Worte über Worte
Meraner Stadtanzeiger - die Zeitung für Meran
(erhältlich in Untermais, Obermais, Sinich, Gratsch, Algund, Marling, Tscherms, Lana, Tirol, Schenna, Riffian, St. Martin, St. Leonhard, Hafling, Burgstall, Naturns, Kastelbell, Goldrain, Terlan, Vilpian und Nals)66 Artikel in der gewählten Kategorie. (insgesamt 550 Artikel online)
10 Artikel von 2013 online
Schwarz auf weiß
„Ich bin nicht farbig. Ich bin schwarz und das behaupte ich mit Stolz“, trat Cecile Kyange als neue italienische Ministerin für Integration selbstbewusst in ihrer Ansprache auf. Die gebürtige Kongolesin und Augenärztin hat allerdings nicht mit den rassistischen Vorurteilen einiger Staatsbürger gerechnet; prompt hat ein Lega-Nord-Spitzenpoliker gegen sie polemisiert. Anscheinend geistern in manchen... Zum Verwechseln ähnlich
„Giorgio Napolitano hat sich vor allem als geschickter Mittler zwischen ideologischen Welten und politischen Parteien einen Namen gemacht“, führte das Tagblatt der Südtiroler als einen der Gründe für seine Wiederwahl an. Ideologien richten sich zwar auch an Idealen aus, die haben sich im Polit-Theater Italiens wohl längst verflüchtigt. Als vorbildlich und mustergültig stellen wir uns etwas... Es grünt so grün
„Träumen darf doch noch erlaubt sein, träumen von freien Sonntagen, an denen der Familienausflug ins Grüne und nicht in den nächsten Supermarkt führt“, meinte Stephan Niederegger im Tagblatt der Südtiroler. Das Grün der ersten Blätter im Frühling übt einen besonderen Reiz auf uns aus, weckt Hoffnung auf bessere Zeiten nach dem hartnäckigen Winter.
Besonders heuer... Auf einen Buchstaben kommt es an
Auf der Leserbriefseite der Neuen Tageszeitung fiel letztlich das Stichwort Holmittag auf. Die vormittägige Jause der Landesräte ist bisher vom Steuerzahler berappt worden, wie wir wissen; es könnte aber ja sein, dass sie sich die Stärkung zukünftig höchstpersönlich in der Bar holen und selbst dafür aufkommen. Eine falsche Vermutung, denn vom Halbmittag war im Leserbrief die Rede, nur der... Lieber sitzen als stehen
„Wer guat sitzt, steaht net gearn auf“, meinte der Karikaturist Prinoth in der „Zett“, die Umrisse des karikierten Profils ließen auf den Landtagsabgeordneten Hans Berger als Sesselkleber schließen. Bekanntlich zieht es jeder vor, bequem zu sitzen, anstatt stehen zu müssen. Auf einer Karriereleiter allerdings kann stehen die Vorstufe für sitzen bedeuten. Horst Seehofer,... Nicht ist nicht nichts
„Ich habe nichts getan, was den Gesetzen entspricht.“ Angesprochen auf den SEL-Skandal habe Durnwalder bei einer Pressekonferenz wortwörtlich diese Aussage gemacht, berichtete das Wochenmagazin ff. Das zweite „nicht“ hat der Landeshauptmann ganz einfach versehentlich ausgelassen und somit den Eindruck erweckt, gesetzeswidrig gehandelt zu haben. Er wird schon nichts tun, was den Gesetzen nicht entspricht, das... Hören und lauschen
Im Büro des Landesrates Michl Laimer soll es einen Lauschangriff gegeben haben. Die Frage ist, wer da etwa und mit welcher Absicht abhören wollte. An und für sich nichts Außergewöhnliches, meinte Senator Siegfried Brugger kürzlich im Morgentelefon, jährlich würden in Italien 140.000 Telefon-Anschlüsse erlaubterweise abgehört.
Das Verb hören kann die unterschiedlichsten... Sprechen wir politisch korrekt?
