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Peter Tanzer

Mit Nischenprodukten zum Erfolg


Berichte über Unternehmer und ihre Leistungen sind immer wieder faszinierend. Vor allem jene sorgen für Gesprächsstoff, die sich auf eine Nische spezialisiert haben und sich zu den Weltmarktführern zählen dürfen. Dazu gehört auch der Südtiroler Unternehmer Peter Tanzer, der 1988 das Unternehmen „Tanzer Maschinenbau“ in Lana gegründet hat. Innovation, Vernetzung und Kreativität – das sind die treibenden Kräfte hinter den Entwicklungen dieses Südtiroler Vorzeigeunternehmens, welches anwendungsspezifische Systeme und Maschinen anbietet, um Produktionsabläufe und Fertigungslinien zu automatisieren.

Spezialist für Automatisierungslösungen

Jahr für Jahr Umsatzzuwächse und volle Auftragsbücher für die nächsten 14 Monate. Davon können etablierte Unternehmen in Zeiten wie diesen nur träumen. Welches ist das Erfolgsmodell von Tanzer? „Wir sind Prototypenbauer und bewegen uns als solche in einer ganz spezifischen Nische”, erklärt Tanzer. „Unsere Stärken liegen darin, dass wir erstens fähig sind, die Probleme unserer Kunden genau zu analysieren und maßgeschneiderte Lösungen vorzuschlagen, die sich positiv auf die Produktivität unserer Kunden niederschlagen. Zweitens, die Fähigkeit mit anderen Marktteilnehmern zu kooperieren, um Synergien auszuschöpfen”.

Globale Ausrichtung und lokale Produktion

„Tanzer Maschinenbau“ hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf als Spezialist für Industrie- und Produktionsautomatisierung, Entwicklung, Produktion und Verkauf von Prototypen bzw. Kleinserienmaschinen. Tanzers Kunden sind mittlere und große Industrie- und Produktionsbetriebe, die ihren bestehenden Produktionsablauf mit innovativen Maschinen und Anlagen effizient automatisieren wollen.

Bis vor sieben Jahren waren die Schwerpunkte des Unternehmens die Entwicklung und Produktion einzelner hochmoderner Spezialmaschinen für lokale Unternehmen aus der Lebensmittelproduktion, Automotive-Branche und Holzverarbeitung sowie die Fertigung von Maschinenkleinserien. So produziert und entwickelt Tanzer z.B. bereits in langjähriger partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Firma Frutmac aus Nals Verpackungsmaschinen für Obst und Gemüse.

Heute erwirtschaftet Tanzer 90 % des Umsatzes im Ausland. Internationale Großaufträge werden gemeinsam mit Partnerfirmen abgewickelt. Kernkompetenz dieser weltweit tätigen Kunden (Logistik-Dienstleister) ist das effiziente Management in der Vermietung, Disposition und Auslieferung von einigen 100 Millionen Mehrweg-Kunststoffklappkisten RPCs (Reusable Plastic Container), die überwiegend für den Transport von Obst und Gemüse eingesetzt werden. Speziell für diese Kunden entwickelt und vertreibt die Firma Tanzer Maschinenanlagen für das rationalisierte Handling der Mehrweg-Kunststoffklappsteigen: Vollautomatische Entstapler, Aufrichter, Schließer bzw. Zentrifugaltrockner inklusive Sortierung für RPCs.

Immer auf der Suche nach ungewöhnlichen technischen Lösungen

Mit der Entwicklung einer überdimensionalen „Zentrifuge” für RPCs in der Obstwirtschaft, die zur Trocknung dient, nachdem die Kisten gereinigt worden sind, hat sich Tanzer als Weltmarktführer positioniert. Große Firmen verpacken Obst und Gemüse in solchen RPCs und nach der Verwendung werden diese in zentralen Waschdepots gereinigt, getrocknet und für den neuerlichen Gebrauch fertiggemacht. In den Niederlanden werden z. B. rund 80 Millionen Kisten pro Jahr in solchen Waschdepots gereinigt. Um 6000 Kisten pro Stunde mit Heißluftgebläsen zu trocknen, ist eine Leistung von 300 KW notwendig. „Mit der Entwicklung dieser innovativen Anlage ist es der Firma Tanzer nun gelungen, mit einem Energieaufwand von nur 20 KW die Zentrifugalkraft für die Trocknung der Kisten zu nützen”, erklärt Tanzer stolz. Die Trommel mit einem Durchmesser von 1,5 Metern und einer Höhe von drei Metern dreht sich in einer Minute 360 Mal um die eigene Achse. Anstelle der energieaufwendigen Heißluft kann die weit sparsamere Zentrifugalkraft genutzt werden. Mittlerweile wurden diese Anlagen bereits in den USA, Australien, Neuseeland, Chile und Europa installiert.

