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Traudl Götsch

Pionierin der Untermaiser Handerwerkerzone

Traudl Götsch

Sie sind visionäre Wegbereiter, die durch außergewöhnliche Leistungen ihre Zeit prägen: Pioniere. Traudl Götsch, die ehemalige Meraner Stadträtin, ist eine von ihnen und die Untermaiser Handwerkerzone ist ein Kind von ihr.

Als Optantenkind aufgewachsen in Deutschland und Österreich, kam Traudl Götsch 1955 zurück nach Meran, wo sie mit ihrem Ehemann Sepp neben dem Untermaiser Altersheim einen kleinen Karosseriebetrieb führte. Als dieser zu klein geworden war und nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entsprach, musste sie für ihr Unternehmen eine neue Bleibe suchen.

Da für die Unternehmerin nur ein Standort außerhalb des Stadtzentrums in Frage kam, suchte sie 1975 Gleichgesinnte, um eine Handwerkerzone zu gründen. Insgesamt konnte sie weitere zwölf Handwerker von ihrem Vorhaben überzeugen. Gemeinsam begann die Suche nach einem geeigneten Standort. Zu dieser Zeit war die Zone beim Freihof in Sinich als Handwerkerzone ausgewiesen. Als Traudl Götsch jedoch beim Freihof vorsprach, wurde sie abgelehnt. „Als bekannt wurde, dass einige Bauern ihre Gründe beim Untermaiser Bahnhof verkaufen wollten, haben wir sofort zugegriffen“, erzählt Traudl Götsch. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Landesverwaltung konnten die interessierten Betriebe die Grundstücke auf Privatbasis kaufen, ohne dass es zu Enteignungen kam. Und so entstand die erste Handwerkerzone Südtirols.

1978 Eröffnung der ersten Handwerkerzone Südtirols

Traudl Götsch und ihre Mitstreiter verhandelten ein Jahr lang selbst mit den Bauern und bezahlten den vereinbarten Preis. Diese waren bereit, ihre Gründe zu verkaufen, da sie im Vinschgau günstiger landwirtschaftliches Grün erwerben konnten.

Dann wurde alles der Gemeinde übergeben und diese wies die Flächen mit einer 25-jährigen Zweckbestimmung den Betrieben zu. Die Infrastrukturen, z. B. die Straßen, wurden ebenfalls von den Betrieben realisiert und der Gemeinde übergeben, allerdings wurden sie teilweise bis heute noch nicht vollständig übernommen. Die ersten Betriebe, die 1978 eröffnet wurden, waren neben dem Autohaus Götsch und dem Einrichtungshaus Tischler u. a. die Firma Elektro Covi, das Bäderstudio Huber, der Malerbetrieb Plant, der Kosmetikbetrieb Piroché, der Tischlerbetrieb Gufler und der Schneekatzenhersteller Herbst-Pichler. Bereits bestehende Unternehmen in Untermais waren damals nur die Firma Hans Zipperle-Fruchtsäfte und die Obstgenossenschaft Cafa.

Neue Ansiedlungen

Anfangs siedelten sich nur Handwerksbetriebe in Untermais an. Später wurden die Vorschriften gelockert und es konnten rund 30 Prozent Tertiärbetriebe dort ihren Sitz errichten. „Bereits kurz nach der Ansiedelung 1978 stiegen die Zinsen von 14 auf 25 Prozent und einige Betriebe gerieten in finanzielle Schwierigkeiten“, berichtet Traudl Götsch. Zwei Betriebe wurden geschlossen und in den folgenden Jahren haben einige Unternehmen, aus verschiedenen Gründen, der Handwerkerzone den Rücken gekehrt. Im Gegenzug siedelten sich jedoch andere Vorzeigeunternehmen in Untermais an, wie z. B. die G. u T. Siebenförcher OHG (1992) oder die E. Innerhofer AG aus St. Lorenzen bei Bruneck (1998). Heute befinden sich ca. 50 Betriebe in der Gewerbezone Untermais. „Neue Betriebe können sich nur ansiedeln, wenn ein bestehender Betrieb aussiedelt. Allerdings besteht im aufgelassenen Areal der Bosin-Kaserne ein Erweiterungspotenzial für die Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe“, so Traudl Götsch.