„Die Zoggler will ich nicht nennen, die so etwas tun“, meinte der Alt-Obmann zum jüngsten SVP-Debakel im Landtag. In diesem Zusammenhang fuhren Zeitgenossen schwere Geschütze auf, von „falschen Hunden“ und „hinterfotzigen Feiglingen“, von „politischer Sauerei“ ging die Rede. Wir erinnern uns noch an die despektierliche Bezeichnung als „Esel“, womit ein durchwegs... Links oder rechts?
Das Abkommen zwischen SVP und der Linkspartei PD ist im Hinblick auf die anstehenden Parlamentswahlen kürzlich in Rom unterzeichnet worden. „Aber was, wenn es das Mitte-links-Bündnis nicht schafft?“, meint Klaus Innerhofer, Chefredakteur der „Zett“. Es gibt nicht wenige Landsleute, die Vorbehalte gegen eine politische Linkslastigkeit haben. Links wird von ihnen mit „kommunistisch“ und... Spuren im anno Schnee
Wirtschaftswachstum ist Schnee von gestern: Rückblickend auf das Jahr 2012 sind sich die Redakteure der renommierten Medien Italiens im Grundton einig. Wenn vom Schnee von gestern die Rede ist, rümpfen auch Skifahrer die Nase. Doch auch sie befahren Pisten, zu deren Präparierung die Liftbetreiber oft im Oktober schon die Schneekanonen einsetzen. Genau genommen verdanken wir also die guten Pistenverhältnisse dem Schnee... 24 Artikel von 2012 online
Wünschen wir ein „neues“ oder „Neues“ Jahr?
Feiertagsgrüße und Neujahrswünsche zu versenden gehört auch zum Vorweihnachtsstress. Trotz Zeitdruck könnte sich manch einer fragen, ob er etwa „Alles Gute fürs neue Jahr“ oder doch „… fürs Neue Jahr“ schreiben müsse. Ist also in diesem Fall „neu“ klein oder groß zu schreiben? Warum stellt sich bei der Schreibung von Eigenschaftswörtern in... Opfer
Für Mario Montis Sparprogramm muss auch die Autonome Provinz Opfer bringen, 120 Millionen werden im Haushalt eingefroren. Fällt das Wort Opfer, ahnen wir zu allererst nichts Gutes. Kriegerische Konflikte, Wirtschaftskrisen, Straßenverkehr fordern tagtäglich ihre Opfer.
Opfer kann man nicht nur werden, manchmal muss man auch Opfer bringen. Das Verb opfern kommt vom lateinischen operare und hieß... Zuwanderer
Nicht weniger als 44.362 Ausländer aus 134 Herkunftsländern leben zurzeit in Südtirol, dies entnehmen wir dem kürzlich aufgelegten Werk „Total alles über Südtirol“. In Meran liegt der Anteil der ausländischen Neubürger schon bei 16 Prozent. Werden sie mit offenen Armen aufgenommen oder begegnet man ihnen mit Argwohn? Wie gehen wir mit fremden Kulturen in unserem Sprachgebrauch um?... Der Tod muss nicht tödlich sein
„Eines Tages wacht man auf und ist tot“, meinte Wolf Schneider, ein Publizist, der sich in Sprachangelegenheiten auskennt. Können wir als Verstorbene unseres Todes bewusst werden? Der griechische Philosoph Epikur schließt es aus: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“
Unser Sprachgebrauch ist da nicht so kategorisch, der Tod ist keineswegs immer... Stromschwankungen
Der „Strom-Sumpf“ war letzte Woche der Aufmacher im Tagblatt der Südtiroler. Der Strom fließt in Südtirol anscheinend nicht mehr, er ist zum Stillstand gekommen, weil er nunmehr zu einem Sumpf stagniert ist. Der Landeshauptmann jedoch scheint jetzt unter Strom zu stehen, wie der elektrische Strom teilt er bei Berührung Schläge aus. Sonderbar findet selbst das Wochenmagazin ff dieses Verhalten, denn... Treffen sich zwei Jäger ...
„Meran stemmt sich gegen die Krise“, titelte die Südtiroler Tageszeitung. Der Bericht bezog sich allerdings nicht auf resolutes Krisenmanagement der Stadtverwaltung, nur der Meraner Pferderennplatz war gemeint.
Stemmen lässt uns an einen Kraftakt denken, an ein Heben von schwerem Gewicht. Von der körperlichen auf die geistige Ebene wird neuerdings der Kraftaufwand gehoben, wenn das Wochenmagazin ff... Was Hänschen nicht lernt ...
