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Lesezeit: 5 min

IN3XOZ ruft IW3AMQ

Wenn die Welt verstummt, fangen sie an zu senden

Im Sommer 2026 von Eva Pföstl

Amateurfunk: Frauen sind sehr motiviert und stehen keineswegs abseits.
Amateurfunk: Frauen sind sehr motiviert und stehen keineswegs abseits.
Gut gerüstet und zeitgemäss: Das Radio Shack, umgangssprachlich Funkbude, eines Funkamamateurs.
Gut gerüstet und zeitgemäss: Das Radio Shack, umgangssprachlich Funkbude, eines Funkamamateurs.
Kurse und Weiterbildung im Vereinslokal Meran.
Kurse und Weiterbildung im Vereinslokal Meran.

Ein Rufzeichen klingt wie eine Geheimsprache. India November Three X-Ray Oscar Zulu – das ist kein Code aus einem Spionageroman, sondern die Visitenkarte eines Amateurfunkers. Wer in dieser Welt unterwegs ist, stellt sich nicht mit dem Namen vor, sondern mit seinem Rufzeichen. Es ist Ausweis, Adresse und Identität zugleich.

Rund 30.000 bis 40.000 Italiener pflegen dieses Hobby, das von außen wie ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten aussieht: graue Kästchen mit Drehknöpfen, ein Gewirr aus Kabeln, eine Antenne auf dem Dach. Und dann – irgendwo in diesem Rauschen – eine Stimme aus Australien. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aus Neuseeland. „Wenn man das Gerät einschaltet, weiß man nicht, mit wem man wo auf der Welt in Kontakt kommt. Und genau das ist der Reiz“, sagt Thomas Delmonego aus Bozen, Vorsitzender des Dolomites Radio Club E.O. (D.R.C).

Sechzig Jahre auf Sendung

Der D.R.C. ist der älteste deutschsprachige Amateurfunkclub Südtirols – und er feiert heuer sein 60-jähriges Bestehen. 1966 schlossen sich fünf Pusterer Funkamateure zusammen. Heute zählt der Club über 190 Mitglieder, unterhält Lokale in Bruneck und Meran und ist auf allen, den Funkamateuren zugewiesenen Wellenlängen in aller Welt präsent. Zum Jubiläum gibt es das Sonderrufzeichen II3DRC – in der Funkerwelt eine Ehrung, vergleichbar mit einer Festschrift, nur dass sie über Frequenzen bis nach Neuseeland reicht. Auch für die Olympischen Spiele wurde bereits ein eigenes Sonderrufzeichen – II3OLYM – vergeben.

„Was der Club in sechs Jahrzehnten aufgebaut hat, ist beeindruckend. Umsetzerstationen auf dem Piz Chavalatsch, dem Vigiljoch, dem Rittnerhorn, der Marmolada, dem Kronplatz, dem Helm, der Seegrube und einem Dutzend weiterer Gipfel spannen ein dichtes Netz über ganz Südtirol“, erzählt Reinhold Ebner aus Mals.

Der D.R.C. verfügt dabei über das stärkste Umsetzernetz der Region. Wer hier mit einem kleinen Handgerät sendet, erreicht problemlos Süddeutschland. Wer keine eigene Antenne installieren kann, nutzt das HamNet – ein Breitband-Funknetzwerk für multimediale Daten und IP-Dienste im Gebirge – oder die Remotestationen am Gitschberg und auf der Plose. Über Knotenpunkte wie dem Marlinger Berg und dem Gantkofel ist Südtirol zudem an das nationale CISAR-Netz und an Nordtirol angebunden. Und für jene, denen die Erde zu eng ist: Über die Clubstation für den geostationären Amateurfunksatelliten QO-100 reicht der Amateurfunk buchstäblich ins All.

Selbst Morsezeichen erleben ein kleines Revival, jene taktenden Kürzel, die längst für tot gehalten wurden. Open-Source-Software wird weiterentwickelt, digitale Übertragungsverfahren erprobt. Der Amateurfunk ist kein Museum – er ist ein Labor.

Wenn nichts mehr funktioniert

Amateurfunk ist Hobby. Aber er ist noch etwas anderes: Rückversicherung. In einer Welt, die vollständig von Strom, Internet und Mobilfunk abhängt, sind Funkamateure die Einzigen, die auch dann noch kommunizieren können, wenn all das ausgefallen ist.

„Unsere Gesellschaft ist extrem abhängig geworden von Kommunikation“, betont Delmonego. „Wenn Handy, Internet und digitale Systeme ausfallen, merkt man plötzlich, wie schnell fast nichts mehr funktioniert.“ Ein gezielter Angriff auf die digitale Infrastruktur, ein Sabotageakt an einem Umspannwerk – und weite Teile Europas lägen im Dunkeln. Solche Sätze gehören genauso zu dieser Welt wie das leise Knistern der Geräte. Doch die Funkamateure skizzieren nicht nur große Szenarien. Sie verweisen auf lokale Stromausfälle, auf Unwetter der vergangenen Jahre oder andere Ereignisse.

„Als am Vinschger Hauptknotenpunkt Montoni ein Brand drohte – jener Anlage, über die Radio, Fernsehen, der gesamte BOS-Funk (alle Organisationen mit Blaulicht auf den Autos) und fast das gesamte Handynetz Obervinschgaus laufen – standen die Funkamateure bereit. Zum Glück ging alles gut. Aber wir wären da gewesen. „Funkamateure können lebensnotwendig werden, wenn die Strukturen ausfallen“, sagt Stefan Öggl aus Schlanders, nüchtern, ohne Pathos. Beim Dreizinnen-Alpin-Marathon und beim Mountainbike-Rennen Cortina-Toblach waren die Funker des D.R.C. regelmäßig im Einsatz, und zwar in jenen abgelegenen Winkeln der Strecke, wo Handy und Walkie-Talkie längst aufgegeben haben.

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