderseuche BSE war 1999 eingeführt worden, nun wurde es vom Schweriner Landtag aufgehoben. Im DUDEN allerdings war das Wort nie vermerkt; bevor dort ein neues Wort eingetragen wird, muss es mit einer gewissen Häufigkeit im deutschen Sprachgebrauch auftauchen. Der Spitzenreiter der längsten Wörter im DUDEN ist derzeit die...


                                        

Unser Los

Los von Italien: Der Unabhängigkeitstag in Meran ist zum Selbstbestimmungsfest der „unterdrückten“ Völker Europas geworden. Es gibt immer wieder „Lostage“, die die politische Wetterlage eines Landes bestimmen. „Los von Österreich“ hatte der österreichische Staatsbürger Cesare Battisti für das Trentino gefordert und als Hochverräter seinen Einsatz mit der Hinrichtung bezahlt. Dafür wurde er in den Himmel der Nationalhelden Italiens erhoben, das gigantische Mausoleum auf...


                                        

Schwarz auf weiß

„Ich bin nicht farbig. Ich bin schwarz und das behaupte ich mit Stolz“, trat Cecile Kyange als neue italienische Ministerin für Integration selbstbewusst in ihrer Ansprache auf. Die gebürtige Kongolesin und Augenärztin hat allerdings nicht mit den rassistischen Vorurteilen einiger Staatsbürger gerechnet; prompt hat ein Lega-Nord-Spitzenpoliker gegen sie polemisiert. Anscheinend geistern in manchen Zeitgenossen immer noch die uralten Vorurteile weiter, wonach Schwarz als Farbe des Bösen gilt und Weiß das Gute...


                                        

Zum Verwechseln ähnlich

„Giorgio Napolitano hat sich vor allem als geschickter Mittler zwischen ideologischen Welten und politischen Parteien einen Namen gemacht“, führte das Tagblatt der Südtiroler als einen der Gründe für seine Wiederwahl an. Ideologien richten sich zwar auch an Idealen aus, die haben sich im Polit-Theater Italiens wohl längst verflüchtigt. Als vorbildlich und mustergültig stellen wir uns etwas vor, das wir als ideal bezeichnen. Weil er auf der Rennstrecke die Ideallinie abfuhr, konnte Dominik Paris mit...


                                        

Es grünt so grün

„Träumen darf doch noch erlaubt sein, träumen von freien Sonntagen, an denen der Familienausflug ins Grüne und nicht in den nächsten Supermarkt führt“, meinte Stephan Niederegger im Tagblatt der Südtiroler. Das Grün der ersten Blätter im Frühling übt einen besonderen Reiz auf uns aus, weckt Hoffnung auf bessere Zeiten nach dem hartnäckigen Winter. Besonders heuer können wir uns am Grün erfreuen, ist es ja zur Modefarbe des Jahres 2013 auserkoren worden. Genau genommen ist...


                                        

Auf einen Buchstaben kommt es an

Auf der Leserbriefseite der Neuen Tageszeitung fiel letztlich das Stichwort Holmittag auf. Die vormittägige Jause der Landesräte ist bisher vom Steuerzahler berappt worden, wie wir wissen; es könnte aber ja sein, dass sie sich die Stärkung zukünftig höchstpersönlich in der Bar holen und selbst dafür aufkommen. Eine falsche Vermutung, denn vom Halbmittag war im Leserbrief die Rede, nur der Buchstabe „b“ hatte im Stichwort gefehlt und den Sinn verdreht. Die Landesräte nainern , hätte es...


                                        

Lieber sitzen als stehen

„Wer guat sitzt, steaht net gearn auf“, meinte der Karikaturist Prinoth in der „Zett“, die Umrisse des karikierten Profils ließen auf den Landtagsabgeordneten Hans Berger als Sesselkleber schließen. Bekanntlich zieht es jeder vor, bequem zu sitzen, anstatt stehen zu müssen. Auf einer Karriereleiter allerdings kann stehen die Vorstufe für sitzen bedeuten. Horst Seehofer, Ministerpräsident von Bayern, hat sich hierzu einmal unmissverständlich geäußert: „Wer kein Stehvermögen...


                                        

Nicht ist nicht nichts

„Ich habe nichts getan, was den Gesetzen entspricht.“ Angesprochen auf den SEL-Skandal habe Durnwalder bei einer Pressekonferenz wortwörtlich diese Aussage gemacht, berichtete das Wochenmagazin ff. Das zweite „nicht“ hat der Landeshauptmann ganz einfach versehentlich ausgelassen und somit den Eindruck erweckt, gesetzeswidrig gehandelt zu haben. Er wird schon nichts tun, was den Gesetzen nicht entspricht, das nehmen wir ihm ja ab. Vorsicht ist immer geboten, wenn wir doppelt verneinen. Wenn Minus mal Minus in der Mathematik...


                                        

Hören und lauschen

Im Büro des Landesrates Michl Laimer soll es einen Lauschangriff gegeben haben. Die Frage ist, wer da etwa und mit welcher Absicht abhören wollte. An und für sich nichts Außergewöhnliches, meinte Senator Siegfried Brugger kürzlich im Morgentelefon, jährlich würden in Italien 140.000 Telefon-Anschlüsse erlaubterweise abgehört. Das Verb hören kann die unterschiedlichsten Bedeutungen annehmen, je nachdem welche Vorsilbe es sich zulegt. Abhören heißt nicht einfach zuhören ; wer...


