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  3. Fast 100 Jahre in den Lauben – die Geschichte der Familie Siebenförcher
Lesezeit: 5 min

Fast 100 Jahre in den Lauben – die Geschichte der Familie Siebenförcher

Im Frühling 2026 von Eva Pföstl

Die Siebenförchers: Gottfried Junior und Gottfried Senior
Die Siebenförchers: Gottfried Junior und Gottfried Senior

Es gibt Orte in Meran, die sich ins Gedächtnis einer Stadt einschreiben. Die Metzgerei Siebenförcher in den oberen Lauben ist einer davon. Wer heute durch die Tür tritt – vorbei an sorgfältig bestückten Vitrinen, die das Können des Hauses auf den ersten Blick verraten, und hinunter ins Untergeschoss mit vorbildlich restauriertem Steingewölbe, das an vergangene Jahrhunderte erinnert –, betritt kein Geschäft. Er betritt eine Geschichte. Eine, die 1930 begann und seither nicht aufgehört hat.

Der Gründer, das Vieh und die Kraxe

Damals eröffnete Metzgermeister Gottfried Siebenförcher Senior sein erstes kleines Geschäft unter den unteren Lauben. Er war ein Mann seiner Zeit: Er stieg noch selbst auf die Almen des Vinschgaus und im Passeiertal hinauf, suchte Vieh aus – entlang der sogenannten Via della Carne, der Vinschgerstraße, auf der seit jeher Metzger und Viehhändler ihren Geschäften nachgingen. 1937 zog die Produktion in die Laurinstraße, 1959 übersiedelte das Geschäft in die oberen Lauben – dorthin, wo es bis heute beheimatet ist.

Bis in die 60er-Jahre transportierte Gottfried Siebenförcher Senior das Fleisch von Gratsch in das Laubengeschäft – zunächst in der Kraxe auf dem Rad und später mit einem Moto-Guzzi-Dreiradler. Die Stadt kannte ihn. Er kannte die Stadt.

Von Anfang an arbeitete die Familie von Gottfried Senior im Geschäft mit, die Kinder Herta, Inge, Gottfried Junior und Max, seine Frau Maria saß an der Kassa. Sie rechnete alles im Kopf zusammen – Kopfrechnen war Pflicht. Auch als die Registrierkasse kam, kontrollierte sie jeden Bon nach. „Kontrolle ist besser als Vertrauen in die Technik“, war ihr Lebensmotto.

Teilung als Neuanfang

Als die Söhne 1970 übernahmen, teilten sie den Betrieb auf: Max bekam den Produktionsstandort in Gratsch, Gottfried Junior die Metzgerei in den Lauben. Zwei eigenständige Betriebe.

Die Zahlen jener Jahrzehnte erzählen ihre eigene Geschichte. In den 1960er-Jahren zählte Meran noch etwa dreißig Fleischereien, 1987 waren es fünfzehn, heute nur mehr sechs. Gottfried Juniors Frau Gerda kennt sie auswendig. Sie hat das Geschäft von Anfang an mitgetragen, an der Seite ihres Mannes Gottfried Junior, während sie zugleich sieben Kinder großzog. „Mein Mann hat diese Entwicklung nicht beklagt. Er hat darauf reagiert“, sagt sie – und in diesem einen Satz steckt viel von dem, was die Familie Siebenförcher ausmacht.

Als die Laubengasse Ende der 1990er-Jahre zur Fußgängerzone wurde, stand das Unternehmen vor einer Weggabelung: verkleinern oder verlagern. Gottfried Junior kaufte ein Grundstück in Untermais und baute. 1992 öffnete die neue Produktionsstätte – und wurde in den folgenden Jahren gleich mehrfach erweitert, bis auch dort der Platz zu eng wurde. 2008 kam das Logistik- und Verwaltungszentrum in Gargazon dazu.

Die dritte Generation – und das gemeinsame Mittagessen

2006 übernahm die dritte Generation die Unternehmensführung. Alles blieb in Familienhand. Barbara verantwortet heute Verwaltung und Organisation, Thomas den Ein- und Verkauf, Florian die Produktion. Heidi führte lange das Geschäft, heute zieht Daniela die Fäden, Klaus ist mit seiner Agentur für die Grafik eingespannt.
Heute beschäftigt das Unternehmen rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an vier Standorten.

Was diese Familie zusammenhält, lässt sich nicht in Organigrammen abbilden. Es sind Prinzipien, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden: Handschlagqualität, der Sinn für Gerechtigkeit, der Zusammenhalt. „Und das gemeinsame Mittagessen“, erzählt Barbara Siebenförcher lachend. „Früher, als die Familie noch über der Metzgerei wohnte, aßen wir Seite an Seite mit den Metzgergesellen. Heute noch immer mit den Mitarbeitern in den firmeninternen Mensen.“

Sie und ihre Geschwister sind buchstäblich mit der Metzgerei aufgewachsen. „Als Kinder gingen wir nach der Sonntagsmesse immer mit Papi ‚Kalblen schauen' beim Sittnerhof in Gratsch. Er suchte die schönsten Kälber aus.“ Später saß Barbara neben ihrer Oma an der Kasse im Geschäft in den Lauben. Dass sie heute für Organisation, Personal und Finanzen zuständig ist, ist kein Zufall. Manche Eigenschaften vererben sich eben.

„Ospelle – wo geht des epper hin?“

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