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Magnolien

Magnolia spp.

Magnolie Blüte

Die Magnolien gehören im Frühling zu den Stars in Parkanlagen und Gärten: Mit den großen und auffälligen Blüten gehören sie zu den prachtvollsten Blütenbäumen, die bei uns gepflanzt werden. Die aristokratisch anmutenden Blüten leuchten in reinem Weiß oder erfrischenden Rosatönen, manche beeindrucken mit dunklem Purpurrot und es gibt auch gelb blühende Sorten. Die Gattung Magnolia gehört, wie auch der nahe verwandte Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), zur Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae). Sie wurde nach dem französischen Arzt und Botaniker Pierre Magnol (1638-1715) benannt. Das Verbreitungsgebiet der Magnolien ist jetzt Ostasien (China, Japan, Borneo, Java) und das östliche Nordamerika (bis Venezuela). Weltweit werden etwa 125 Magnolienarten unterschieden. Die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und deren Umwandlung in landwirtschaftlich genutzte Fläche machen den Pflanzen zu schaffen. Fast die Hälfte aller Magnolienarten wächst in China. In Tempelanlagen finden sich Magnolienbäume, deren Alter auf bis zu 800 Jahre geschätzt wird. Weiß blühende Magnolien (vor allem M. denudata) sind dort angepflanzt worden, weil die weiße Blütenfarbe als Symbol der reinen Schönheit galt. Die Magnolie galt auch als eine Brücke zwischen Himmel und Erde.

Die Magnolien gehören entwicklungsgeschichtlich zu den ältesten Blütenpflanzen: Ihre Entstehung reicht über 100 Millionen Jahre bis in die Zeit der Dinosaurier zurück, was durch Fossilfunde aus der Kreidezeit (vor 135 bis 70 Millionen Jahren) belegt ist. Im Tertiär (vor 70 bis 2 Millionen Jahren) besiedelten die Magnoliengewächse die gesamte nördliche Halbkugel. Im mitteleuropäischen Raum starben sie in den Eiszeiten aus.

Aufgrund des erdgeschichtlichen Alters der Gattung ist es nicht verwunderlich, dass die Arten noch eine Vielzahl ursprünglicher Merkmale im Bau ihrer Blüten aufweisen: Die Kelch- und Kronblätter können sowohl schraubig als auch in 3-zähligen Wirteln angeordnet sein und sind nicht miteinander verwachsen, die Staubblätter und die Fruchtblätter sitzen zahlreich spiralig an einer lang gestreckten, kegelförmigen Blütenachse, ihre Anzahl ist groß und nicht immer gleich. Die Staubblätter sind nur undeutlich in Faden und Beutel gegliedert. An der Fruchtstandsachse stehen spiralig angeordnet, falls eine Befruchtung erfolgte, viele Früchte. Auffällig ist auch die Balgfrucht, deren rote Samen nach der Reife bei manchen Arten an langen Samenstielchen aus der Frucht heraushängen. Die Frucht öffnet sich bei der Reife und ist an die Verbreitung durch Tiere angepasst. Eine Ausnahme macht der verwandte Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), dem geflügelte Teilfrüchte als Verbreitungseinheit dienen.

Magnolien gelangten erst durch Pflanzensammler vor einigen Jahrhunderten aus Asien und Amerika nach Europa zurück. Die überwiegende Zahl der bei uns kultivierten Arten stammt aus Ostasien. Sie unterscheiden sich von den in Nordamerika heimischen Arten durch ihre sehr ansehnlichen, auffallenden Blüten, die sich vor oder mit der Laubentwicklung öffnen. Die nordamerikanischen Arten blühen erst nach der Blattentwicklung.

Im Jahre 1755 wurden Magnolienbäume in den königlichen Gärten von Paris angepflanzt. Erste Kreuzungen zwischen verschiedenen Arten wurden dort im Jahre 1820 vom französischen Kavallerieoffizier Soulange-Boudin durchgeführt. Die nach ihm benannte Hybride Magnolia x soulangeana ist eine Kreuzung aus M. denudata und M. liliiflora und gehört heute noch zum Standardsortiment der Baumschulen (bei Kreuzungen werden wertvolle Eigenschaften verschiedener Arten vereinigt).

Magnolien sind Sträucher oder Bäume, die meist sommer- und selten immergrün sind. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet, manchmal an den Enden der Zweige gehäuft. Die Blüten sitzen endständig an den Zweigen, seltener auch an Kurztrieben in den Blattachseln. Die Blüten werden bei einigen Arten schon in der vorhergehenden Vegetationsperiode angelegt und blühen im Frühling auf, bevor die ersten Blätter erscheinen, was die Pflanzen als Ziergehölze besonders attraktiv macht. Die Blüten der früh blühenden Arten sind spätfrostgefährdet, nach Frosteinwirkung werden sie schnell braun und unansehnlich. Die Farbe und der Duft der Blüten ziehen vor allem Käfer und Hautflügler (Bienen) an, die die Aufgabe der Bestäubung übernehmen. Die in der zapfenförmigen Balgfrucht liegenden Samen sind von einem orange bis rot gefärbten fleischigen Samenmantel umgeben und werden von Vögeln gefressen und so verbreitet. Die bei uns gepflanzten Magnolien haben fleischige, flach streichende Wurzeln und vertragen deshalb im Wurzelbereich keinen tief eindringenden Bodenfrost.

Die bei uns am häufigsten angepflanzten Arten sind: die Sternmagnolie (M. stellata), die Ylan-Magnolie oder Lilienmagnolie (M. denudata), die Tulpenmagnolie (M. x soulangeana), die Kobushi-Magnolie (M. kobus), die Honoki-Magnolie (M. hypoleuca = obovata), die Immergrüne Magnolie (M. grandiflora). Sie blühen nicht alle gleichzeitig; deshalb wollen wir sie zu gegebener Zeit näher beschreiben.

In Meran sind einige Magnolien von Meraner Bürger(inne)n und von Gästen im Rahmen der Baumaktion „Schenk Meran einen Baum“ und des Projektes „Bäume schenken“ gespendet worden. Die Baumaktion „Schenk Meran einen Baum“ ist vor nunmehr 25 Jahren unter der Schirmherrschaft der Stadtgemeinde Meran, der Kurverwaltung und des Heimatschutzvereins Meran gestartet worden und bescherte der Stadt in wenigen Jahren an die 120 Bäume. Mit dem Projekt „Bäume schenken“ ruft die Stadtverwaltung seit 2008 die Meraner Bürger(innen) auf, durch die Übernahme der Patenschaft für einen oder mehrere Bäume oder Sträucher einen Beitrag zur Verschönerung der Stadt zu leisten. Etwa 20 Bäume haben so schon einen Paten bekommen.