                                        

Sprechen wir politisch korrekt?

„Die Zoggler will ich nicht nennen, die so etwas tun“, meinte der Alt-Obmann zum jüngsten SVP-Debakel im Landtag. In diesem Zusammenhang fuhren Zeitgenossen schwere Geschütze auf, von „falschen Hunden“ und „hinterfotzigen Feiglingen“, von „politischer Sauerei“ ging die Rede. Wir erinnern uns noch an die despektierliche Bezeichnung als „Esel“, womit ein durchwegs willfähriger Landesrat in aller Öffentlichkeit bedacht wurde. Anscheinend haben wir hierzulande von einer politischen...


                                        

Links oder rechts?

Das Abkommen zwischen SVP und der Linkspartei PD ist im Hinblick auf die anstehenden Parlamentswahlen kürzlich in Rom unterzeichnet worden. „Aber was, wenn es das Mitte-links-Bündnis nicht schafft?“, meint Klaus Innerhofer, Chefredakteur der „Zett“. Es gibt nicht wenige Landsleute, die Vorbehalte gegen eine politische Linkslastigkeit haben. Links wird von ihnen mit „kommunistisch“ und „rot“ gleichgesetzt. Geht man dem Wort links auf den Grund, so erfährt man, dass es ursprünglich...


                                        

Spuren im anno Schnee

Wirtschaftswachstum ist Schnee von gestern: Rückblickend auf das Jahr 2012 sind sich die Redakteure der renommierten Medien Italiens im Grundton einig. Wenn vom Schnee von gestern die Rede ist, rümpfen auch Skifahrer die Nase. Doch auch sie befahren Pisten, zu deren Präparierung die Liftbetreiber oft im Oktober schon die Schneekanonen einsetzen. Genau genommen verdanken wir also die guten Pistenverhältnisse dem Schnee nicht nur von gestern, sondern vom vergangenen Jahr. Die Redewendung des Schnees von gestern soll sich im Grunde...


                                        

Wünschen wir ein „neues“ oder „Neues“ Jahr?

Feiertagsgrüße und Neujahrswünsche zu versenden gehört auch zum Vorweihnachtsstress. Trotz Zeitdruck könnte sich manch einer fragen, ob er etwa „Alles Gute fürs neue Jahr“ oder doch „… fürs Neue Jahr“ schreiben müsse. Ist also in diesem Fall „neu“ klein oder groß zu schreiben? Warum stellt sich bei der Schreibung von Eigenschaftswörtern in Glückwünschen ein Rechtschreibproblem ein? Obwohl die Regel eigentlich ganz einfach ist, wird oft gegen sie...


                                        

Opfer

Für Mario Montis Sparprogramm muss auch die Autonome Provinz Opfer bringen, 120 Millionen werden im Haushalt eingefroren. Fällt das Wort Opfer, ahnen wir zu allererst nichts Gutes. Kriegerische Konflikte, Wirtschaftskrisen, Straßenverkehr fordern tagtäglich ihre Opfer. Opfer kann man nicht nur werden, manchmal muss man auch Opfer bringen. Das Verb opfern kommt vom lateinischen operare und hieß ursprünglich: „etwas tun“, „wirken“, „beschäftigt sein“. Schon früh ist das...


                                        

Zuwanderer

Nicht weniger als 44.362 Ausländer aus 134 Herkunftsländern leben zurzeit in Südtirol, dies entnehmen wir dem kürzlich aufgelegten Werk „Total alles über Südtirol“. In Meran liegt der Anteil der ausländischen Neubürger schon bei 16 Prozent. Werden sie mit offenen Armen aufgenommen oder begegnet man ihnen mit Argwohn? Wie gehen wir mit fremden Kulturen in unserem Sprachgebrauch um? Unser Sprachschatz hat sich seit eh und je mit Wörtern aus entlegenen Weltgegenden bereichert. So hat das Wort...


                                        

Der Tod muss nicht tödlich sein

„Eines Tages wacht man auf und ist tot“, meinte Wolf Schneider, ein Publizist, der sich in Sprachangelegenheiten auskennt. Können wir als Verstorbene unseres Todes bewusst werden? Der griechische Philosoph Epikur schließt es aus: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“ Unser Sprachgebrauch ist da nicht so kategorisch, der Tod ist keineswegs immer tödlich. Es gibt Todkranke , die sich später wieder bester Gesundheit erfreuen. Auch Totgesagte leben...


                                        

Stromschwankungen

Der „Strom-Sumpf“ war letzte Woche der Aufmacher im Tagblatt der Südtiroler. Der Strom fließt in Südtirol anscheinend nicht mehr, er ist zum Stillstand gekommen, weil er nunmehr zu einem Sumpf stagniert ist. Der Landeshauptmann jedoch scheint jetzt unter Strom zu stehen, wie der elektrische Strom teilt er bei Berührung Schläge aus. Sonderbar findet selbst das Wochenmagazin ff dieses Verhalten, denn „Strom war immer Chefsache in Südtirol“ und „die demonstrative Unwissenheit Durnwalders ist,...


                                        

Treffen sich zwei Jäger ...

„Meran stemmt sich gegen die Krise“, titelte die Südtiroler Tageszeitung. Der Bericht bezog sich allerdings nicht auf resolutes Krisenmanagement der Stadtverwaltung, nur der Meraner Pferderennplatz war gemeint. Stemmen lässt uns an einen Kraftakt denken, an ein Heben von schwerem Gewicht. Von der körperlichen auf die geistige Ebene wird neuerdings der Kraftaufwand gehoben, wenn das Wochenmagazin ff beispielsweise hinterfragt: „Warum gelingt es in diesem Staate nicht, wichtige und grundlegende Reformen zu stemmen...


