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Tulpenbaum

Liriodendron tulipifera L.



Ein stattlicher Baum, der durch die Form und Größe der Blätter und Blüten und im Herbst durch die goldgelbe Färbung der Blätter auffällt, ist der Tulpenbaum. Liriodendron tulipifera ist eine Baumart aus der Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae) und wie diese aus botanischen Gründen sehr interessant. Er zeigt in seinen Blüten noch sehr ursprüngliche, wenig entwickelte Merkmale und gehört wie die Magnolie mit ihren auffälligen Blüten zu den einfachsten Blütenformen der Bedecktsamer.

Der Tulpenbaum ist im östlichen und südöstlichen Nordamerika beheimatet, wo er bis 60 m hoch und rund 500 Jahre alt wird. Im Nordosten Amerikas ist der Tulpenbaum eine der wichtigsten Laubbaumarten und wird als Holzlieferant genutzt; in Europa ist er 1663 eingeführt worden und wird seither wegen seiner Schönheit und Anpassungsfähigkeit als Park- und Zierbaum gerne angepflanzt. Gleichzeitig mit der Errichtung der Winterpromenade, 1863, wurden auch in Meran am oberen Ende der Wandelhalle zwei Bäume gepflanzt, die demnach die ältesten und höchsten Exemplare in Meran sein dürften.

Der Tulpenbaum ist ein raschwüchsiger, sommergrüner, laubabwerfender Baum. Er hat meist einen stattlichen Wuchs und erreicht bei uns Wuchshöhen von 20-30 m. Bei jungen Bäumen ist die Baumkrone schmal und kegelförmig, bei älteren wird sie gewölbt und hochragend, manchmal auch auseinanderstrebend mit durchgehendem Mittelstamm. In laublosem Zustand ist er sehr licht, belaubt bildet er eine dichte, geschlossene Krone. Die Rinde ist grau, braun oder braunorange. Sie ist mit feinen, flachen Leisten netzförmig überzogen. Die Knospen sind rund 1 cm lang, oval, etwas gebogen und leicht zusammengedrückt. Die Blätter sind 10-15 cm lang und 12-20 cm breit. Die Blätter sind eigenwillig und unverwechselbar geschnitten, ahornblatt-ähnlich. Der Umriss ist viereckig, das Blatt in vier ungleiche Lappen geteilt. An der Spitze ist das Blatt wie abgestutzt. Der Blattstiel ist 5-10 cm lang. Die Oberseite der Blätter ist glänzend und kräftig grün, die Unterseite ist heller und blaugrün bereift. Sie färben sich im Herbst prächtig goldgelb. Die ca. 6 cm großen Blüten stehen einzeln an Zweigenden. In der Form ähneln sie den Tulpenblüten, daher auch der Name Tulpenbaum. Die 3 äußeren Kronblätter sind grünlich und zurückgebogen, die 6 inneren Kronblätter sind aufrecht, gelbgrün und auffallend orangerot gebändert. Die Blüten sind im hochkronigen Baum und zwischen den jungen Blättern leider meist nur schlecht zu sehen. Die zahlreichen Staubblätter sind dick, fleischig und 3-5cm lang. Die Fruchtblätter stehen an einem Kegel im Zentrum der Blüte. Die Blütezeit ist von Ende April bis Mai. Der Fruchtstand ähnelt einem 6-8 cm großen Nadelbaumzapfen. Die Samen sind geflügelt.

Der Tulpenbaum blüht erst ab einem Alter von 15-20 Jahren. Besonders widerstandsfähig ist der Tulpenbaum gegen Krankheiten und verschmutzte Luft. Alle Teile der Pflanze, besonders Holz und Rinde, sind für den Menschen giftig.

Vorkommen: an der Winter- und Sommerpromenade, im Elisabethpark, im Schillerpark, bei der Wenterschule, beim Pädagogischen Gymnasium (Galileistraße), in der Gampen- und Romstraße, Freiheitsstraße, beim Krankenhaus, bei der Bushaltestelle der Thermen, am Parkplatz der Meraner Kellerei und in der Piavestraße, in privaten Gärten und Parkanlagen. Der Tulpenbaum ist in Meran häufig anzutreffen. Einige Exemplare sind im Rahmen der Aktion „Schenk Meran einen Baum“ gespendet und gepflanzt worden.

Ein Artikel aus der Rubrik Botanischer Spaziergang  von Dr. Wilhelm Mair (wm)

Sie finden diesen Artikel im Meraner Stadtanzeiger 10/2011 und können die Ausgabe hier als PDF downloaden