Frauenmarsch –Südtirol wachrütteln

Sa, 15.10.2022 in Bozen Start am Gerichtsplatz um 11 Uhr

06. Oktober 2022

 

 

Wusstest du, dass Südtiroler Frauen durchschnittlich ca. die Hälfte der monatlichen Männer-Rente beziehen (735 Euro zu 1.433 Euro)? Oder dass die wöchentliche Care- und Hausarbeit unter Erwerbstätigen 22,2 Stunden bei Frauen zu 8,2 Stunden bei Männern beträgt? Oder dass zwar der Bildungsgrad von Frauen mittlerweile höher ist als jener von Männern (in der Euregio haben 19,4% der Frauen einen Hochschulabschluss; im Vergleich 12,6% der Männer), aber weder die Politik (Repräsentanz – 13 zu 103 BürgermeisterInnen, 2 zu 7 LandesrätInnen usw.) noch die Wirtschaft (gläserne Decke und Einkommensschere von 4,2% weniger pro Stunde) noch die Medienlandschaft (26% der Flächen/Zeiten werden in Italien mit Expertinnen und Protagonistinnen bespielt) dem Willen der Frauen an Beteiligung Rechnung trägt? Der Zahlen nicht genug? Dann schau dir jene zur Gewalt gegen Frauen an: In Italien rechnet man mit einem Femizid alle 60-72 Stunden, letzthin nahmen Frauenmorde sogar zu, während die Mordzahlen insgesamt abgenommen haben. In den Südtiroler Frauenhäusern wurden im vergangenen Jahr 105 Frauen mit 141 Kindern aufgenommen, in den Beratungs- und Kontaktstellen 586 Frauen begleitet. Wenn auch diese Zahlen noch nicht reichen, lese den Rest im Manifest von Frauenmarsch nach.

Krise ist das Wort der Stunde: Rechtsruck, Energiekrise, Klimakrise. Die ersehnte positive Wende werden wir aber nicht hinkriegen, ohne parallel die soziale UN-Gerechtigkeit zu bekämpfen – auch und vor allem eine Gender- und Geschlechterfrage! Wir haben dieses Zahlenmaterial zusammengetragen und belegen damit, dass wir nicht von einem diffusen Unbehagen sprechen, sondern von einem eklatanten Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern einerseits und von Menschenrechtsverletzungen andererseits, auch in Südtirol.

 

Nach dem ersten Action Day Frauenmarsch-Donne in marcia im September 2021 in Bozen folgt der diesjährige Protest- und Inspirationszug „Frauenmarsch.Donne in Marcia“ durch Bozen am Samstag, 15. Oktober, mit Start am Gerichtsplatz um 11 Uhr.

 

Damit soll ein sichtbares Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen gesetzt werden. Zur Initiative zusammengefunden haben sich zahlreiche Südtiroler Feministinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die dazu aufrufen, am frauenmarsch teilzunehmen und die Forderungen nach einer gerechteren Gesellschaft für ALLE weiterzutragen.

 

Anlass für den „Marsch“ geben die unzähligen noch bestehenden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen in allen Lebensbereichen, die Zurücksetzung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, die nicht nachlassende Gewalt gegen Frauen (verbal-digital-sexuell-physisch), die alarmierend hohen Zahlen der in Frauenhäuser Schutzsuchenden und nicht zuletzt die immer länger werdende Liste jener Frauen, die Gewalt nicht überlebt haben. Dieser Tendenz gilt es nun entschieden gemeinsam entgegenzuwirken. Der „Frauenmarsch – Donne in marcia“ gibt die Gelegenheit, die Stimme zu erheben und sich entschlossen gegen jede Form von Sexismus und Ungerechtigkeit aufzulehnen, denen Frauen in Südtirol (und darüber hinaus – jüngstes Beispiel ist der Iran) tagtäglich begegnen. Diese Sexismen beginnen mit der Abwertung und Geringschätzung von Mädchen und Frauen und reichen vom Gender Gap (data gap/pension gap/pay logistic partner https://linktr.ee/frauenmarsch_donneinmarcia Dokufilm 2021 von Pia Profanter, 20 Min: www.youtube.com/channel/UCF_8CDfLhkER8I8NEW1EBfA

 

gap) über strukturelle Barrieren, die Frauen daran hindern, Führungspositionen zu übernehmen oder in Medien gebührend repräsentiert zu werden, bis hin zur sichtbarsten Form von Gewalt an Frauen: dem Femizid.

Der Parcours Der Frauenmarsch startet um 11 Uhr am Gerichtsplatz und zieht lärmend, mit Slogans, Kurzreden und Forderungen vorbei an verschiedenen Symbolen und Orten, an denen Ungleichheit (re)produziert wird: dem Gericht (Gewalt/Femizide und Rechtsprechung), der Familienberatungsstelle AIED (Selbstbestimmung Fortpflanzung, Sexualität, Körper), der RAI (Medienberichterstattung und Sichtbarkeit), der Freiheitsstraße (Freiheit), dem Siegesdenkmal (Krieg und Beherrschung, auch der natürlichen Ressourcen), bis vors Museion (Kultur). Ein Paradigmenwechsel bedingt, dass auf verschiedenen Ebenen parallel Hebel angesetzt werden und einer neuen Kultur von Respekt, Gleichbehandlung, sozialer (und ökologischer) Gerechtigkeit und Solidarität Platz gemacht wird.

Denn gerechte Gesellschaften funktionieren besser als ungerechte. Das gilt für die notwendige Neuausrichtung unseres Zusammenlebens in der Gesellschaft genauso wie für den Umgang mit Ressourcen. Aus dem Manifest von Frauenmarsch - Donne in marcia: Der kollektive Drang nach Paradigmenwechsel versteht das Patriarchat als toxisch und betrachtet alle, selbst Männer*, nicht nur als Nutznießer, sondern auch als Opfer eines ungerechten und lähmenden Systems. Alle Feminist*innen sollen im Kampf gegen ungerechte und zutiefst menschenverachtenden Gewohnheiten und Normen vereint werden zu einer Graswurzelbewegung: überparteilich, laizistisch und inklusiv. Was wir wollen, ist eine gerechte Gesellschaft für ALLE.

Demo-Werkstatt Damit unsere Forderungen nicht nur hör-, sondern auch sichtbar


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