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Auge und Multiple Sklerose

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems – dem Gehirn. Es ist eine sehr häufige Erkrankung, die typischerweise bei jungen Menschen (häufiger Frauen) im Alter von 20-40 Jahren auftritt und schwere körperliche Beeinträchtigungen hervorrufen kann. Da sich die Therapiemöglichkeiten ständig verbessern, ist es umso wichtiger, bereits zu Beginn der Erkrankung entsprechende entzündungshemmende Medikamente einzunehmen. Dies kann den Krankheitsverlauf essenziell beeinflussen, die Lebensqualität verbessern und die Rückkehr in ein normales Leben ermöglichen.

Erste Anzeichen der Multiplen Sklerose sind Gefühlsstörungen in den Armen, Gangstörungen durch Spastik (Muskelverkrampfung), Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit in den Beinen. Am häufigsten manifestiert sich diese Erkrankung aber an den Augen. In circa 30 % der Fälle kommt es zu einer einseitigen Sehminderung, die mit einem Bewegungsschmerz und einer vermehrten Lichtempfindlichkeit einhergeht. Auch Farben werden matter und verschwommener wahrgenommen. Die Sehkraft ist durch eine sogenannte demyelinisierende (das Nervengewebe abbauende) Entzündung der Sehnerven beeinträchtigt; diese kann mit entsprechenden technischen Hilfsmitteln (Elektrophysiologie - Visuell Evozierte Potentiale VEP) von einem Augenarzt oder Neurologen zweifelsfrei festgestellt werden.

Ein weiteres typisches Symptom ist plötzliches Doppeltsehen, vor allem im extremen Blick nach außen. Der den äußeren Augenmuskel versorgende Gehirnnerv ist betroffen und bewirkt eine teilweise Lähmung dieses Muskels. Sind gleich mehrere Augenmuskeln betroffen, dann ist die Erkrankung meistens schon weiter fortgeschritten und eine dringende Therapie unbedingt angezeigt. Man hat durch das Studium von alten Krankengeschichten feststellen können, dass viele Patienten mit Multipler Sklerose schon vor dem Ausbruch der Erkrankung oft an chronischen Augenschmerzen und Lichtempfindlichkeit leiden. Hervorgerufen werden diese Symptome durch eine Entzündung der Regenbogenhaut, die sich in der Regel sehr mild äußert und vom Facharzt nicht weiterverfolgt wird. Dennoch sollte man gerade in diesen Fällen nicht zu arglos sein und mindestens jährliche Kontrollen durchführen.

Die Bestätigung der Diagnose sowie die Behandlung der Multiplen Sklerose obliegt dem Neurologen; der Augenarzt beschränkt sich auf die Kontrolle der Symptome und die Vermeidung von Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.

Ein Artikel aus der Rubrik Gesundheit  von Dr. Andreas Pichler (ap)