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Wie die Jäger reden wir

„Der Jennerwein“, ein von Franco Marini verfasstes und am Theater in der Altstadt inszeniertes Volksstück, hat sich als Publikumserfolg erwiesen. Offenbar haben sich die um Jäger und Wilderer rankenden Legenden noch nicht endgültig in die Heimatfilm-Romantik zurückgezogen.

Überhaupt sind wir uns kaum bewusst, dass wir nicht wenige Begriffe und Redewendungen aus dem Jägerjargon in unserer Alltagssprache auch heute noch verwenden.

Auf witzige Weise politische Zustände aufs Korn zu nehmen, darauf verstehen sich Kabarettisten. Die Wendung ist auf das Zielen über Kimme (Kerbe) und Korn einer Schusswaffe zurückzuführen. Bei diesem Korn handelt es sich um eine kleine Erhöhung kurz vor der Mündung des Laufes. Wenn hingegen ein Politiker wie der österreichische Vizekanzler Spindelegger die Flinte ins Korn wirft, dann bezieht sich die Redewendung auf den Soldaten, der den Kampf aufgebend die Waffe ins Getreidefeld wirft und flieht. Dem Alt-Landeshauptmann Durnwalder gestehen wir gerne zu, als Waidmann stattliche Böcke erlegt zu haben; auf politischem Parkett habe er auch diverse Böcke geschossen, werfen ihm Oppositionelle vor. Die Redewendung geht auf einen früheren Brauch der Schützengilden zurück, wonach der schlechteste Schütze einen Bock als Trostpreis erhielt.

Dass die Füchse nicht auf der Abschussliste stehen, brachte heuer besonders die Pusterer Bauern in Rage, allzu viele Hühner wurden ihnen vor der Nase abgewürgt. Das Abwürgen ist gar auf uns Autofahrer sprachlich übertragen worden; durch unsachgemäßes Schalten oder Bremsen würgen wir halt den Motor ab.

Die Hetzjagd erforderte einst einen großen Aufwand an Hunden, Pferden und Personal; sie galt als Vergnügen vornehmlich Adeliger. In England wurde sie noch als Fuchsjagd betrieben, sie war allerdings politisch stark umstritten und ist seit 2005 verboten. Für die Hetzjagd wurden Jagdhunde eigens abgerichtet, man bezeichnete sie als Meute. Südtirols Wutbürger, die gegen die Privilegien der Polit-Rentner zu Felde zogen, wurden despektierlich als Meute bezeichnet. Manchen Altmandataren war es wohl sauer aufgestoßen, als die Presse von den goldenen Renten Wind bekam; die Wendung bezieht sich auf die Witterung des Wildes, wenn ihm der Wind den Geruch des Jägers zuträgt. Wenn eine Veranstaltung abgeblasen wird, so ist der Ausdruck der Jagd entnommen. Durch Blasen eines Signals wurde die Jagd beendet, man blies zum Halali.

Die gejagten Tiere können den Jägern auch durch die Lappen gehen. Um bei der Treibjagd dem Wild bestimmte Fluchtrichtungen zu versperren, wurden Schnüre mit bunten Stoffstreifen gespannt. Entkam ein Tier trotzdem an solchen Stellen, war es eben durch die Lappen gegangen. Nicht wenige Südtiroler befürchten, dass unserem Land durch das Finanzabkommen mit Rom nicht nur Millionen, schlimmstenfalls gar Milliarden durch die Lappen gehen würden.

Ein Artikel aus der Rubrik Worte über Worte  von Dr. Luis Fuchs (lf)

Sie finden diesen Artikel im Meraner Stadtanzeiger 21/2014 und können die Ausgabe hier als PDF downloaden