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Der Bambus

Eine sehr schnell wachsende Pflanze

Der Goldrohr-Bambus in der Gilf und  im linken unteren Eck der Palmblatt-Bambus
Sasa veitchii
Der Schwarzrohr-Bambus

Bambus ist der Sammelbegriff für weltweit rund 1.250 Arten von immergrünen Großgräsern in der artenreichen Familie der Süßgräser (Poaceae). Von den Arten gibt es wiederum eine Vielzahl von Zuchtformen. Die schnell wachsenden Gräser unterscheiden sich voneinander in der Größe und Gestaltung von Halmen, Zweigen und Blättern. Die Halme sind hohl und werden durch Knoten in Segmente gegliedert. Die großwüchsigen Arten verholzen und besitzen kein sekundäres Dickenwachstum. An jedem Knoten entspringen je nach Gattung ein bis mehrere Seitentriebe. Die unscheinbaren Blüten bilden sich in endständigen Ähren. Es ist noch ein Rätsel, warum der Bambus nur im Abstand von mehreren Jahrzehnten blüht; wahrscheinlich weil die Pflanze zur Bildung der Blüte sehr viel Kraft braucht, denn nach der Blüte stirbt die Pflanze ab. Die Wurzel­ausläufer mancher Arten haben einen starken Ausbreitungsdrang, sodass sie in Gärten mit einer Rhizomsperre eingeengt werden sollten.

In der Mitte des 19. Jhs. brachten Seidenimporteure die ersten Bambussprosse aus China und Japan nach Europa und verschiedene Arten wurden bald als Zierpflanzen sehr beliebt. Manche Arten werden in Asien als wichtiges Bauholz für Brücken und Häuser, als Ausgangsstoff für Musikinstrumente sowie Werkzeuge und vieles mehr verwendet. In den Blättern, Wurzeln und der Rinde mancher Arten sind Stoffe enthalten, die in der chinesischen und mittlerweile auch in der westlichen Medizin eingesetzt werden (Kieselsäure, Flavonoide).

In den Parkanlagen und großen Gärten von Meran auffallende Arten sind der Goldrohr-Bambus (Phyllostachys aurea) mit grünen und, wenn sie von der Sonne beschienen werden, gelben Schäften, deren Knoten im unteren Stängelteil manchmal schräg gestaucht sind und Schildkrötenpanzern ähnlich sehen; der Schwarzrohr-Bambus (Phyllostachys nigra) mit jung grünen Schäften, die sich im Laufe der Zeit braun und schließlich schwarz verfärben. Die jungen Sprosse von Phyllostachys edulis werden seit langem in der chinesischen Küche verwendet. Im Garten des Kondominiums Parini­straße 10 befindet sich ein kleiner Hain mit dieser Art (davon berichteten schon J. Hermer 1905 und K.L. Honeck 1977). Der Weißgestreifte Bambus (Pleioblastus fortunei = variegatus) ist ein etwa 30 cm hoher, kultivierter Zwergbambus mit grün-weiß gestreiften Blättern an grünen bis rötlich-violetten Halmen. Der Grüngestreifte Bambus (Pleioblastus viridistriatus = auricomus) wird etwa 60 cm hoch. Seine anfangs gelben Blätter sind später in verschiedenen Grüntönen gestreift. Der dickichtartig wachsende Palmblatt-Bambus (Sasa palmata) wird etwa 1,5 m hoch und hat große Blätter in palmenähnlicher Blattstellung; der Sasa veitchii hat im Herbst und Winter weißlich umrandete Blätter. Der wuchsfreudige Japanische Pfeilbambus oder Breitblatt-Bambus (Pseudosasa = Arundinaria japonica) hat an bis 3 m hohen, dünnen und kreisrunden Halmen haftenbleibende Scheiden an den Knoten und relativ große, sattgrüne Blätter. Keine Wurzelausläufer, sondern Horste bildet die Gattung Fargesia - Gartenbambus, die man an der Zahl der Seitenzweige (>3 pro Knoten) und den schmalen, bleibenden Halmscheiden an den bis etwa 4 m hohen Halmen erkennt.

Vorkommen: Mehrere Bambusarten sind in der Gilf, an der Gilf- und Sommerpromenade, an mehreren Stellen entlang des Tappeinerweges und am Maiser Waal, in vielen privaten Gärten (größere Bestände an der Verdi- und Vergilstraße, am Winkelweg, Laurinstraße u.v.a.) zu finden. Im Bambuswald der Gärten von Schloss Trauttmansdorff kann man die Vielfalt der Bambusarten bewundern.