                                        

Was Hänschen nicht lernt ...

„Wir müssen den Jugendlichen anfangs lernen, zu grüßen, Menschen zu siezen, die Grundlagen der Körperhygiene wie tägliches Zähneputzen beibringen“, berichtete kürzlich die Leiterin der Sozialgenossenschaft EOS in der Südtiroler Tageszeitung. Alle Achtung vor deren Einsatz beim Betreuen sog. Problemkinder und Jugendlicher auf dem Weg in die Arbeitswelt! In diesem Zusammenhang fällt wohl kaum auf, dass es eigentlich heißen sollte: „Wir müssen die Jugendlichen anfangs lehren zu...


                                        

Buchen und Buchstaben

Die ABC-Schützen ziehen wieder auf. Wir wissen, es geht keine Gefahr von ihnen aus, denn sie schießen weder auf Buchstaben noch mit ABC-Waffen. Schulanfänger lernen mit den Buchstaben, den kleinsten Elementen unseres Sprachbaukastens, umzugehen. Was aber haben unsere Schriftzeichen mit der bodenständigen Buche zu tun? Die in Buchenholz geritzten germanischen Runenzeichen hatten durchwegs einen senkrechten kräftigen Strich, den sog. Stab , nach dem das ganze Zeichen benannt ist. Das Buch selbst kam erst viel später...


                                        

Brücken für Esel u. a.

Sieben – fünf – drei, Rom schlüpft aus dem Ei. Wie hilfreich war der Reim, um die Gründung Roms im Gedächtnis festzunageln. Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer. Tatsächlich sind mir die drei wichtigsten Bestandteile des Granits seit dem Naturkundeunterricht an der Oberschule im Gedächtnis geblieben. Eselsbrücken nennt man solche Gedächtnishilfen, schon seit der Antike bedient man sich ihrer. Die Bezeichnung beruht allerdings auf der falschen Annahme, die Esel seien dumme...


                                        

Bindende und trennende Striche

Arm an Nachrichten sind die Sommerwochen, im Journalismus ist die Rede vom Sommerloch. In der Politik ereignet sich wenig, der Geschäftsbetrieb ist nicht allzu groß. Es ist auch die Zeit, in der die Gurken reifen und eingelegt werden, also die saure Gurkenzeit. Allerdings, wenn auch momentan die Zeiten sauer sind, so waren es ursprünglich genau genommen doch nur die Gurken. Die Schreibung des zusammengesetzten Wortes ist hier zur Falle geworden: Entweder Saure-Gurken-Zeit oder Sauregurkenzeit muss es heißen. Wann sind nun...


                                        

Kein Wetter

Gibt es etwas, worüber die Leute mehr schimpfen als über das Wetter und die Wetterfrösche? Es wird manch einen schon beruhigen, wenn er seinen Frust übers Wetter auslassen kann, indem er es als Sauwetter, Mistwetter oder Scheißwetter beschimpft. Nicht weniger bekommen die Meteorologen ihr Fett ab, wenn sie bei den Prognosen einmal das falsche Register ziehen. Selbst wenn sie sich in Schweigen hüllen, bleibt dies nicht ohne Folgen. „Letzte Woche streikten in Italien die Meteorologen. Es gab fünf Tage lang kein...


                                        

Wie im Krieg

„Blaszcykowski erzielte mit einer Granate aus vollem Lauf und 20 Metern ins Kreuzeck den Ausgleich“, schrieb die TT über das EM-Spiel Polen gegen Russland. Nirgendwo, so hat man den Eindruck, wird mehr geschossen und gebombt als auf dem Fußballplatz. Die Sportjournalisten bedienen sich vielfach der Ausdrücke aus dem Wortfeld „Kampf und Gewalt“, sodass ein Fußballspiel durchaus mit einer klassischen Feldschlacht vergleichbar ist. Es gibt auch hier die Angreifer und die Verteidiger , und den Akteuren wird...


                                        

Sonnenwende

Am 21. Juni erreicht die Sonne ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont, ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Die Sonne wendet sich während ihres scheinbaren jährlichen Laufs vom höchsten Stand, dem Wendekreis des Krebses, ab. Seit Urzeiten ist dies für die Menschen in Mitteleuropa der Anlass, die Sonnwendfeuer abzubrennen. Das Verb „wenden“ lässt sich in nahezu allen Lebenslagen verwenden : Man kann eine Seite wenden , kann ein Unglück abwenden , eine Regel anwenden , einen...


                                        

Biker & Co.

„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ Wenn dies einer gesagt hat, der durch Autos reich wurde, nämlich Adam Opel, so lassen wir uns gerne überzeugen. Am 3. Juni wird der Tag des Fahrrads begangen; er soll einen Anstoß geben, uns noch mehr mit dem Rad fortzubewegen. Wer viel Fahrrad fährt, heißt es, bleibt gesund – auch im Alter. Allerdings sind die Radfahrer eine Kategorie, die – nicht immer zu Unrecht – angefeindet werden:...


                                        

Gibt es Wiesen voller Löwenzähne?

