Sie sind hier: Themen > 2017 > Aufgelesen > Bewegung beginnt im Kopf – wo denn sonst?

Bewegung beginnt im Kopf – wo denn sonst?

„Wie bringen wir die Gehirnzellen unserer Kinder wieder in Bewegung – und damit zum Skifahren?“ Südtirols Skilehrer widmeten letzthin bei der Vollversammlung diesem Anliegen besondere Aufmerksamkeit; man stellte nämlich fest, dass die Begeisterung der Kinder für den Skisport in den letzten Jahren nachgelassen habe. „Ich habe Spaß – ganz sicher“, ist das Motto der Kampagne, mit der junge Wintersportler für Sicherheit sensibilisiert werden sollen. Am „Kids Snow Day 2017“ können Kinder die Aufstiegsanlagen kostenlos nutzen. Befremdend nur, warum eine deutsche Bezeichnung wie etwa „Kinder-Schnee-Tag“ unsere „Kids“ nicht mehr ansprechen sollte.

Der tödliche Trainingssturz des Franzosen Poisson hat den Skizirkus zeitweilig in Schock versetzt. „Sport ist Mord“, hört man dann nicht selten; diese Parole wurde einst fälschlicherweise Winston Churchill in den Mund gelegt. Auf die Frage, was sein Rezept für ein langes Leben sei, soll er geantwortet haben: „First of all: No sports!“ Bei der häufig zitierten Phrase handle es sich allerdings um eine simple Verfälschung, ist sich der Journalist Martin Rasper sicher. Die irrtümliche Zuschreibung sei auf das Erscheinungsbild des hartnäckigen Kriegspremiers zurückzuführen: ein wohlbeleibter, schwerfälliger, auf Stock gestützter Mann. Sein Whiskykonsum war legendär und ohne Zigarre trat er so gut wie nie auf. Auf dieses Laster angesprochen, habe er schlagfertig pariert: „Ein leidenschaftlicher Raucher, der ständig von der Gefahr des Rauchens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.“

Der Sport hat sich mittlerweile als unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor etabliert. Das Scheitern der italienischen Fußballnationalmannschaft wirkt sich nicht zuletzt auf die Wirtschaft des Landes aus. Der Kurs der Mediengruppe RCS, zu der die „Gazetta dello Sport“ gehört, ist am Tag nach dem Ausscheiden aus der WM an der Mailänder Börse eingebrochen. „Italien erlebt sein Jahr Null“, war auf der Titelseite der wichtigsten Sportzeitung des Landes zu lesen. Der Fußball stellt zweifelsohne eine millionenschwere Massensportart dar. Wenn es aber ums Rechnen nach Adam Riese geht, haben sogar Spitzenspieler damit ihre Probleme. „Zwei Chancen, ein Tor – das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung“, prahlte der FC Bayern Stürmer Roland Wohlfahrt. „Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind schon ein gutes Trio“, brüstete sich Fritz Walter. „Das Tor gehört zu 70 Prozent mir und zu 40 Prozent dem Wilmots“, rechnete Ingo Anderbrügge dem Reporter vor. Wortwörtlich auf den Kopf stellte Lothar Matthäus die Vogel-Strauß-Taktik: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!“ Ohne die schönste Nebensache der Welt würde vielen Männern wohl der Gesprächsstoff ausgehen. Erhard Blanck, Heilpraktiker und Schriftsteller, bringt es auf den Punkt: „Fußball ist mehr als nur Sport. Er ist immerhin die Philosophie des kleinen Mannes.“

Ein Artikel aus der Rubrik Aufgelesen  von Dr. Luis Fuchs (lf)