„Wir müssen den Jugendlichen anfangs lernen, zu grüßen, Menschen zu siezen, die Grundlagen der Körperhygiene wie tägliches Zähneputzen beibringen“, berichtete kürzlich die Leiterin der Sozialgenossenschaft EOS in der Südtiroler Tageszeitung. Alle Achtung vor deren Einsatz beim Betreuen sog. Problemkinder und Jugendlicher auf dem Weg in die Arbeitswelt! In diesem Zusammenhang fällt... Buchen und Buchstaben
Die ABC-Schützen ziehen wieder auf. Wir wissen, es geht keine Gefahr von ihnen aus, denn sie schießen weder auf Buchstaben noch mit ABC-Waffen. Schulanfänger lernen mit den Buchstaben, den kleinsten Elementen unseres Sprachbaukastens, umzugehen. Was aber haben unsere Schriftzeichen mit der bodenständigen Buche zu tun?
Die in Buchenholz geritzten germanischen Runenzeichen hatten durchwegs einen senkrechten... Brücken für Esel u. a.
Sieben – fünf – drei, Rom schlüpft aus dem Ei. Wie hilfreich war der Reim, um die Gründung Roms im Gedächtnis festzunageln. Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer. Tatsächlich sind mir die drei wichtigsten Bestandteile des Granits seit dem Naturkundeunterricht an der Oberschule im Gedächtnis geblieben.
Eselsbrücken nennt man solche Gedächtnishilfen, schon seit... Bindende und trennende Striche
Arm an Nachrichten sind die Sommerwochen, im Journalismus ist die Rede vom Sommerloch. In der Politik ereignet sich wenig, der Geschäftsbetrieb ist nicht allzu groß. Es ist auch die Zeit, in der die Gurken reifen und eingelegt werden, also die saure Gurkenzeit. Allerdings, wenn auch momentan die Zeiten sauer sind, so waren es ursprünglich genau genommen doch nur die Gurken. Die Schreibung des zusammengesetzten Wortes ist... Kein Wetter
Gibt es etwas, worüber die Leute mehr schimpfen als über das Wetter und die Wetterfrösche? Es wird manch einen schon beruhigen, wenn er seinen Frust übers Wetter auslassen kann, indem er es als Sauwetter, Mistwetter oder Scheißwetter beschimpft.
Nicht weniger bekommen die Meteorologen ihr Fett ab, wenn sie bei den Prognosen einmal das falsche Register ziehen. Selbst wenn sie sich in Schweigen hüllen,... Wie im Krieg
„Blaszcykowski erzielte mit einer Granate aus vollem Lauf und 20 Metern ins Kreuzeck den Ausgleich“, schrieb die TT über das EM-Spiel Polen gegen Russland. Nirgendwo, so hat man den Eindruck, wird mehr geschossen und gebombt als auf dem Fußballplatz. Die Sportjournalisten bedienen sich vielfach der Ausdrücke aus dem Wortfeld „Kampf und Gewalt“, sodass ein Fußballspiel durchaus mit einer... Sonnenwende
Am 21. Juni erreicht die Sonne ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont, ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Die Sonne wendet sich während ihres scheinbaren jährlichen Laufs vom höchsten Stand, dem Wendekreis des Krebses, ab. Seit Urzeiten ist dies für die Menschen in Mitteleuropa der Anlass, die Sonnwendfeuer abzubrennen.
Das Verb „wenden“ lässt sich in nahezu allen... Biker & Co.
„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ Wenn dies einer gesagt hat, der durch Autos reich wurde, nämlich Adam Opel, so lassen wir uns gerne überzeugen. Am 3. Juni wird der Tag des Fahrrads begangen; er soll einen Anstoß geben, uns noch mehr mit dem Rad fortzubewegen. Wer viel Fahrrad fährt, heißt es, bleibt gesund – auch im... Gibt es Wiesen voller Löwenzähne?
