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Die Palisaden-Wolfsmilch

Euphorbia characias L.

Die Palisaden-Wolfsmilch am Tappeinerweg
Die Blütenstände
Die auffallenden Nektardrüsen der Sorte Black Pearl
 Die Walzen-Wolfsmilch

Die Palisaden-Wolfsmilch ist eine ausdauernde, immergrüne krautige Staude mit kräftigen, aufrechten, bis einen Meter hohen Stängeln, die durch kurze, unterirdische Wurzelstöcke (Rhizome) buschig zusammenstehen. Die an der Basis verholzenden Stängel sind unverzweigt und oben dicht beblättert. Die lanzettlichen Blättchen fallen im Frühling besonders durch ihre frische, hellgrüne Färbung auf. Ab April zieren die Triebspitzen grünlich-gelbe Blütenstände, die 2 bis 4 mal gegabelt sein können und von blütenblattartigen, schalenförmigen Hochblättern umgeben werden. Die weibliche Einzelblüte besteht aus einem langgestielten, kugelförmigen Fruchtknoten mit dreiteiliger Narbe, die männliche aus einem einzigen Staubgefäß. Auffallend sind die halbmondförmigen, sortenbedingt gelblichen oder rotbraunen bis dunkelvioletten Nektardrüsen. Die Frucht ist eine behaarte dreifächerige Kapsel. Unter günstigen Bedingungen sät sich die Pflanze selbst aus.

Die Art kommt in zwei geographisch getrennten Unterarten vor: Die Unterart Euphorbia characias ssp. characias ist im westlichen Mittelmeergebiet verbreitet. Ihre Sorte ´Black Pearl´ hat besonders auffallende, braunrote Nektardrüsen. Die Unterart Euphorbia characias ssp. wulfenii kommt mehr im östlichen Mittelmeergebiet vor. Sie hat gelbliche, langhörnige Nektardrüsen.

Die vielgestaltige Gattung Euphorbia gehört mit fast 2.000 Arten in die Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Ihre Arten sind weltweit, vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten, aber auch bei uns verbreitet. Charakteristische Merkmale sind Milchsaft führende Pflanzenteile und stark reduzierte, eingeschlechtige Blüten mit auffallenden Nektardrüsen. Der giftige Milchsaft dient den Pflanzen als Fraßschutz und Wundverschluss; er tritt schon bei kleinsten Verletzungen aus und gerinnt dann bei Luftkontakt innerhalb weniger Minuten.

Der deutsche Name Wolfsmilch rührt vom scharf schmeckenden Milchsaft der Pflanzen her. Den botanischen Gattungsnamen Euphorbia übernahm Linné von Plinius dem Älteren, der die Pflanze zu Ehren von Euphorbos, dem Leibarzt des mauretanischen Königs Juba (50 v. Chr.), in der botanischen Abhandlung seiner „Naturalis historia“ so benannt hatte. Der Artnamen characias stammt vom griechischen chárax = Pfahl, nach der ursprünglichen Nutzung der Pflanze als Zaun. Der römische Gelehrte berichtet auch, dass der Milchsaft als Geheimtinte verwendet wurde: Die nach dem Eintrocknen des Milchsaftes unsichtbare Schrift wurde nach Erhitzen des Pergaments über Feuer wieder sichtbar.

In privaten Gärten findet man auch die kleinwüchsige Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites). Auf den Felsen, trockenen Abhängen und Magerrasen oberhalb des Tappeinerweges wächst die Zypressenblättrige Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias L.) mit schmal lanzettlichen, grasartigen Blättern. Als beliebte Zierpflanzen bekannt sind der Christusdorn (Euphorbia milii) und der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).

Vorkommen: Tappeinerweg, Gilfpromenade, private Gärten.