„Eroberer des Alls“ bezeichnete das „Wochenmagazin ff“ den in Latsch geborenen Raumfahrtunternehmer Manfred Fuchs. Er betreut als Hauptsponsor das Projekt „Satellit Max Valier“, an dem Schüler der Technischen Fachoberschulen von Bozen und Meran arbeiten. Das Weltall zu erobern scheint ein einzigartiges Unterfangen zu werden. Gibt es eigentlich nur ein einziges All oder doch mehrere davon? Im deutschen Wortschatz jedenfalls gibt es das All nur in der Einzahl. Das derzeit sprießende frische Laub gibt es auch...


                                        

Straßen

Kürzlich wurden in Meran einige Straßenschilder durch neue ersetzt. Der Abgeordnete Minniti hat sofort Kritik daran geübt, nicht etwa weil die Beschilderung nicht den Normen entspräche, sondern weil die deutsche Bezeichnung vorangestellt ist. Die Schreibung der Straßennamen wird nicht immer einheitlich gehandhabt. Es fällt uns auf, dass sich die deutsche Schreibweise wesentlich von der italienischen unterscheidet. So wird die Peter-Mayr-Straße mit Bindestrichen geschrieben, die via Peter Mayr hingegen ohne. Es...


                                        

Billig, schlecht und gemein

Er finde es ziemlich gemein, meinte kürzlich ein Bekannter, dass man Pflanzen als gemein bezeichne, zum Beispiel die gemeine Wegwarte oder den gemeinen Schneeball ; bei der gemeinen Kratzdistel verstehe er es noch, weil sie uns ja auch kratze. Es galt zu klären, dass die Bezeichnung gemein früher noch nicht eine abwertende Bedeutung an sich hatte. Was heute „böse, von übler Gesinnung“ heißt, eben gemein , ist früher nur das Gewöhnliche gewesen, also das Gemeinsame. Was allen gehört, ist...


                                        

Namobu

Man möchte meinen, das exotische Wort stamme aus Afrika, an Namibia und Mobutu denken wir vielleicht spontan. Falsch geraten, im Burggrafenamt ist der Begriff anzusiedeln, bei uns hier in Meran ist er ins Leben gerufen worden. Nachhaltige Mobilität im Burggrafenamt ist das erklärte Ziel des Projektes, womit man den Verkehr in den Griff bekommen will. Genau genommen ist diese Abkürzung ein Akronym, also ein Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter zusammengesetzt ist. Nach dem gleichen Prinzip sind die...


                                        

Sollen

„Durnwalder soll bei den nächsten Landtagswahlen nicht mehr antreten.“ Ist dies eine Empfehlung an den Landeshauptmann, sich von der politischen Szene Südtirols zu verabschieden? Wohl eher ist der Zeitungsmeldung zu entnehmen, Durnwalder werde angeblich nicht mehr antreten. Vorsicht ist geboten, wenn wir uns des Modalverbs sollen bedienen: Es kann durchaus eine Aufforderung ausdrücken, es kann aber ebenso eine Nachricht oder eine fremde Behauptung beinhalten. „Die Schützen sollen den Toponomastik-Entwurf der...


                                        

Stummelsprache

„Steuern runter, Löhne rauf.“ Eher hätte man diese Titelzeile in der BILD-Zeitung vermutet als auf der ersten Seite der Südtiroler Tageszeitung. Gesundschrumpfen müssen wir, so wird uns das Sparen und Kürzen schöngeredet. Anscheinend hat der Schrumpfungsprozess auch schon in unserem Sprachgebrauch eingesetzt. Rauf und runter, rüber, rein und raus, diese verstümmelten Formen fassen zusehends Fuß in den Südtiroler Medien. Zusätzlich haftet diesen Kurzformen ein grundlegender Mangel an: Sie...


                                        

Tschüss und Ciao

Eine Passauer Schuldirektorin hat kürzlich an ihrer Schule ein Verbot für die Grußwörter Hallo und Tschüss erlassen. Als respektlos empfinde sie die Grußwörter, begründete sie die Maßnahme und außerdem sei das norddeutsche Tschüss alles eher als bayrisch. Sie bemühe sich, ihren Schülern gute Umgangsformen zu vermitteln. Mit dem bodenständigen Grüß Gott sollen die Schüler angemessenen Respekt gegenüber den Lehrpersonen bezeugen, und wer sich damit nicht...


                                        

Zwieback und Biskuit

Die Haltung der Landesregierung dem Sparpaket von Mario Monti gegenüber sei zweispältig, berichtete kürzlich die Sprecherin der RAI Bozen. Zweispältig, zwiespältig oder zweispaltig ? Im Grunde ist hier zweispältig nicht ganz abwegig, denn zweiseitig ist die Position zwischen Zustimmung und Ablehnung. Jedoch muss das Eigenschaftswort auch heute noch zwiespältig lauten, da es vom Althochdeutschen zwispaltig herrührt. Es darf auch nicht mit zweispaltig verwechselt werden, im Bereich des Druckwesens sind...


                                        

Die jungen Alten

Das Europäische Parlament hat das Jahr 2012 unter den Leitspruch Active Ageing gestellt, also begehen wir heuer das Europäische Jahr für Aktives Altern . Wir sind aufgerufen, ein lebenswertes und aktives Leben auch in fortgeschrittenen Jahren zu führen. Jeder will es werden, aber keiner will es sein, nämlich alt. Alle wollen wir möglichst alt werden, dabei aber fit sein, jung aussehen, geistig und körperlich leistungsfähig bleiben. Die Anti-Aging-Welle verspricht uns die ewige Jugend, wofür wir die...