„Eroberer des Alls“ bezeichnete das „Wochenmagazin ff“ den in Latsch geborenen Raumfahrtunternehmer Manfred Fuchs. Er betreut als Hauptsponsor das Projekt „Satellit Max Valier“, an dem Schüler der Technischen Fachoberschulen von Bozen und Meran arbeiten. Das Weltall zu erobern scheint ein einzigartiges Unterfangen zu werden. Gibt es eigentlich nur ein einziges All oder doch mehrere davon? Im... Straßen
Kürzlich wurden in Meran einige Straßenschilder durch neue ersetzt. Der Abgeordnete Minniti hat sofort Kritik daran geübt, nicht etwa weil die Beschilderung nicht den Normen entspräche, sondern weil die deutsche Bezeichnung vorangestellt ist. Die Schreibung der Straßennamen wird nicht immer einheitlich gehandhabt. Es fällt uns auf, dass sich die deutsche Schreibweise wesentlich von der italienischen... Billig, schlecht und gemein
Er finde es ziemlich gemein, meinte kürzlich ein Bekannter, dass man Pflanzen als gemein bezeichne, zum Beispiel die gemeine Wegwarte oder den gemeinen Schneeball ; bei der gemeinen Kratzdistel verstehe er es noch, weil sie uns ja auch kratze. Es galt zu klären, dass die Bezeichnung gemein früher noch nicht eine abwertende Bedeutung an sich hatte. Was heute „böse, von übler Gesinnung“... Namobu
Man möchte meinen, das exotische Wort stamme aus Afrika, an Namibia und Mobutu denken wir vielleicht spontan. Falsch geraten, im Burggrafenamt ist der Begriff anzusiedeln, bei uns hier in Meran ist er ins Leben gerufen worden. Nachhaltige Mobilität im Burggrafenamt ist das erklärte Ziel des Projektes, womit man den Verkehr in den Griff bekommen will.
Genau genommen ist diese Abkürzung ein Akronym, also ein... Sollen
„Durnwalder soll bei den nächsten Landtagswahlen nicht mehr antreten.“ Ist dies eine Empfehlung an den Landeshauptmann, sich von der politischen Szene Südtirols zu verabschieden? Wohl eher ist der Zeitungsmeldung zu entnehmen, Durnwalder werde angeblich nicht mehr antreten. Vorsicht ist geboten, wenn wir uns des Modalverbs sollen bedienen: Es kann durchaus eine Aufforderung ausdrücken, es kann aber ebenso... Stummelsprache
„Steuern runter, Löhne rauf.“ Eher hätte man diese Titelzeile in der BILD-Zeitung vermutet als auf der ersten Seite der Südtiroler Tageszeitung. Gesundschrumpfen müssen wir, so wird uns das Sparen und Kürzen schöngeredet. Anscheinend hat der Schrumpfungsprozess auch schon in unserem Sprachgebrauch eingesetzt. Rauf und runter, rüber, rein und raus, diese verstümmelten Formen fassen... Tschüss und Ciao
Eine Passauer Schuldirektorin hat kürzlich an ihrer Schule ein Verbot für die Grußwörter Hallo und Tschüss erlassen. Als respektlos empfinde sie die Grußwörter, begründete sie die Maßnahme und außerdem sei das norddeutsche Tschüss alles eher als bayrisch. Sie bemühe sich, ihren Schülern gute Umgangsformen zu vermitteln. Mit dem bodenständigen Grüß... Zwieback und Biskuit
Die Haltung der Landesregierung dem Sparpaket von Mario Monti gegenüber sei zweispältig, berichtete kürzlich die Sprecherin der RAI Bozen. Zweispältig, zwiespältig oder zweispaltig ? Im Grunde ist hier zweispältig nicht ganz abwegig, denn zweiseitig ist die Position zwischen Zustimmung und Ablehnung. Jedoch muss das Eigenschaftswort auch heute noch zwiespältig lauten, da es vom Althochdeutschen... Die jungen Alten
Das Europäische Parlament hat das Jahr 2012 unter den Leitspruch Active Ageing gestellt, also begehen wir heuer das Europäische Jahr für Aktives Altern . Wir sind aufgerufen, ein lebenswertes und aktives Leben auch in fortgeschrittenen Jahren zu führen.
