Einführung Von April bis Juni 1920 hielt sich Franz Kafka in Meran auf – damals ein wenig bekannter Schriftsteller, heute ein Autor von Weltruhm. Hundert Jahre später wollten der Journalist Patrick Rina und ich Kafkas Kur zum Anlass für ein Kafka-Jahr nehmen. Unter der Trägerschaft der Urania, von der Stadtgemeinde tatkräftig unterstützt, gelang es uns, eine beindruckende Veranstaltungsreihe zu organisieren, an der sich viele kulturelle Einrichtungen Merans sowie alle Oberschulen beteiligten. Der „Meraner...

Die Person Andreas Hofer findet in der Literatur mannigfach idealisierte Darstellungen. Zahlreiche Schriftsteller beschrieben ihn aus jenem historischen Blickwinkel, der der jeweiligen Zeit dienlich war. So verherrlichte ihn Anton Graf Bossi-Fedrigotti 1935, ganz im Sinne der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, als „die letzte lebendige Heldengestalt der deutschen Nation“. Zudem wird er zweckdienlich als Werbeträger in unterschiedlichster Form eingesetzt: Ihm zum Ehren wurden Museen, Denkmale und Gebäude errichtet; er ist...

Die Geschichte des Badens reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück, in welcher die antiken Kulturen viel Aufwand für Hygiene betrieben; Griechen und Römer hatten schon Badewannen aus verschiedenen Materialien wie Marmor, Terracotta, Holz und Metall und im Orient entwickelten sich die türkischen Bäder oder Hammams. Durch die Kreuzzüge im Hochmittelalter brachten die Ritter die Idee vom geselligen Baden nach antikem Vorbild und orientalischer Gepflogenheit auch in die Gebiete der Alpen. Als erstes Badegefäß...

Obermaiser Bauern erstreiten sich im Jahr 1540 ein Wasserrecht aus der Meraner Stadtbrunnenleitung, allerdings beschränkt auf drei Pippen an festgelegten Stellen und in bestimmter Größe. Herzog Sigmund, Landesfürst von Tirol, hatte im Jahre 1462 der Stadt Meran erlaubt, Trinkwasser von Labers in Röhren durch die Güter von Obermais in die Stadt zu führen. Die Obermaiser Bauern, durch deren Gründe die Leitung verlief, schlugen im Laufe der Jahre Zapfen und Pippen in die Röhren, um Trinkwasser für ihren...

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Unzählige Einheimische und Gäste gehen täglich an der Georgenkirche in Obermais vorbei, ohne auf das fünf Jahrhunderte alte Fresko zu achten, das die Südfassade ziert. Nur anfangs dieses Jahres erregte es mehr und mehr Aufmerksamkeit, als die Schäden so deutlich wurden, dass sie niemand mehr übersehen konnte. Denn am unteren Rand begann sich offensichtlich das Bild von der Mauer zu lösen, was befürchten ließ, dass Teile davon unwiederbringlich verloren gehen würden. In Abstimmung mit dem...

Nie wieder Krieg! Die Gedenksteine auf den Soldatenfriedhöfen rufen es zu Tausenden aus der kühlen Erde. Von wie vielen leidvollen Gefühlen und Erfahrungen könnte jeder Soldat in seinen letzten Lebensminuten aus den Schützengräben des Ersten und aus dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs erzählen? Wie viel Angst- und Entsetzensschreie würde er hinausschreien? Und dies gilt unterschiedslos für alle: „Sieger“ und „Verlierer“ gibt es im Krieg keine. Italienische, österreichische und...

Die Gold-, Silber- und Seidensticker bzw. Näher galten als ausgesprochene Kunsthandwerker, die verschiedene Grundstoffe wie Seide, Samt und Brokat, aber auch Baumwolle, Leinen oder Wolle genauso wie Tuch und Leder mit drellierten Gold- und Silbergespinsten sowie farbigen Seidengarnen und Perlen bestickten. Allen gemeinsam ist, dass sie künstliche Figuren mit dem entsprechenden Material stickten, wobei Geschicklichkeit gefordert war. Es handelt sich um eine sehr alte Kunst, die zunächst insbesondere in China und Japan beheimatet war und...

Die Grafschaft Tirol war seit dem späten Mittelalter in eine Unzahl größerer und kleinerer Gerichtsbezirke aufgesplittert, die, bis auf wenige Ausnahmen, das Eigentum des Landesfürsten waren und zu seinem Kammergut zählten. Grundsätzlich wurde dabei zwischen Nieder- und Hochgerichten unterschieden, wobei letzteren der Titel Landgericht vorbehalten war: Im Bereich des Zivilrechtes hatten Nieder- und Hochgerichte dieselben Kompetenzen. Die qualitative Grenze zog seit alters das Strafrecht, aufgrund dessen das Malefizgericht...

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Ein Richtschwert konnte sowohl dem Gerichtsherrn als auch dem Henker gehören. Von einem „Richtschwerdt “, das zwar dem Gerichtsherrn und gleichzeitigen Erblasser gehörte, aber wohl dem Scharfrichter von Meran zur Ausübung seines Amtes diente, erfährt man aus dem Nachlass von 1563 des Philipp von Liechtenstein-Kastelkorn. Es wurde früher nachweislich „ Auf dem Grossen Sal “ des Schlosses Schenna aufbewahrt. Das schon öfters dokumentierte „Meraner Richtschwert“, ein breitschneidiges...

Der Scharfrichter, dessen Tätigkeit den unehrbaren Berufen zuzuordnen ist, musste mit seiner Familie außerhalb der Stadtmauern wohnen. Auch durfte er nach seinem Ableben nicht auf dem ortsüblichen Friedhof bestattet werden. Diese soziale Isolation führte dazu, dass der Beruf des Henkers bzw. Scharfrichters vielfach vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Somit begann die Lehre in der Henkersfamilie sehr früh. Das Meisterstück wurde durch eine tadellos durchzuführende Enthauptung vorgeführt, oft schon mit 16...