                                        

Laufend und stehend

Dass die Jahre laufen, ist uns wieder zu Silvester deutlich bewusst geworden. Was sonst noch alles im Laufschritt eilt, darüber kann man nur staunen. „Wir verkaufen laufend frische Brötchen!“ Mit diesem Werbespruch lockt eine Bäckerei die Kunden an. Anscheinend bemüht sich der Bäcker dermaßen um seine Kunden, dass er sie flitzend zu erreichen versucht. „Wir halten laufend geöffnet“, stand letzthin am Eingang eines Betriebes. Wäre dieser ständig geöffnet, bräuchte gar...


                                        

Es ist fünf vor zwölf

Der Warnruf scheint dem ausklingenden Jahr den Stempel aufzudrücken. Wird 2012 ein Jahr der Wende oder droht uns die Stunde „0“? Will uns sogar der Maya-Kalender einen Wink geben, laut dem am 21. Dezember 2012 die Sonne alle zwölf Tierkreiszeichen durchwandert haben wird und der Kosmos apokalyptisch enden soll? In vielen Kulturen stellt die Zwölf eine heilige Vollzahl dar; darin sind die Drei und die Vier (drei mal vier), die Fünf und die Sieben (fünf plus sieben) enthalten. Die himmlische Stadt Jerusalem hatte...


                                        

Manches ist so unmöglich nicht

„Das ist nicht nichts , was uns der Staat neuerdings abknüpft“, beklagt sich ein geschröpfter Zeitgenosse. Es wird uns allerhand abverlangt, meint er, aus nicht nichts wird also ziemlich viel . Eine doppelte Verneinung ergibt meist eine positive Aussage. Auch in der Mathematik gibt minus mal minus ein Plus. Gehen wir dem Wörtchen „nichts“ auf den Grund: Es entstand aus einer im Mittelalter sehr verbreiteten Gewohnheit doppelt zu verneinen, um eine Aussage zu verstärken. Das Auslaut-s ist nämlich ein...


                                        

Ich darf mich entschuldigen

„Ich darf Sie alle willkommen heißen, ganz besonders darf ich den Herrn Bürgermeister begrüßen, weiters darf ich der Obfrau einen besonderen Dank aussprechen …“ Wer in der Öffentlichkeit etwas zu sagen hat, beginnt seine Rede mit „Ich darf“ . „Ich darf darauf hinweisen, dass …“, „Ich darf noch hinzufügen …“. Solche und ähnliche Floskeln hören wir bei fast jeder nur denkbaren Gelegenheit. Wir fragen uns schon gar nicht mehr, wer dem Redner die...


                                        

Sprachirrtümer

„Der weiß, wo der Barthel den Most holt!“ Kennt einer alle Kniffe und Tricks, wird er über diese Redewendung charakterisiert. Was aber hat so ein Gerissener im Keller beim Traubensaft verloren? Rein gar nichts. Die Wendung führt uns hier irre: Most steht nicht für Traubensaft, sondern ist eine Entstellung vom rotwelschen Moos, das heute noch umgangssprachlich für „Geld“ steht. Rotwelsch war eine Gaunersprache, die zur Geheimhaltung gerne jiddische Wörter verwendete. Manch einem, der beim...


                                        

Wie heißt Handy auf Englisch?

Jeder fünfte Österreicher ist rundum erreichbar, sogar am stillen Örtchen – dem Handy sei Dank. Dies geht aus der Umfrage eines Wiener Klopapierherstellers hervor. Im Water Closet ist mir noch nie die Mahnung No handies please! untergekommen, wohl aber in manchem Restaurant. Selbstverständlich respektieren wir diese Aufforderung, englischsprachige Gäste verstehen aber nicht auf Anhieb, was man von ihnen erwartet. Im Englischen ist handy ein Eigenschaftswort und meint: handlich, geschickt, leicht erreichbar. Das...


                                        

Noch lang oder nicht mehr lange?

Politiker, Journalisten und auch Bürger fragen sich, ob der Landeshauptmann Luis Durnwalder die Zügel der Südtiroler Politik noch lang oder nicht mehr lange halten wird. Unser Langzeitpolitiker ist sich anscheinend selbst noch nicht ganz im Klaren. Dauert das lange Warten den Kronprinzen etwa zu lange oder zu lang? Genau genommen zu lange und nicht zu lang . Hier gilt es zu unterscheiden: Das eine ist der Begriff der Zeit, das andere der der Länge. Es wird noch lange dauern bis zur Fertigstellung der Nordwestumfahrung. Mit...


                                        

Mobilität über alles

In vierzig Südtiroler Gemeinden läuft gerade die Europäische Mobilitätswoche . Sie wird mit einem autofreien Tag abgeschlossen. Verkehr wird durch Mobilität ersetzt. Mobil muss man sein, sonst ist und wird man überholt. Unsere Bezirksgemeinschaft macht es uns vor: Sie hat das Projekt mit der exotischen Bezeichnung NaMoBu gestartet. Was soll das nun wieder heißen? Es ist ganz einfach ein Kurzwort aus der Aküsprache, d. h. aus der Abkürzungssprache, es steht für Nachhaltige Mobilität im...