Jeder will es werden, aber keiner will es sein, nämlich alt. Alle wollen wir möglichst alt werden, dabei aber fit sein, jung aussehen, geistig und... Laufend und stehend
Dass die Jahre laufen, ist uns wieder zu Silvester deutlich bewusst geworden. Was sonst noch alles im Laufschritt eilt, darüber kann man nur staunen. „Wir verkaufen laufend frische Brötchen!“ Mit diesem Werbespruch lockt eine Bäckerei die Kunden an. Anscheinend bemüht sich der Bäcker dermaßen um seine Kunden, dass er sie flitzend zu erreichen versucht. „Wir halten laufend... 24 Artikel von 2011 online
Es ist fünf vor zwölf
Der Warnruf scheint dem ausklingenden Jahr den Stempel aufzudrücken. Wird 2012 ein Jahr der Wende oder droht uns die Stunde „0“? Will uns sogar der Maya-Kalender einen Wink geben, laut dem am 21. Dezember 2012 die Sonne alle zwölf Tierkreiszeichen durchwandert haben wird und der Kosmos apokalyptisch enden soll?
In vielen Kulturen stellt die Zwölf eine heilige Vollzahl dar; darin sind die Drei und die Vier... Manches ist so unmöglich nicht
„Das ist nicht nichts , was uns der Staat neuerdings abknüpft“, beklagt sich ein geschröpfter Zeitgenosse. Es wird uns allerhand abverlangt, meint er, aus nicht nichts wird also ziemlich viel . Eine doppelte Verneinung ergibt meist eine positive Aussage. Auch in der Mathematik gibt minus mal minus ein Plus.
Gehen wir dem Wörtchen „nichts“ auf den Grund: Es entstand aus einer im Mittelalter... Ich darf mich entschuldigen
„Ich darf Sie alle willkommen heißen, ganz besonders darf ich den Herrn Bürgermeister begrüßen, weiters darf ich der Obfrau einen besonderen Dank aussprechen …“ Wer in der Öffentlichkeit etwas zu sagen hat, beginnt seine Rede mit „Ich darf“ . „Ich darf darauf hinweisen, dass …“, „Ich darf noch hinzufügen …“. Solche und ähnliche... Sprachirrtümer
„Der weiß, wo der Barthel den Most holt!“ Kennt einer alle Kniffe und Tricks, wird er über diese Redewendung charakterisiert. Was aber hat so ein Gerissener im Keller beim Traubensaft verloren? Rein gar nichts. Die Wendung führt uns hier irre: Most steht nicht für Traubensaft, sondern ist eine Entstellung vom rotwelschen Moos, das heute noch umgangssprachlich für „Geld“ steht. Rotwelsch... Wie heißt Handy auf Englisch?
Jeder fünfte Österreicher ist rundum erreichbar, sogar am stillen Örtchen – dem Handy sei Dank. Dies geht aus der Umfrage eines Wiener Klopapierherstellers hervor. Im Water Closet ist mir noch nie die Mahnung No handies please! untergekommen, wohl aber in manchem Restaurant. Selbstverständlich respektieren wir diese Aufforderung, englischsprachige Gäste verstehen aber nicht auf Anhieb, was man von ihnen... Noch lang oder nicht mehr lange?
Politiker, Journalisten und auch Bürger fragen sich, ob der Landeshauptmann Luis Durnwalder die Zügel der Südtiroler Politik noch lang oder nicht mehr lange halten wird. Unser Langzeitpolitiker ist sich anscheinend selbst noch nicht ganz im Klaren. Dauert das lange Warten den Kronprinzen etwa zu lange oder zu lang? Genau genommen zu lange und nicht zu lang .
Hier gilt es zu unterscheiden: Das eine ist der... Mobilität über alles
In vierzig Südtiroler Gemeinden läuft gerade die Europäische Mobilitätswoche . Sie wird mit einem autofreien Tag abgeschlossen.
