Sie sind hier: Themen > 2014 > Historisches > Schloss Rubein - ein Exkurs

Schloss Rubein - ein Exkurs

Das letzte Abendmahl

Sowohl literarische als auch historische Quellen europäischer Herkunft sind von der christlichen Kultur beeinflusst, die unter anderem sowohl in Abbildungen als auch in Texten nachzuweisen ist. Setzt man sich damit auseinander, eröffnen sich Möglichkeiten, Rückschlüsse über religiöse und soziale Tendenzen der Auftraggeber zu ziehen, wie beispielsweise folgende, die im Zusammenhang mit Schloss Rubein in Obermais stehen.

Gleich dem gesamten deutschsprachigen europäischen Raum, waren im südlichen Tirol und insbesondere im Raum Burggrafenamt in der Frühen Neuzeit (16./17. Jahrhundert) die neuen Lehren der Reformatoren auf offene Ohren gestoßen. Adelige thematisierten ihre kryptoprotestantische Gesinnung dabei auf verschiedene Art und Weise. In Schloss Rubein in Obermais beispielsweise ließ Hans von Wanga, ein Sympathisant der Täufer, 1540 von Bartlmä Dill Riemenschneider – auch er ein Anhänger der neuen Lehren – im Loggiengang Wandmalereien anbringen. Darauf sind eine Reihe von Wasserszenen abgebildet wie die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda, die Szene am Jakobsbrunnen, die Taufe Christi am Jordan und die Verklärung am Berg Tabor, genauso wie Parabeln vom reichen Prasser und dem armen Lazarus, das Gastmahl in Bethanien mit Maria und Martha, die Parabel vom königlichen Hochzeitsmahl, das Gastmahl im Hause des Simon und das letzte Abendmahl. Aufgrund der fehlenden Heiligenbilder und Marienabbildungen ist ein reformatorisches Konzept sowohl von Seiten des Auftraggebers als auch des Künstlers in den Wandmalereien anzunehmen.

Einblick in die frühere Lebenswelt der Menschen gewähren zudem Inventare, die heute mit zu den wichtigsten Quellen gehören. Sie sind unmittelbar und spiegeln, im Gegensatz zu manchen idealisierenden Abbildungen, reale Zustände wider.

Einer schriftlichen Quelle des Jahres 1765, die in den Räumlichkeiten des Schlosses Rubein verfasst worden war, ist beispielsweise Folgendes zu entnehmen: Der damals sterbenskranke Vater Franz Wolfgang von Schneeburg zu Saltaus an der Platten und Rubein hatte einen Commissarius beauftragt, seinen Sohn in Innsbruck darüber zu informieren, dass in der Schloss Kapellen zu Rubein hinter dem Hochaltar, in einem eisernen verborgenen Kasten, etwa Tausend Gulden Silber untergebracht worden waren. Zudem seien in einem großen alten Kasten, der sich in einem Gewölbe in bemelter schloss kappellen befände, englisches Zinn verwahrt, so in letstn Paúrnauflauf verporgen worden. (Besagter Bauernaufstand ist unter dem Begriff „Maiser Bauernrummel“ bzw. als „Der Auflauf im Burggrafenamte 1762“ in die Geschichte eingegangen, wobei sich die Anklagen und darauffolgenden Gerichtsurteile über Jahre hinauszogen und die letzten gar erst gegen Ende Dezember 1764 in Innsbruck gefällt wurden.)

Sich der prekären Situation bewusst, die sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Burggrafenamt entwickelt hatte, und in Sorge, dass wertvolle Artefakte durch die Aufständischen und Plünderer entwendet werden könnten, hatte der alte Baron vorgesorgt, indem er Preziosen in ein sicheres Versteck bringen ließ, worüber wohl nicht einmal der eigene Sohn Bescheid wusste. In der Gewissheit des nahenden Todes entschloss er sich jedoch, diesem durch Beauftragte das gut gehütete Geheimnis preiszugeben.

Als dann Franz Wolfgang von Schneeburg etc. gestorben war, hatte am 10. Oktober 1765 der Büchsenmeister Johann Stollner, so wie es ihm von gerichtlicher Seite befohlen wurde, den hinter dem Hochaltar der Schlosskapelle zu Rubein verborgenen eisernen Kasten geöffnet und dort etwa 1000 Gulden Silber vorgefunden, genauso im bereits erwähnten großen, alten Kasten im Gewölbe, ein englisches Zinn, das während des letzten „Bauernauflaufes“ dort verborgen worden war. Die vorgefundene Habe wurde in der Folge protokolliert und gleichzeitig hielt man schriftlich fest, dass bis zur Rückkehr des jungen Herrn Baron von Schneeburg aus Innsbruck das Silber gut verwahrt und niemandem der Zugang gewährt werden sollte. Man beabsichtigte alle weiteren Schritte in Gegenwart des jungen Herrn vorzunehmen und am vorerwähnten Ort nach weiteren Wertgegenständen zu suchen, wie nach verporgene[n] Kheten und vermutliche[r] parrschafft, also nach Schmuck und Münzen bzw. Geld, und alles unter dessen Aufsicht zu wiegen und zu schätzen.

Der junge Herr kam am 13. Oktober abends in Meran an und er verabredete sich mit den behördlichen Vertretern für den nächsten Vormittag, um mit ihnen gemeinsam die Schlosskapelle in Rubein aufzusuchen.

In aller Früh hatten sich die amtlichen Vertreter der Stadt auf den Weg gemacht, daselbsten die untere Kappellenthür sowohl als auch den oberen Zugang auf daselbigen thörl wohl verschlossen, die dazu gehörigen Schlüssl zu sich genommen und daraufhin dem Stadtschlossmeister Georg Gamper befohlen, ein eissernes Thürl zu öffnen, hinter welchem sich, etwas eingemauert, ein vieröggete behaltnus (Behälter) befand. Darin lagen ein kleines trüchele, das Reliquien enthielt, und eine große hölzerne Schachtel, die mit einen kleinen saillele zusammgepunden war. Im Beisein des Barons von Schneeburg wurden beide Behälter geöffnet und das enthaltene Silbergeschmeid vom Meraner Goldschmied Antoni Läntschner beschrieben. Bargeld habe man aber keines gefunden und das vom Erblasser angekündigte englische Zinn im Gewölbe der Schlosskapelle fand man ebenso nicht vor. So hat man gleichfalls in der kleinen Küche neben der Kapelle nachgesehen und dort in einem alten Kasten eine zimliche quantität englisches zünn angetroffen. Nachdem die Häuserin des verstorbenen alten Herrn Barons von Schneeburg, die immer noch im Schloss Rubein wohnte, die Kommissionsschreiber darauf hinwies, dass desgleichen in anderen Schlossgemächern sowohl Englisches als auch anderes Zünn verhanden seye, hat man solch alles zusamen tragen und abwögn lassen und es in einer Beschreibung festgehalten, um es dann aufgrund einer ordentlicher Inventur durch die darzu gebrauchende Taxatores beschäzen zu lassen.

Obwohl die behördlichen Schritte ordnungsgemäß im Amtsprotokoll wiedergegeben sind, erkennt man, dass zumindest eine Möglichkeit bestand, sich unrechtmäßig Zugang zu den vorhandenen Wertgegenständen zu verschaffen und es bleibt somit dahingestellt, ob alle hinterlassenen Objekte des Erblassers, wie von ihm vorgesehen, dem rechtmäßigen Erben übergeben werden konnten.