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Virginischer Wacholder

Juniperus virginiana L.

Virg. Wacholder mit der Klettertrompete
Virg. Wacholder  beim Wetterhäuschen
Blüte der Klettertrompete

Der Artname „virginiana“ verrät die Herkunft des Baumes aus dem Bundesstaat Virginia im östlichen Nordamerika. Dort verwendete man das Holz zur Fertigung von Bleistiften (deshalb Bleistift-Zeder genannt) und Zigarrenkisten. Der Baum wurde schon im Jahre 1664 in Europa eingeführt. Im 18. Jh entwickelte sich das Holz der Virginischen Rot-Zeder, wie der Baum auch genannt wird, zum Modeholz und wurde verschwen-derisch für Holztäfelungen und für hochwertige Möbel verwendet. Den Namen Rot-Zeder erhielt der Baum wegen des charakteristisch rotviolett gefärbten Kernholzes im schnittfrischen Zustand. Auf den Faber´schen Besitzungen in Nürnberg wurden um 1870 für die Bleistiftfertigung großflächig über 80.000 Bäume gepflanzt (Hermer, 1905). Ein großer Teil dieses Waldes fiel aber im Jahre 1946 der Brennstoffknappheit zum Opfer. Heute werden andere Holzarten (Pinien, Ahorn, Linde) zur Fertigung der Bleistifte eingesetzt. Bei der Gestaltung der Meraner Winterpromenade um 1863 wurde ein Virginischer Wacholder gepflanzt, der heute noch nordseitig vom Wetterhäuschen steht.

Die Gattung Wacholder (Juniperus) ist die artenreichste innerhalb der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), von denen sich der Virginische Wacholder in zweierlei Hinsicht abhebt: die Blätter sind an den Jungtrieben nadelförmig (ähnlich dem Wacholder), an den älteren Trieben jedoch schuppenförmig (wie bei den Zypressen) und die Beerenzapfen sind fleischig.

Der Virginische Wacholder ist ein langsam wachsender, bis 30 m hoher, immergrüner Baum. Die zunächst meist schlanke, säulenförmige Krone wird im Alter mit abstehenden oder überhängenden Ästen breiter. Die Rinde ist rötlichbraun und löst sich in schmalen Längsstreifen ab. Die Blätter sind an den jungen Trieben bis 5 mm lang, nadelförmig und dunkelgrün bis hell graublau, an den älteren Trieben sitzen kleine Schuppenblättchen, die den Zweigen dachziegelartig eng anliegen und blassgrün gerandet sind. Die männlichen Blüten befinden sich einzeln an den Zweigenden, die weiblichen Zapfen sind bis 6 mm dick, rundlich, bläulich überzogen und reifen im gleichen Jahre ab. Die Zweige und Früchte haben einen charakteristischen Geruch nach Kernseife oder Farbe und enthalten ein giftiges ätherisches Öl.

Der Baum ist in Gärten, Parkanlagen und Friedhöfen als Ziergehölz weit verbreitet in verschiedensten Kulturformen, die sich in der Wuchsform und Färbung der Nadeln unterscheiden, z.B. die var. „glauca“ mit blaugrünen Nadeln und starkem, säulenförmigem Wuchs.

Vorkommen: Winterpromenade, Maiser Park, am Steinachplatz, in den Parkanlagen von Schloß Rubein und Martinsbrunn.

Klettertrompete

Ab Juni zieren die weit sichtbaren Blüten der Klettertrompete (Campsis radicans (L.) Seem.), auch Trompetenblume genannt, den Virginischen Wacholder, der am Beginn der Winterpromenade hinter dem Wetterhäuschen steht. Der Strauch wird in die Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae) gestellt und ist verwandt mit dem Trompetenbaum (Catalpa bignonioides), den wir im Meraner Stadtanzeiger Nr. 11 am 03.06.2011 vorgestellt haben. Die Heimat der Klettertrompete sind die warmen und feuchten Laubwälder des südöstlichen Nord-Amerika. Wegen der auffallenden Blüten werden einige Sorten als Zierpflanzen kultiviert.

Der verholzende Strauch klettert über 10 m an Bäumen und Mauern empor. Er umrankt aber auch strauchartig Zäune, Mauern und andere Stützgerüste. Die gegenständig angeordneten, großen, sommergrünen Blätter sind unpaarig gefiedert mit 7-11 Fiederblättchen. Diese sind länglich und am Rande gezähnt, kahl und nur an der Mittelrippe flaumig behaart. Die prächtig orange bis rot gefärbten, glockenförmigen Röhrenblüten mit breitem Saum sitzen in endständigen Büscheln an neuen, oft weit abstehenden Trieben. Die Blüten können bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen. Die Frucht ist eine etwa 10 cm lange, schotenförmige, verholzende Kapsel, die viele geflügelte Samen enthält. Die Schoten können über ein Jahr lang am Baum hängen bleiben.

Vorkommen: Winterpromenade, Gilfpromenade, Moser-Anlage, Laurinstraße,  Gampenstraße an der Mauer des Pferderennplatzes, in privaten Gärten zur Abdeckung von Mauern.