Verkehr wird durch Mobilität ersetzt. Mobil muss man sein, sonst ist und wird man überholt. Unsere Bezirksgemeinschaft macht es uns vor: Sie hat das Projekt mit der exotischen Bezeichnung NaMoBu gestartet. Was soll das nun wieder heißen? Es ist ganz einfach ein... Bildung ist, was übrig bleibt
„Sorgen Sie dafür, dass der Zweitsprachenunterricht besser funktioniert. Sagen Sie mir, was Sie brauchen – aber bitte nicht mehr Geld und mehr Personal!“ Mehr Effizienz bei gleichbleibenden Finanzmitteln forderte kürzlich die Landesrätin Kasslatter Mur bei den Schuldirektoren ein. Die Schullandesrätin muss sparen, während sich die anderen Landesräte zur Durchsetzung auch fragwürdiger... Nachhaltigkeit
Überzeugend wirkt zurzeit ein Vorhaben nur, wenn es dem Anspruch der Nachhaltigkeit entspricht. Ganz oben auf der Liste der beliebtesten deutschen Wörter behauptet sich das Nachhaltige ; nicht weniger als siebzehnmal wurde es kürzlich auf einer einzigen Seite des Tagblattes der Südtiroler angeführt. Bei den „Tagen der Nachhaltigkeit“ in Brixen versuchten Fachleute, uns für nachhaltiges... Sommerloch
An lang ersehnten Schulferien und wohl verdienten Betriebsferien ist für viele von uns derzeit der Tagesablauf ausgerichtet. So beliebt sind die Ferien, dass sie nicht zufällig nur in der Mehrzahl vorkommen; einen einzelnen Tag nimmt man ja nur frei.
Die Ferien haben eindeutig römischen Ursprung: „feriae“ waren die heiligen Festtage, an denen Arbeit und Geschäfte ruhten. Auch unsere „Feier“... Sinn machende Sinne
„Es macht nicht wirklich Sinn, durch Hoteldörfer die Zersiedelung weiter voranzutreiben und gleichzeitig mit intakter Landschaft zu werben“, äußert sich ein Touristik-Experte skeptisch. „Es macht Sinn …“: Rundfunk und Fernsehen kommen anscheinend ohne diese Redewendung nicht mehr aus. Es fällt uns dann kaum mehr auf, wenn wir das „Sinn machen“ selbst verwenden. Gutes Deutsch... Hinkende Vergleiche
„Die Wahlbeteiligung bei den Referenden vom 12. und 13. Juni ist im Vergleich zur Volksabstimmung über die Jagd 1997 um das Doppelte gestiegen.“ Dieser Meldung zufolge hätte die Beteiligung der Bürger heuer an die 90 % erreicht. Ein derartiges Stimmverhalten stünde in krassem Widerspruch zur zunehmenden Politikverdrossenheit der Bürger Italiens. Die Wahlbeteiligung ist auf das Doppelte gestiegen,... Von Fall zu Fall
„Die UNO hat das Jahr 2011 zum internationalen Jahr des Waldes ausgerufen, sie versteht den Wald als Lebensraum für Flora, Fauna und den Mensch“, lautete kürzlich die Meldung im Frühstücksradio des Senders Bozen. In diesem Lebensraum kommt der Mensch allerdings zu kurz, denn er müsste ja ein Bereich für den Mensch en sein.
Ist es Hektik oder ist es Bequemlichkeit, die unsere Zeitgenossen... Pro – einmal ohne contra
Sinkende Kreditwürdigkeit wurde von der Ratingagentur S&P für Italien prognostiziert, Aussichten auf Produktivitätssteigerungen seien nicht in Sicht. Prognosen können uns ebenso irritieren wie animieren. Schönwetter-Prognosen verleiten uns zu spontanen Unternehmungen im Freien.
Das lateinische Verhältniswort pro bedeutet etwa: vor, für, zugunsten, anstatt. Das „Pro“ verweist... Komma im Koma
„Der Landeshauptmann empfahl dem Landesrat nicht zu widersprechen.“ Wer sollte wem nicht widersprechen? Zweideutigkeiten entstehen, wenn ein Komma an der richtigen Stelle fehlt.
„Er begann seine Brille auf der Nase zu beobachten, wie die Gäste eintrafen.“ Beim Lesen dieses Satzes werden wir höchstwahrscheinlich irregeführt, weil der Einschub „seine Brille auf der Nase“ nicht durch... Der Schein trügt
Ein Vierteljahrhundert nach dem Tschernobyl-GAU drängt sich uns die Frage auf: Trägt die Nutzung der Atomenergie anscheinend zum Wohlergehen der Menschheit bei oder ist dieser Nutzen nur ein scheinbarer ?
