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Theo Rufinatscha - eine Untermaiser Theaterlegende

Ein erfülltes Leben für das Theater und den Film – Träger der Verdienstmedaille des Landes Tirol

Volksschauspiel Andreas Hofer, Algund 2009, Regie Erich Innerebner; Theo als Kohlenbrenner; Theo Hendrich als Andreas Hofer

Theo Rufinatscha erhielt am 15. August dieses Jahres die Verdienstmedaille des Landes Tirol für ein Leben im Dienste und im Banne des Theaters. Es ist ein erfülltes Leben mit unzähligen bedeutenden Stationen, mit vielen Erfolgen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und mit unermüdlichem Einsatz für die darstellende Kunst in unserer Stadt, in unserem Land und über dessen Grenzen hinaus.

Theo wurde am 30. Oktober 1936 in Obermais geboren. Drei Jahre später wanderte die Familie aus und fand bei einer Tante in Znaim in Tschechien ein neues Zuhause, von dem sie am 25. Mai 1945 vertrieben wurde. Theos Mutter und seine Großmutter – der Vater war in Kriegsgefangenschaft – machten sich mit den drei Kindern (13 Jahre, 9 Jahre und 8 Monate) auf den Weg zurück in die alte Heimat. Es galt, mehrere Grenzen zu überschreiten, ohne entdeckt zu werden, denn kein Familienmitglied besaß gültige Erkennungspapiere. Am 20. November erreichte die Familie zu Fuß Meran. Allein die Zeitspanne dieser Rückkehr beschreibt das Maß und die Mühen dieser Leistung ohne viele Worte. Als der Vater, der nichts über den Verbleib seiner Familie wusste, 1946 aus jugoslawischer Gefangenschaft nach Meran kam, um seine Brüder aufzusuchen, traf er dort unverhofft auf seine Familie. Diese hatte hier inzwischen in den Lauben eine Bleibe gefunden.

Im selben Haus wohnte Friedl Ladurner, Regisseur der Volksbühne Meran. 1948 inszenierte er das Märchen „Der kleine Däumling“. Als der Darsteller Freddy Klima wegen Krankheit ausfiel, wandte sich Friedl Ladurner an Theos Mutter und bat sie, Sohn Theo einspringen zu lassen. Mit der Zusage der Mutter begann Theos großartige Theaterkarriere.

Theo, der Theaterschauspieler

Als Mitglied der Meraner Volksbühne, der er bis 1959 angehörte, spielte Theo mehrere Jahre lang in zahlreichen Märchen mit. Die Mitglieder der Volksbühne bildeten drei Gruppen, eine für die Märchen, eine für das Schauspiel und eine weitere für das Singspiel. Alle Aufführungen fanden im Kolpinghaus in der Postgasse statt. In dem Stück „Die Mühle im Schwarzwald“ debütierte Theo als erwachsener Schauspieler in der Rolle des Müllersohns.

1959 übernahm Theo beim Volksschauspiel Andreas Hofer in Meran - unter der Regie von Erich Innerebner - die Rolle des Kohlenbrenners. Im selben Jahr wurde die Meraner Volksbühne nach internen Unstimmigkeiten aufgelöst. Ein Großteil der Spieler, darunter auch Theo, fand bei der 1959 gegründeten Maiser Bühne eine neue Wirkungsstätte. Bis in die 80er-Jahre spielte Theo dort und führte auch mehrmals Regie.

Im Jahre 1979 begann er seine zehnjährige Tätigkeit bei den Rittner Sommerspielen.

Die Rolle des Andreas Hofer im Volksschauspiel Andreas Hofer in Algund im Jahre 1984 war das Sprungbrett für eine sehr intensive Theatertätigkeit. Von 1984 bis zum Jahre 1989 reichte das Engagement im Landestheater Innsbruck mit 130 Auftritten, unter anderem auch bei Gastspielen in Lienz, Bregenz und Mühlheim an der Ruhr. Als in dieser Zeit am Rennweg in Innsbruck das Landesstudio des ORF eröffnet wurde, spielte Theo dort in dem Stück „Um Haus und Hof“ von Franz Kranewitter.

Mehr als 25 Jahre lang war Theo auch beim Hörfunk der RAI in Bozen tätig. In unzähligen Hörspielen stellte er seine Stimme zur Verfügung und war an den Sendungen „Berg und Tal“, „Kreuz und quer“ und „Die Welt der Frau“ (mit Frau Magnago) beteiligt.

Es folgten Einsätze bei den Freilichtspielen in Lana (9 Jahre), in Partschins, im Schlosshof in Schenna und als besondere Herausforderung die Rolle des Jedermanns im gleichnamigen Schauspiel von Hugo von Hofmannsthal am Waltherplatz in Bozen, das unter der Regie von Luis Walter 15 Mal zur Aufführung kam.