                                        

Bildung ist, was übrig bleibt

„Sorgen Sie dafür, dass der Zweitsprachenunterricht besser funktioniert. Sagen Sie mir, was Sie brauchen – aber bitte nicht mehr Geld und mehr Personal!“ Mehr Effizienz bei gleichbleibenden Finanzmitteln forderte kürzlich die Landesrätin Kasslatter Mur bei den Schuldirektoren ein. Die Schullandesrätin muss sparen, während sich die anderen Landesräte zur Durchsetzung auch fragwürdiger Projekte selbstherrlich am Topf des Landeshaushaltes bedienen. „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als...


                                        

Nachhaltigkeit

Überzeugend wirkt zurzeit ein Vorhaben nur, wenn es dem Anspruch der Nachhaltigkeit entspricht. Ganz oben auf der Liste der beliebtesten deutschen Wörter behauptet sich das Nachhaltige ; nicht weniger als siebzehnmal wurde es kürzlich auf einer einzigen Seite des Tagblattes der Südtiroler angeführt. Bei den „Tagen der Nachhaltigkeit“ in Brixen versuchten Fachleute, uns für nachhaltiges Wirtschaften zu begeistern. Was sollen wir indes unter dem Begriff Nachhaltigkeit überhaupt vorstellen? Eine eindeutige...


                                        

Sommerloch

An lang ersehnten Schulferien und wohl verdienten Betriebsferien ist für viele von uns derzeit der Tagesablauf ausgerichtet. So beliebt sind die Ferien, dass sie nicht zufällig nur in der Mehrzahl vorkommen; einen einzelnen Tag nimmt man ja nur frei. Die Ferien haben eindeutig römischen Ursprung: „feriae“ waren die heiligen Festtage, an denen Arbeit und Geschäfte ruhten. Auch unsere „Feier“ verdanken wir den „feriae“, und der Abend vor dem Festtag ist der „Feierabend“. Die...


                                        

Sinn machende Sinne

„Es macht nicht wirklich Sinn, durch Hoteldörfer die Zersiedelung weiter voranzutreiben und gleichzeitig mit intakter Landschaft zu werben“, äußert sich ein Touristik-Experte skeptisch. „Es macht Sinn …“: Rundfunk und Fernsehen kommen anscheinend ohne diese Redewendung nicht mehr aus. Es fällt uns dann kaum mehr auf, wenn wir das „Sinn machen“ selbst verwenden. Gutes Deutsch ist es jedenfalls nicht, es ist nur die wörtliche Übersetzung vom englischen „It makes sense“....


                                        

Hinkende Vergleiche

„Die Wahlbeteiligung bei den Referenden vom 12. und 13. Juni ist im Vergleich zur Volksabstimmung über die Jagd 1997 um das Doppelte gestiegen.“ Dieser Meldung zufolge hätte die Beteiligung der Bürger heuer an die 90 % erreicht. Ein derartiges Stimmverhalten stünde in krassem Widerspruch zur zunehmenden Politikverdrossenheit der Bürger Italiens. Die Wahlbeteiligung ist auf das Doppelte gestiegen, muss es korrekterweise heißen, dann sind es in etwa 57 % der Stimmberechtigten. Normalerweise versteht man unter...


                                        

Von Fall zu Fall

„Die UNO hat das Jahr 2011 zum internationalen Jahr des Waldes ausgerufen, sie versteht den Wald als Lebensraum für Flora, Fauna und den Mensch“, lautete kürzlich die Meldung im Frühstücksradio des Senders Bozen. In diesem Lebensraum kommt der Mensch allerdings zu kurz, denn er müsste ja ein Bereich für den Mensch en sein. Ist es Hektik oder ist es Bequemlichkeit, die unsere Zeitgenossen veranlassen, die Endung -en zu verschlucken? „Die Natur dem Wanderer, das Obst dem Bauer!“ Dem Bauer n im...


                                        

Pro – einmal ohne contra

Sinkende Kreditwürdigkeit wurde von der Ratingagentur S&P für Italien prognostiziert, Aussichten auf Produktivitätssteigerungen seien nicht in Sicht. Prognosen können uns ebenso irritieren wie animieren. Schönwetter-Prognosen verleiten uns zu spontanen Unternehmungen im Freien. Das lateinische Verhältniswort pro bedeutet etwa: vor, für, zugunsten, anstatt. Das „Pro“ verweist auf Zukunft und Fortschritt, es stimmt uns zuversichtlich, es klingt bejahend und zustimmend. Jedenfalls ist es in den...


                                        

Komma im Koma

„Der Landeshauptmann empfahl dem Landesrat nicht zu widersprechen.“ Wer sollte wem nicht widersprechen? Zweideutigkeiten entstehen, wenn ein Komma an der richtigen Stelle fehlt. „Er begann seine Brille auf der Nase zu beobachten, wie die Gäste eintrafen.“ Beim Lesen dieses Satzes werden wir höchstwahrscheinlich irregeführt, weil der Einschub „seine Brille auf der Nase“ nicht durch Beistriche gekennzeichnet ist. „Er fürchtet sich zu verlieren.“ Um Missverständnisse zu...


                                        

Der Schein trügt

Ein Vierteljahrhundert nach dem Tschernobyl-GAU drängt sich uns die Frage auf: Trägt die Nutzung der Atomenergie anscheinend zum Wohlergehen der Menschheit bei oder ist dieser Nutzen nur ein scheinbarer ? Wenn die Regierung Berlusconi auf den Wiedereinstieg in die Kernenergie anscheinend verzichten will, dann können wir hoffen, dass ihr dabei auch Ernst ist. Wenn sie aber scheinbar die Atomkraft auf Eis legt, so setzt sie weiterhin auf den Ausbau der Kernenergie. Es besteht nämlich ein wesentlicher Unterschied zwischen...


