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Es fließt oder trocknet aus

Wir haben jetzt Halbzeit. Nicht beim Fußball, sondern in der Fastenzeit. Seit Anfang März schallt der Ruf durch die Kirchen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“

Umkehren. Das setzt voraus, dass ich mich von etwas abwende und mich einer anderen Sache zuwende. Für viele Menschen bedeutet das in diesen Wochen ganz konkret: Ich wende mich vom täglichen Kaffee ab, von Süßigkeiten oder vom Fernseher. Und ich wende mich Gott zu: Ich übe mich in Nächstenliebe, ich beichte, gehe in den Gottesdienst oder lese das Wortes Gottes.

Und was bringt diese Umkehr ganz konkret? Ändert sich dadurch irgendetwas? Eine bemerkenswerte Begegnung Jesu mit einer Frau gibt uns hier interessante Hinweise: Es ist Mittag, und Jesus kommt an einem Brunnen. Er bittet die Frau, die dort gerade Wasser schöpft, um etwas zu trinken und verwickelt sie in ein Gespräch. Nach einigem Hin und Her lässt Jesus die Bombe platzen:

„Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben“! (Nachzulesen im Evangelium nach Johannes, Kapitel 4,5–41)

Wer kennt das nicht: Ich will etwas unbedingt. Denke: Ohne das ist das Leben nur noch halb so schön. Aber wenn ich dieses Auto/Handy/Spielzeug/Geld/sonstwas besitze, dann … ja DANN werde ich alles haben, was ich brauche. Genau diese Sache fehlt mir noch zu meinem Glück. Dann geht mein Wunsch in Erfüllung, und schon nach kurzer Zeit merke ich: Jetzt bin ich mitsamt dem neuen Handy genauso mittelglücklich wie ich vorher ohne es war.

So verhält es sich mit allen irdischen Dingen. Aber wie ist es mit dem Wasser, das Jesus verspricht? Denn meine Erfahrung ist die: Auch wenn ich eine starke Glaubenserfahrung mache, hält dieses Gefühl der Freude und der Geborgenheit nicht ewig. Als ich zum ersten Mal – ich war zwölf – bei einem christlichen Jugendtreffen in Pöllau (www.jugendtreffen.at) war, kam ich begeistert zurück und dachte: So soll es für immer bleiben. Aber es blieb nicht. Der graue, harte Alltag hat mich nach wenigen Wochen eingeholt.

Doch Jesus gibt uns einen Hinweis, wie sein lebendiges Wasser funktioniert. Denn dieses Wasser wird in dem, der es trinkt, „zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“.

Eine Quelle hat die Eigenschaft, dass immer frisches Wasser nachkommt. Sonst ist es keine Quelle, sondern ein Tümpel. Aber was tun, um diese Quelle am Fließen zu halten?

Die kurze Antwort lautet: Den Kontakt zu Gott halten – und das hat immer mit Umkehr zu tun. Die lange Antwort muss jeder für sich finden. Nicht umsonst heißt diese Rubrik „Worte zum Nachdenken“.

Die Antwort, die ich für mich gefunden habe: Ich bin Jahr für Jahr zu diesem Jugendtreffen gefahren. Nach dem zweiten Mal habe ich an Jugendwochenenden in Südtirol teilgenommen – alle paar Monate. Nach dem dritten Mal fand ich zu einem Jugendgebetskreis, der jede Woche in der Nachbarpfarrei stattfand. Und irgendwann habe angefangen, auch alleine Zeit mit Gott zu verbringen und zu beten. Der Austausch über den Glauben mit Gleichgesinnten (und Gleichaltrigen) war für mich dabei enorm wichtig.

Ich bin froh und dankbar, dass es auch in Meran viele Gruppen gibt, die sich über den Glauben und das Wort Gottes austauschen.

Eine gesegnete zweite Halbzeit wünscht ihnen

Pfarrer Josef Augsten