Gewerbefreundliche Verkehrserschließung und Parkplätze

Das Thema Verkehr führt immer wieder zu hitzigen Diskussionen. Angefangen von Baustellen, Anlieferungs- und Güterumschlagsfragen bis hin zu Parkplätzen reicht die Themenpalette. Auch für Traudl Götsch ist die Verkehrslage einer der wichtigsten Standortfaktoren. Zeiteinsparungen in der Beschaffung und Auslieferung schlagen sich direkt in den Transportkosten und letztlich in der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nieder. „Wir haben viele Jahre auf die in der neuen Handwerkerzone vorgesehene Ausfahrt Cafa-Süd gewartet, die schlussendlich aber doch nicht gebaut wurde. Alles scheiterte an einer einzigen SVP-Gegenstimme im Meraner Gemeinderat“, kommentiert Traudl Götsch bitter und ergänzt: „Dies war meine größte Niederlage“.

Gerade in der Untermaiser Handwerkerzone gibt es das größte Verkehrsaufkommen mit Lkws, die in Sinich ausfahren und durch die Romstraße nach Meran müssen. Besonders im Herbst, wenn die Traktoren zur Cafa fahren, ist die Verkehrsbelastung enorm. „Die provisorische Ausfahrt hat leider für Meran keine wesentliche Verbesserung gebracht“, ist Traudl Götsch überzeugt. Als Wiedergutmachung wurde die Zufahrtsstraße verbreitert. Aufgrund der Bauarbeiten für die Erweiterung der Zufahrtsstraße sowie für den Bau des Fernheizwerkes und der Berufsschule war die Handwerkerzone jedoch einige Jahre lang nur erschwert erreichbar. Viele Betriebe haben dadurch erhebliche finanzielle Einbußen erlitten.

Heute ist eine MeBo-Ausfahrt nicht mehr möglich, da an der geplanten Zufahrt die Berufsschule gebaut wurde. Mit dem Bau der Berufsschule hat sich nun ein neues akutes Problem ergeben: Es gibt zu wenig Parkplätze. Erste Gespräche mit Landesrat Philipp Achammer und den zuständigen Beamten des Vermögensamtes in Bozen wurden bereits geführt, denn, laut Götsch „kann es nicht sein, dass neue öffentliche Infrastrukturen in der Gewerbezone geplant werden, ohne die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Mindestanzahl von Parkplätzen zu berücksichtigen. Ohne genügend Parkplätze kann die Gewerbezone langfristig nicht überleben.“

Verständnis zeigt Götsch für die neue, restriktive Südtiroler Handelspolitik in den Gewerbezonen. Der Südtiroler Landtag hatte im Dezember einer entsprechenden Anpassung des Raumordnungsgesetzes zugestimmt. „Sie wird dem Prinzip gerecht, dass Einzelhandel vornehmlich in den Orten und bewohnten Gebieten ausgeübt werden kann und nur in bestimmten Ausnahmefällen in den Gewerbegebieten“, so Götsch. Allerdings kann sie sich vorstellen, dass in Gewerbezonen auch Wohnzonen entstehen können. Dies, „um Leben in die Produktionsgebiete zu bringen“, unterstreicht sie.

Für die Pionierin der Meraner Handwerkerzone sind die Gewerbegebiete nach wie vor – neben dem Tourismussektor – das pulsierende Herz der Wirtschaft Merans. Gemeinsames Interesse muss es sein, diese Zonen aufzuwerten und die Tätigkeit der dort angesiedelten Unternehmen zu vereinfachen.

Ein Artikel aus der Rubrik Porträt  von Eva Pföstl (ep)

Sie finden diesen Artikel im Meraner Stadtanzeiger 10/2017 und können die Ausgabe hier als PDF downloaden