Wenn die Regierung Berlusconi auf den Wiedereinstieg in die Kernenergie anscheinend verzichten will, dann können wir hoffen, dass ihr dabei auch Ernst ist. Wenn sie aber scheinbar die Atomkraft auf Eis legt, so... Happy Easter
Frohe Ostern scheint manchem Zeitgenossen schon zu althergebracht zu klingen, happy Easter hört sich da schon weltmännischer an.
Ich bin voll happy, ich bin total happy, platzen siegreiche Sportler los. In aufregenden Augenblicken des Daseins müssen englische Wörter her. „Ich bin froh, ich bin glücklich, ich bin überglücklich“, damit können sich Emotionen anscheinend nur... L’Italia s’é fatta
„Italien ist geschaffen . Schaffen wir nun die Italiener“, soll Massimo d’Azeglio, Schriftsteller und Politiker, vor 150 Jahren gesagt haben, nachdem die Einigung Italiens vollzogen war. Vor allem war dies dem diplomatischen Geschick des Grafen Camillo Benso Cavour zu verdanken, der nach erfolgter Einigung dermaßen geschafft war, dass er im Juni desselben Jahres verstarb. Nachdem er Himmel und Erde geschaffen... Die Geister, die ich rief ...
Wehe, wenn sie losgelassen wachsend ohne Widerstand ... Die erschütternden Bilder aus Japan rufen uns die Verse von Friedrich Schiller wieder ins Bewusstsein. Die Illusion von der absoluten Beherrschung der Natur durch menschliche Technik hat sich im Laufe der Geschichte selten so dramatisch gezeigt wie in den letzten Tagen.
Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand, gibt Schiller im Lied von der Glocke zu... Katastrophen mit Apostrophen
„In unser’n urig’n Stub’n gibt’s Schweinsbrat’n, Knöd’l und Bratkartoffel’n Oma’s Art.“ Der Berggasthof scheint sich mit der Apostrophitis infiziert zu haben, ohne Schaden zu leiden, denn Floskeln mit Häk’chen klingen urig und scheinen sogar werbewirksam zu sein.
Auch in den Tallagen wird nicht weniger apostrophiert. Der „Media Markt“ bietet uns... Blumento-pferde
Kürzlich berichtete die „Zett“ von einem Einsatz der Bergrettung in Vals, bei dem eine Frau mit gebrochenem Arm auf dem Leitens-teig gefunden und dann mit Gebirgstrage geboren wurde. Die ach so praktischen elektronischen Textverarbeitungsprogramme werden vom Fehlerteufel nicht selten ausgetrickst. Wenn das Rechtschreibprogramm herzeigen trennen soll, findet es herz-eigen ebenso wie her-zeigen. Witzig fanden wir... Patent und Polizze
Nunmehr ist die Zeit reif, so scheint es wenigstens, dass faschistische Relikte in Südtirol beseitigt oder entschärft werden. Unter dem diktatorischen Regime ist auch unsere Sprache von italienischen Ausdrücken unterwandert worden, die auch heute noch in der Umgangssprache, obwohl Fremdkörper, verwendet werden. Allerdings sind manche dieser sogenannten Italianismen wohlwollend aufgenommen worden und haben bei uns eine... Frauengerechte Sprache
Neunundvierzig Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen fünfzig Sänger. Frauen werden in der gängigen Sprachpraxis vielfach unsichtbar gemacht. Die männliche Dominanz unserer Sprache fällt einem erst bei genauerem Hinsehen auf: So werden Bezeichnungen wie Schüler, Maturant, Magister, Doktor, Meister durchwegs als rein männliche Formen verwendet; weibliche Personen sind darin höchstens... Mehr kann weniger sein
Um ein Jahr älter werden wir im Laufe des neuen Jahres, was aber ganz und gar nicht heißen muss, dass wir alt sind. Ein älterer Herr ist ja auch nicht so alt wie ein alter Herr, und eine jüngere Dame ist nicht so jung wie eine junge Dame. Wenn wir bestimmte Eigenschaftswörter steigern, wird ihr Wert in gewissen Fällen vermindert. Sagen wir, dem Kranken gehe es schon besser , so geht es ihm noch lange... 4 Artikel von 2010 online
Meinen und denken
„ Ich denke , mein Gehalt ist der Verantwortung, die ich trage, und dem Einsatz, den ich leiste, angemessen“, rechtfertigte sich unser Landeshauptmann kürzlich in der ff zum Thema „Gerechter Lohn“.