                                        

Happy Easter

Frohe Ostern scheint manchem Zeitgenossen schon zu althergebracht zu klingen, happy Easter hört sich da schon weltmännischer an. Ich bin voll happy, ich bin total happy, platzen siegreiche Sportler los. In aufregenden Augenblicken des Daseins müssen englische Wörter her. „Ich bin froh, ich bin glücklich, ich bin überglücklich“, damit können sich Emotionen anscheinend nur unzureichend ausdrücken. Ich bin happy, das klingt lockerer, sportlicher, zeitgemäßer. Als glücklich...


                                        

L’Italia s’é fatta

„Italien ist geschaffen . Schaffen wir nun die Italiener“, soll Massimo d’Azeglio, Schriftsteller und Politiker, vor 150 Jahren gesagt haben, nachdem die Einigung Italiens vollzogen war. Vor allem war dies dem diplomatischen Geschick des Grafen Camillo Benso Cavour zu verdanken, der nach erfolgter Einigung dermaßen geschafft war, dass er im Juni desselben Jahres verstarb. Nachdem er Himmel und Erde geschaffen hatte, musste sogar Gottvater einen Ruhetag einlegen. Warum aber lautet das Perfektpartizip von schaffen einmal...


                                        

Die Geister, die ich rief ...

Wehe, wenn sie losgelassen wachsend ohne Widerstand ... Die erschütternden Bilder aus Japan rufen uns die Verse von Friedrich Schiller wieder ins Bewusstsein. Die Illusion von der absoluten Beherrschung der Natur durch menschliche Technik hat sich im Laufe der Geschichte selten so dramatisch gezeigt wie in den letzten Tagen. Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand, gibt Schiller im Lied von der Glocke zu bedenken. Die Selbstüberhebung und Vermessenheit des Menschen führten schon die Griechen in Tragödien als...


                                        

Katastrophen mit Apostrophen

„In unser’n urig’n Stub’n gibt’s Schweinsbrat’n, Knöd’l und Bratkartoffel’n Oma’s Art.“ Der Berggasthof scheint sich mit der Apostrophitis infiziert zu haben, ohne Schaden zu leiden, denn Floskeln mit Häk’chen klingen urig und scheinen sogar werbewirksam zu sein. Auch in den Tallagen wird nicht weniger apostrophiert. Der „Media Markt“ bietet uns in Prospekten und Schaufenstern seine Artikel kaum ohne den Oberstrich an: Die CD’s und DVD’s , die...


                                        

Blumento-pferde

Kürzlich berichtete die „Zett“ von einem Einsatz der Bergrettung in Vals, bei dem eine Frau mit gebrochenem Arm auf dem Leitens-teig gefunden und dann mit Gebirgstrage geboren wurde. Die ach so praktischen elektronischen Textverarbeitungsprogramme werden vom Fehlerteufel nicht selten ausgetrickst. Wenn das Rechtschreibprogramm herzeigen trennen soll, findet es herz-eigen ebenso wie her-zeigen. Witzig fanden wir schon früher die zwei Möglichkeiten der korrekten Trennung des Wortes Urinstinkt : Es kann daraus ebenso der...


                                        

Patent und Polizze

Nunmehr ist die Zeit reif, so scheint es wenigstens, dass faschistische Relikte in Südtirol beseitigt oder entschärft werden. Unter dem diktatorischen Regime ist auch unsere Sprache von italienischen Ausdrücken unterwandert worden, die auch heute noch in der Umgangssprache, obwohl Fremdkörper, verwendet werden. Allerdings sind manche dieser sogenannten Italianismen wohlwollend aufgenommen worden und haben bei uns eine neue Heimat gefunden; auch der Kapuziner Wastl ist von den meisten Bruneckern längst adoptiert worden....


                                        

Frauengerechte Sprache

Neunundvierzig Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen fünfzig Sänger. Frauen werden in der gängigen Sprachpraxis vielfach unsichtbar gemacht. Die männliche Dominanz unserer Sprache fällt einem erst bei genauerem Hinsehen auf: So werden Bezeichnungen wie Schüler, Maturant, Magister, Doktor, Meister durchwegs als rein männliche Formen verwendet; weibliche Personen sind darin höchstens „mitgemeint“ und keineswegs geschlechtsspezifisch genannt. Die Forderung nach einer Sprache, die Frauen und...


                                        

Mehr kann weniger sein

Um ein Jahr älter werden wir im Laufe des neuen Jahres, was aber ganz und gar nicht heißen muss, dass wir alt sind. Ein älterer Herr ist ja auch nicht so alt wie ein alter Herr, und eine jüngere Dame ist nicht so jung wie eine junge Dame. Wenn wir bestimmte Eigenschaftswörter steigern, wird ihr Wert in gewissen Fällen vermindert. Sagen wir, dem Kranken gehe es schon besser , so geht es ihm noch lange nicht gut. Ein höherer Einsatz beim Glücksspiel ist nicht so hoch wie ein hoher Einsatz. Überhaupt...


                                        

Die Stimmen des Volkes

Neulich wurde beim Meraner SVP-Parteitag ein einziger Bürgermeisterkandidat nominiert. Sie, die sich Partei des Volkes nennt, schließt das Volk schon bei den Vorwahlen aus. Wer bei den Gemeinderatswahlen der Volkspartei die Stange hält, kann nicht unter mehreren Kandidaten den Bürgermeister auswählen, er darf nur zustimmen; das Volk bleibt also Stimmvieh. Dass Demokratie Herrschaft des Volkes heißt und aus dem alten Griechenland stammt, wissen wir. Wer aber war damals das Volk? Seinerzeit zählte eine relative...


