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Der Augenwurm

Demnächst beginnt für die meisten Südtiroler wieder die Haupturlaubszeit. Die Wunschreiseziele sind nicht mehr die nahe gelegene Adria, sondern immer häufiger auch exotische Orte in fernen Ländern. Entsprechend sollte man sich nicht nur auf andere Sitten einstellen, sondern auch das Gesundheitsrisiko durch fremdartige Krankheitserreger beachten.

Immer öfter werden auch Südtiroler Ärzte mit Krankheiten konfrontiert, die früher eher unbekannt waren und auch heute spezielle Fachkenntnisse erfordern.

Die Augenabteilung Meran musste in den letzten Jahren diesbezüglich bereits zweimal eine äußerst seltene und unangenehme Diagnose stellen. Die betroffenen Patienten hatten sehr ähnliche Beschwerden und litten beide unter Lichtempfindlichkeit sowie Jucken und Stechen in einem Auge. Das Problem bestand schon seit geraumer Zeit. Die Dia­gnosestellung war nicht schwierig, denn tatsächlich befand sich unter der Bindehaut ein sich bewegender, ca. ein bis vier cm langer Wurm. Bei genauerem Nachfragen konnte in beiden Fällen ein Aufenthalt im tropischen Afrika eruiert werden.

Der Wurm konnte chirurgisch problemlos entfernt werden. Die Patienten wurden anschließend an ein spezielles Zentrum nach Verona verwiesen, wo dann die weitere Abklärung und medikamentöse Therapie durchgeführt worden ist. Sie konnten vollends und ohne weitere Schäden geheilt werden.

Bei dem „Augenwurm“ oder LoaLoa handelt es sich um einen im tropischen Afrika vorkommenden (endemischen) Parasiten. Er wird über einen Stich durch Bremsen der Gattung Chrysops übertragen und kann bis zu zwanzig Jahre im Unterhaut-Fettgewebe des Wirtes überleben. Gerne sind die Mikrofilarien (kleinste Würmer) auch in der Lunge und im Gehirn anzutreffen und können dort chronische Entzündungen mit entsprechenden Schäden hervorrufen. Unsere Patienten hatten das Glück, dass die Würmer problemlos entfernt werden konnten und noch nicht in tieferes Gewebe gewandert waren. Dies hätte unter Umständen auch die Sehfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt.

Bevor man Urlaubsreisen in ferne Länder unternimmt, sollte man sich besser vorher über mögliche gesundheitliche Risiken informieren. Vor allem nach dem Urlaub ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und im Zweifelsfall die Konsultation eines Spezialisten zu erwägen.

Ein Artikel aus der Rubrik Gesundheit  von Dr. Andreas Pichler (ap)