Sie sind hier: Themen > 2017 > Historisches > Fresko vor Verfall gerettet

Fresko vor Verfall gerettet

Vor der Restaurierung  (Aufnahme 2.1.2017)

Unzählige Einheimische und Gäste gehen täglich an der Georgenkirche in Obermais vorbei, ohne auf das fünf Jahrhunderte alte Fresko zu achten, das die Südfassade ziert. Nur anfangs dieses Jahres erregte es mehr und mehr Aufmerksamkeit, als die Schäden so deutlich wurden, dass sie niemand mehr übersehen konnte. Denn am unteren Rand begann sich offensichtlich das Bild von der Mauer zu lösen, was befürchten ließ, dass Teile davon unwiederbringlich verloren gehen würden.

In Abstimmung mit dem Denkmalamt beauftragte daraufhin die Pfarre Obermais die Restauratorin Verena Mumelter von Bozen, Präsidentin des Verbandes der Restauratoren-Konservatoren Südtirols, mit der delikaten Aufgabe, das Fresko vor dem drohenden Verfall zu retten. Die Arbeiten zogen sich über zwei Monate hin und wurden Ende August beendet.

Bildinhalt

Im Hauptfeld ist die hl. Jungfrau Maria mit dem Jesukind in lebhaften Farben dargestellt, links bzw. rechts davon stehen die Heiligen Philippus und Jakobus der Jüngere ("der Mindere"). Die beiden Apostel deuten auf das Kirchweihfest, das Weihbischof Konrad von Brixen 1490 auf Philippi und Jakobi festgesetzt hatte. Flankiert wird diese zentrale
Dreiergruppe links vom Drachen tötenden hl. Georg und rechts vom hl. Christophorus mit dem Jesukind auf der Schulter.

Darunter sehen wir die hl. Katharina mit dem Schwert in der Linken, daneben den hl. Urban mit der Tiara auf dem Haupte und mit dem Pluviale bekleidet, an der Seite ein
dreifaches Kreuz.

Auf die Entstehungszeit der Wandmalerei verweist das letzte Feld, das einen betenden Zisterziensermönch zeigt, vermutlich den Abt von Stams, Christian Bedroth, erkennbar durch das Wappen mit den drei schwarzen Ringen auf weißem Feld. Darüber ein Spruchband mit nicht vollständig erhaltenem Wortlaut: [O ihr] lieben Heylgen bittet [für uns].

Wechselhaftes Schicksal

Folgt man der Annahme, dass Abt Christian Bedroth (1501-1523) hier als Stifter kniet, so ist die Entstehung des Gemäldes in die ersten Amtsjahre des Prälaten zu datieren. Die Restauratorin meint allerdings, dass das Werk älter ist. Als nach rund 250 Jahren die gotische Kirche nicht mehr gefiel und um 1764 im Stil des Barocks umgebaut wurde, erlitt dieses Fresko vermutlich dasselbe Schicksal wie jenes im Altarraum: Es wurde mit einer Putzschicht verdeckt und fiel dem Vergessen anheim.

Erst im August 1904 berichtet das Maiser Wochenblatt, dass an der Südwand der Georgenkirche unter der Leitung des Sanitätsrates Dr. Mazegger Freskenbilder mit fünf Heiligenfiguren bloßgelegt wurden, bei denen es sich um die oben beschriebenen handelte. Ein Schutzdach wurde angebracht, um Witterungsschäden zu vermeiden.

Als die Kirche 1914 nach Westen und Süden erweitert wurde, musste das Fresko abgenommen und auf die neue Südfassade übertragen werden, wo es schließlich den heutigen Platz erhielt.

Die beste Restaurierung ist die, die man nicht sieht

Das Fresko wurde 1914 im sogenannten "Strappo"-Verfahren von der Mauer abgelöst, das heißt, es wurde nur die Malschicht, keine Putzschicht abgetrennt und auf Leinwand übertragen. Diese nicht sonderlich schonende "Abreiß"-Technik macht die
Restaurierung zu einer extrem schwierigen Aufgabe. Kurz gesagt: Zunächst musste die Leinwand befestigt und dann die dünne Malschicht in haarfeiner Kleinarbeit durch Kunstharz gesichert werden. "Das Fresko war unglaublich verschmutzt und verrußt", berichtet die Restauratorin. "Die Konservierung geschah sprichwörtlich 5 Minuten vor 12." Die hohe Verschmutzung ist nicht verwunderlich, gehört doch die Cavourstraße zu den dichtest befahrenen Straßen in Meran. "Das Fresko ist von hoher Qualität", urteilt Verena Mumelter, "seine Erhaltung sollte ein kulturelles Anliegen aller Bürger sein, denn Kulturgüter dieser Art gehören uns allen."