                                        

Meinen und denken

„ Ich denke , mein Gehalt ist der Verantwortung, die ich trage, und dem Einsatz, den ich leiste, angemessen“, rechtfertigte sich unser Landeshauptmann kürzlich in der ff zum Thema „Gerechter Lohn“. Ich glaube …oder Ich meine ... pflegte bisher zu sagen, wer sich anschickte, seine Ansichten vorzutragen. Wenn jemand früher einmal sagte Ich denke! , so klang das, als wollte er ausrufen: „Ich denke gerade nach, stör mich nicht!“ „An etwas denken“ ist uns geläufig, ebenso wie...


                                        

Ein Name sagt mehr als tausend Worte

Die Lisl ist fleißig, der Hans prahlt und die Kathl ratscht. Wir brauchen nur bestimmte Namen zu hören und schon klingen unterschwellig schmeichelhafte oder ehrenrührige Bedeutungen mit. Der Hans erfreut sich einer besonderen Beliebtheit in der bunten Welt der Namen. So verkörpert der Hans im Glück einen mit sich und der Welt zufriedenen Glückspilz, dem man mit der Redewendung Der Hans, der kann’s auch viel zutraut. Wenig Respekt dagegen hat man vor dem Hanswurst und ungern kehrt man dort ein, wo der...


                                        

Nomen est omen

Wie attraktiv stellen wir uns eine Frau mit dem Namen Thusnelda vor? Welche Assoziation stellt sich uns beim Frauennamen Mercedes ein? Dass Namen Vorurteile auslösen, dies wurde von Psychologen erforscht und nachgewiesen; eine entsprechende Studie ist im Fachmagazin Zeitschrift für Sozialpsychologie nachzulesen. Unser Gehirn stellt unbewusst Zusammenhänge her: Je jünger man sich bei einem bestimmten Namen eine Person vorstellt, desto attraktiver und zugleich intelligenter wird sie eingeschätzt. Bei der Namengebung...


                                        

Siezen oder duzen?

Der Umgang mit den Mitmenschen fällt den Jugendlichen heute leicht: Offen und unvoreingenommen reden sie jedermann mit du an, unabhängig von Alter oder Stellung. Das englische you ist ja auch so praktisch und weltweit in jeder gesellschaftlichen Situation das alleinige Anredepronomen. In ganz alten Zeiten sagte man im germanischen Sprachraum auch nur du . Vor etwas mehr als tausend Jahren begann man, Angehörige der höfischen Gesellschaft mit Ihr anzusprechen. Wie lange diese Anrede besonders im ländlichen Bereich...


                                        

Rund um die Torggl

Jetzt setzt enk lei frisch rund um den Tisch, nehmt Messer und Gobl, reißt auf enkern Schnobl, mocht an Gottsnom` und esst olles zsomm! Mit diesen Versen lädt uns der Mundartdichter Hans Fink zum Törggelen ein. Was landauf landab im Herbst als kulinarische Pflichtübung zelebriert wird, geht ursprünglich auf einen Eisacktaler Brauch zurück: An den ausklingenden Tagen der Weinlese trafen sich einst die Weinbauern nur unter sich im Keller, nicht weit von der Torggl, dem Ungestüm aus schweren Balken mit dem gigantischen...


                                        

Gewinner und Sieger

Die 20-jährige Konditorin Veronika Kuen hat Gold in ihrem Beruf geholt und ist jetzt Weltmeisterin. Es scheint recht einfach zu sein, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen: Der Bewerber meldet sich an, fliegt hin und holt sich die Medaille. Das jahrelange Training, all die Ausdauer, Disziplin und Selbstbeherrschung sind im Wort holen nicht im Mindesten enthalten, ja nicht einmal angedeutet. In früheren Zeiten gingen bei Wettbewerben die Besten durchwegs als Sieger hervor. Allerdings ging dem Sieg vielfach ein Kampf, eine Schlacht, ein...


                                        

Die Sprengkraft der Rede

Pfiffe und Buhrufe erntete unser Landeshauptmann bei der Naturerbe-Feier in Auronzo, als er während seiner Rede die Festgäste in deutscher und ladinischer Sprache grüßte; nicht nur dies, Durnwalder wurde von einem ranghohen italienischen UNESCO-Vertreter sogar mit Ghaddafi verglichen. Kaum zu fassen, dass ein paar gut gemeinte Grußworte statt zur Verständigung beizutragen nur benutzt werden, um das Misstrauen zwischen den Volksgruppen zu schüren. Dass unbequeme Rednergestalten nicht nur mundtot gemacht, sondern...


                                        

Worte über Worte

Haben wir uns jemals Gedanken darüber gemacht, welche Wörter wir mit Vorliebe in den Mund nehmen? Der, die, und sind laut Statistik die am häufigsten verwendeten Wörter der deutschen Sprache. Schränken wir die Suche auf die Hauptwörter ein, dann finden wir unter den hundert häufigsten Wörtern ein einziges Hauptwort, welches wohl nicht durch Zufall Zeit lautet; allein diese Feststellung lässt darauf schließen, in welchem Maße wir schon Sklaven der Zeit geworden sind. In der Rangliste erst...