Bei der Einweihung des Stadttheaters von Bozen stand Theo als Graf Montague in „Romeo und Julia“ von William Shakespeare auf der Bühne. Es folgten sechs weitere Theaterstücke in Bozen, bei denen er mitwirkte.

13 Jahre lang übernahm er auch bei den Narrenabenden des Männergesangvereins Meran eine Schauspielrolle.

Seit mehr als sechs Jahren steht Theo auch öfters auf der Bühne des Theaters in der Altstadt in Meran. Ab kommendem 15. Oktober spielt er dort in der Komödie „Der Himbeerpflücker“ von Fritz Hochwälder unter der Regie von Franco Marini.

Im heurigen Gedenkjahr war Theo das dritte Mal nach 1959 und 1984 beim Volksschauspiel Andreas Hofer dabei, erneut als Kohlenbrenner, so wie beim ersten Mal.

Theo, der Filmschauspieler

Das Handwerk des Filmschauspielers erlernte Theo von der Picke auf. Beim Film „Übernachtung in Tirol“ im Jahre 1971 war er für die Requisiten zuständig und schnupperte zum ersten Mal Filmluft. Auch als Stuntman kam er zum Einsatz, als der Burgschauspieler Heinrich Schweigkofler sich weigerte, beim Fensterln über eine schmale Leiter 15 Meter hinaufzuklettern. Am Fenster angekommen, musste Theo dann zu seinem Bedauern den folgenden angenehmen Teil wieder dem Burgschauspieler überlassen. Es folgten Doubleaufträge im Filmstudio Bavaria in München. Der erste Film, in dem er 1971als  Schauspieler mitwirkte, trug  den Titel „Der Tote von Sarn­thein“. In weiteren Filmen traf er auf berühmte Schauspieler, so in „Undine“ auf Christian Buchholz und in „Alle für die Mafia“ auf Mario Adorf. In „Verkaufte Heimat“ spielte er unter der Regie von Karin Brandauer den Bürgermeister. Es folgten weitere Filme, darunter „Die Jägerschlacht“, gedreht im Pfossental, und „Die Pachlerzottl“, 1981 vom Bayrischen Fernsehen aufgenommen.

Theo, der Wirt im Gasthof Ressmair in Untermais

Im Jahre 1966 übernahm Theo mit seiner Frau Germania von seinen Schwiegereltern den Gasthof Ressmair. Theo fühlte sich zuerst als Wirt nicht wohl, denn er hatte die Baufachschule besucht und war es als Baupolier gewohnt, an der frischen Luft zu arbeiten. Inzwischen steht er seit über 43 Jahren hinter der Theke. Um 10 Uhr endet sein Einsatz als Wirt. Dann beginnt nach kurzer Rast jener Teil des Tages, der dem Theater, dem Lernen von Rollen, den Proben gehört. In nächster Zukunft steht er – wie schon erwähnt - im Theater in der Altstadt auf der Bühne. Im Dezember spielt er mit den Vereinigten Bühnen Bozen 22-mal „Der kleinen Prinz“, ein Schauspiel für Kinder und Erwachsene von Antoine de Saint-Exupéry, und im März ist er erneut im Altstadttheater zu sehen.

Theo, der Träger der Verdienstmedaille des Landes Tirol

Die Verleihung war für ihn zunächst einmal eine Überraschung, weil er nie damit gerechnet hatte. Doch dann folgte die Freude darüber, auf diese besondere Art Anerkennung für das Geleistete zu erfahren. Es ist ihm ein Anliegen, allen Theaterbesuchern zu danken, ohne die er seine Talente nie hätte zum Ausdruck bringen können. Er freute sich besonders auch über die Gratulationsschreiben, die er zu diesem Anlass von sämtlichen Landtagsabgeordneten erhielt. Die Auszeichnung ist aber auch ein Ansporn, weiterzumachen solange es die Gesundheit erlaubt.

In den vergangenen 61 Jahren stand Theo ungezählte Stunden auf der Bühne und investierte viel Zeit in diese seine Leidenschaft, doch er tat es stets mit Freude und mit Dankbarkeit dafür, dass ihm das besondere Talent dazu in so hohem Maße mit in die Wiege gelegt worden war. Im Laufe dieser Zeit fanden auch im Theater große Umschwünge statt und es galt, neue Situationen zu akzeptieren und neue Anforderungen anzunehmen.

Doch er hat nie bereut, dass er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, seinen Lebensinhalt gefunden hat, dass er dort zu Hause ist, wo er immer wieder in eine neue Rolle schlüpfen kann und jedes Mal so spielen muss, als wäre es die einzige, die wichtigste Rolle, seine Rolle eben.

Ein Artikel aus der Rubrik Porträt  von Margareth Bernard (mb)