Ich glaube …oder Ich meine ... pflegte bisher zu sagen, wer sich anschickte, seine Ansichten vorzutragen. Wenn jemand früher einmal sagte Ich denke! , so klang das, als wollte er ausrufen:... Ein Name sagt mehr als tausend Worte
Die Lisl ist fleißig, der Hans prahlt und die Kathl ratscht.
Wir brauchen nur bestimmte Namen zu hören und schon klingen unterschwellig schmeichelhafte oder ehrenrührige Bedeutungen mit. Der Hans erfreut sich einer besonderen Beliebtheit in der bunten Welt der Namen. So verkörpert der Hans im Glück einen mit sich und der Welt zufriedenen Glückspilz, dem man mit der Redewendung Der Hans, der... Nomen est omen
Wie attraktiv stellen wir uns eine Frau mit dem Namen Thusnelda vor? Welche Assoziation stellt sich uns beim Frauennamen Mercedes ein? Dass Namen Vorurteile auslösen, dies wurde von Psychologen erforscht und nachgewiesen; eine entsprechende Studie ist im Fachmagazin Zeitschrift für Sozialpsychologie nachzulesen. Unser Gehirn stellt unbewusst Zusammenhänge her: Je jünger man sich bei einem bestimmten Namen eine... Siezen oder duzen?
Der Umgang mit den Mitmenschen fällt den Jugendlichen heute leicht: Offen und unvoreingenommen reden sie jedermann mit du an, unabhängig von Alter oder Stellung. Das englische you ist ja auch so praktisch und weltweit in jeder gesellschaftlichen Situation das alleinige Anredepronomen.
In ganz alten Zeiten sagte man im germanischen Sprachraum auch nur du . Vor etwas mehr als tausend Jahren begann man, Angehörige... 4 Artikel von 2009 online
Rund um die Torggl
Jetzt setzt enk lei frisch rund um den Tisch, nehmt Messer und Gobl, reißt auf enkern Schnobl, mocht an Gottsnom` und esst olles zsomm! Mit diesen Versen lädt uns der Mundartdichter Hans Fink zum Törggelen ein. Was landauf landab im Herbst als kulinarische Pflichtübung zelebriert wird, geht ursprünglich auf einen Eisacktaler Brauch zurück: An den ausklingenden Tagen der Weinlese trafen sich einst die... Gewinner und Sieger
Die 20-jährige Konditorin Veronika Kuen hat Gold in ihrem Beruf geholt und ist jetzt Weltmeisterin. Es scheint recht einfach zu sein, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen: Der Bewerber meldet sich an, fliegt hin und holt sich die Medaille. Das jahrelange Training, all die Ausdauer, Disziplin und Selbstbeherrschung sind im Wort holen nicht im Mindesten enthalten, ja nicht einmal angedeutet.
In früheren Zeiten gingen bei... Die Sprengkraft der Rede
Pfiffe und Buhrufe erntete unser Landeshauptmann bei der Naturerbe-Feier in Auronzo, als er während seiner Rede die Festgäste in deutscher und ladinischer Sprache grüßte; nicht nur dies, Durnwalder wurde von einem ranghohen italienischen UNESCO-Vertreter sogar mit Ghaddafi verglichen. Kaum zu fassen, dass ein paar gut gemeinte Grußworte statt zur Verständigung beizutragen nur benutzt werden, um das... Worte über Worte
Haben wir uns jemals Gedanken darüber gemacht, welche Wörter wir mit Vorliebe in den Mund nehmen?
Der, die, und sind laut Statistik die am häufigsten verwendeten Wörter der deutschen Sprache. Schränken wir die Suche auf die Hauptwörter ein, dann finden wir unter den hundert häufigsten Wörtern ein einziges Hauptwort, welches wohl nicht durch Zufall Zeit lautet; allein diese Feststellung... Online finden Sie nur einen Teil der verfügbaren Informationen
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