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Matteottistraße mit Tiefgarage?

Die „Rathausstraße in Untermais“ wurde vom Architekten Tobias Brenner als Prachtstraße für die damalige Marktgemeine Untermais geplant und viele Gebäude tragen seine Handschrift. Villen, Herrschaftshäuser und natürlich das Rathaus säumen die breit ausladende Straße von der Romstraße bis zur Piavestraße.

Nach verschiedenen Namensänderungen wurde die Straße im Zuge der auch nach 1945 fortdauernden Assimilierungspolitik nach einem Italiener benannt, dem Politiker Giacomo Matteotti, der von den Faschisten ermordet worden war (siehe Porträt).

Die Matteottistraße hat in den letzten Jahren immer mehr an wirtschaftlicher Wichtigkeit verloren. Versuche des Untermaiser Kaufleutekomitees und politischer Kreise dagegenzusteuern, zeigen keine Erfolge. Demnächst wird die Oberfläche neu gestaltet und neue Regeln für die parkenden Autos sollen die Straße attraktiver machen. Aber inzwischen schließt immer wieder ein Geschäft seine Rollläden, auch das Kino war nicht mehr zu erhalten. Nun sollen neue Ideen mit einer bereits vorliegenden Vorstudie auf den Tisch kommen, so berichtet ein Lokalblatt.

Wir sprachen mit Erwin Zöggeler, einem Mitglied des Kaufleutekomitees. Er betreibt seit 20 Jahren ein Feinkostgeschäft in der Matteottistraße:

Meraner Stadtanzeiger: Herr Zöggeler, Sie sind überrascht darüber, dass hier eine Tiefgarage entstehen soll?
Erwin Zöggeler: Erstens werden hier Sachen begonnen, ohne mit den Geschäftsleuten zu reden, und zweitens ist das hier eine Einkaufsstraße, in die die Kunden kommen, um schnell einen Einkauf zu tätigen und nicht um zu flanieren.

Es ist ohnehin ein Problem mit dem Parken. Die Dauerparker belegen ganztägig die wenigen Plätze.

Stadtanzeiger: Im Untermaiser Komitee sind Kaufleute der Matteottistraße und der Romstraße vertreten, wie sind da die Meinungen zu einer Tiefgarage?
Erwin Zöggeler:
In der Matteottistraße sind - wie ich erfahren habe - alle dagegen. Es sind ja nur mehr vier, fünf Geschäfte hier. Piffer will auch schließen. Sonst gibt es hier nur noch Büros. Die Kollegen von der Romstraße sind natürlich dafür, dass irgendwo Parkplätze geschaffen werden. Dass aber die Parkplätze vor den Geschäften wegkommen sollen, ist unzumutbar. Das würden auch die Geschäftsleute in der Romstraße mit ihren Plätzen nicht zulassen.

Stadtanzeiger: Was könnte sich als Lösung anbieten?
Erwin Zöggeler:
Wir haben jetzt ein paar Parkplätze in der Tennisstraße dazubekommen. Ich habe gesehen, dass sie nicht ausgelastet sind. Aber wenn eine Tiefgarage in dieser Zone entstehen soll, dann wohl viel eher unten beim Tennisareal.

Hier in der Matteottistraße sind hundert verschiedene Besitzverhältnisse, die Kellerräume gehen von den Häusern bis unter die Straße hinein. Die Bausubstanz ist durchschnittlich über 100 Jahre alt. Was da an Problemen und Kosten auftaucht, ist unkalkulierbar. Das wird sich nie finanzieren und realisieren lassen.

Stadtanzeiger: Aber verkehrsberuhigte Einkaufsstraßen werden in jeder Stadt und bald in jedem größeren Dorf gewünscht.
Erwin Zöggeler:
Um unsere Straße aufzuwerten, könnte man einiges sofort tun, so etwa die Gehsteige und den Belag sanieren. Das ist ja bereits geplant. Aber man könnte auch mit Pflanzen und Bäumen ein ganz anderes Bild erzeugen. Man kann auch Parkplätze reduzieren, bzw. Blaue Zonen einführen, was schon seit 20 Jahren im Gespräch ist. Es hat immer geheißen, ja, das ist kein Problem, das kann man sofort machen …

Stadtanzeiger: Lag es da nicht auch am fehlenden gemeinsamen Willen der Kaufleute?
Erwin Zöggeler:
Wir von der Matteottistraße sind alle für die Blaue Zone, denn unsere Kunden kommen her, um schnell einzukaufen, dafür brauchen sie einen nahen Parkplatz, den sie aber nicht lange belegen. Sie wollen hier nicht bummeln gehen. Dazu wäre das hier alles viel zu klein. Es ist erwiesen, dass eine Fußgängerzone eine gewisse Anzahl von Geschäften haben muss, damit sie interessant wird und funktioniert.

Stadtanzeiger: Wer ist also gegen die Blauen Zonen?
Erwin Zöggeler:
Das sind wohl in der Mehrzahl die Bewohner der Straße. Sie haben ja alle keine Parkplätze und keine Garagen, weil das vor 100 Jahren noch nicht vorgesehen war. Und die Gemeinde möchte ihnen wahrscheinlich entgegenkommen.

Aber ist es richtig, dass hier eine Familie ihre drei Autos abstellen kann und womöglich einen Camper und die Öffentlichkeit muss dafür geradestehen? Nein! Und auch wenn Private einen Dauerparkschein haben, dann wird dieser so günstig vergeben, dass letztendlich wieder die Steuerzahler zum Handkuss kommen.

Stadtanzeiger: Also eine Parkgarage mit privaten und öffentlichen Stellplätzen?
Erwin Zöggeler:
Ja. Wenn nämlich die Kunden in dieser Straße keinen Parkplatz finden, dann kreisen sie nochmals um die Blöcke und nach dem zweiten vergeblichen Anlauf sind sie weg!

Stadtanzeiger: Herr Zöggeler, das wollen wir Ihnen nicht wünschen! Vielen Dank für das Gespräch.