Die größte Herausforderung der letzten Jahre bestand in der Entwicklung einer Maschine – mit kompakter Bauweise – zur Säuberung von Klappsteigen, welche möglichst effizient den Restkleber von Produktetiketten entfernt. „Es war ein enormer Entwicklungsaufwand”, unterstreicht Tanzer. „Es hat sich gelohnt: Der erste Prototyp wurde Ende Oktober 2016 geliefert und im Dezember 2016 haben wir den Auftrag für 15 Maschinen erhalten.”

Ein Großteil der produzierten Maschinen ist rund um die Uhr im Einsatz und stellt höchste Anforderungen an die Qualität aller Komponenten und Einzelteile. Mit den von Tanzer entwickelten Steuerungs- und Datenerfassungssystemen kann die Funktion der Maschinen rund um den Globus online und rund um die Uhr von Lana aus überwacht und betreut werden. Deshalb ist Englisch als Arbeitssprache selbstverständlich. Reisen in die Länder, in denen Tanzer-Anlagen im Einsatz sind, wie beispielsweise Chile oder Neuseeland, gehören für den Firmenchef dazu.

Mit maßgeschneiderten Kundenlösungen und perfektem Service zum Erfolg

Der sympathische Unternehmer und Vater von vier Kindern, Absolvent der Gewerbeoberschule, ist bei den Entwicklungen immer an vorderster Front. „Unser Kunde kommt mit Wünschen zu uns, die seriengefertigte Maschinen nicht erfüllen und erwartet sich von uns eine Lösung. Wir beginnen damit, dass wir die Produktionsabläufe unserer Auftraggeber studieren. Die Entstehung einer neuen Maschine startet beim Brainstorming des Entwicklungsteams, geht dann weiter über die Auswahl realisierbarer Lösungsansätze, führt immer wieder zu Teambesprechungen und schließlich zur Fertigung und Montage und endet mit der Steuerungs-Programmierung sowie ausgiebigen Testläufen. Wichtig ist es, Zusammenhänge zu erkennen und ausgeklügelte Einzelkomponenten zu einem funktionierenden High-Tech-System zusammenzufügen”, betont Tanzer. Tanzers Begeisterung für technische Lösungen wirkt auch auf die Motivation der inzwischen auf 70 Mitarbeiter angewachsenen Belegschaft und überzeugt auch die Kunden. „Die kommen inzwischen zu uns, wir haben einen guten Ruf und das nötige Know-how“, sagt Tanzer zum Thema Kundenakquise. Der Unternehmer ist stolz darauf, sagt es aber ohne jeden Anflug von Arroganz.

Neue Herausforderungen

„Tanzer Maschinenbau“ ist es gelungen, sich durch konsequente Innovationsarbeit vom Handwerksbetrieb zum Industrieunternehmen zu entwickeln. Beeindruckend ist der intelligente Weg, den Tanzer eingeschlagen hat, um sich auf dem internationalen Parkett zu positionieren. Maschinen, die er für den heimischen Markt baut, werden anschließend für die Bedürfnisse des globalen Marktes weiterentwickelt. Dies entspricht ganz dem Naturell von Firmenchef Tanzer. Der erfolgreiche Unternehmer ist einer vom Typ „Das eine tun, das andere nicht lassen“. Bislang hat sich die Strategie, einen offenen Dialog zu führen, ein intensives Teamwork zu betreiben und sich selbst (und dem Entwicklungsteam) keine Grenzen zu setzen als erfolgreich erwiesen. Bereits 2009 hat „Tanzer Maschinenbau“ den TIS Innovation Award gewonnen, mit dem jedes Jahr das innovationsfähigste Unternehmen Südtirols ausgezeichnet wird. Eine Marktsättigungsgrenze für seine Nischenprodukte sieht Tanzer in naher Zukunft nicht. „Wir bewegen uns in einer Nische für aufwendige Spezialmaschinen, für die sich größere Maschinenbauer wegen des hohen Entwicklungsaufwandes nicht besonders interessieren.“ Eine kleine Pilotanlage für vollautomatisches Kisten-Handling wird in Kürze in den USA in Betrieb gehen und in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern arbeiten Tanzer und sein Entwicklungsteam derzeit an einer schlüsselfertigen Bilderkennungsanlage für Mehrweg-Kunststoffklappkisten. Ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte einer Südtiroler Vorzeigefirma.

Ein Artikel aus der Rubrik Titelthema  von Eva Pföstl (ep)