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Schwindel – ein Symptom mit vielen Ursachen

Es gibt viele verschiedene Schwindelarten, die sehr unterschiedliche Ursachen haben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie das Allgemeinbefinden des Betroffenen beträchtlich einschränken und nicht selten zu Stürzen oder Unfällen mit schweren Verletzungen führen.

Das Gleichgewichtssystem des Menschen ist sehr komplex und setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Da sind zum einen die beiden Gleichgewichtsorgane in den Innenohren, die die Lage und die Bewegung im Raum bewerten, die Augen, die diese Informationen mit den entsprechenden optischen Reizen bestätigen; und ferner die Stellungssensoren in der Halswirbelsäule, die Informationen über die Position des Körpers zum Kopf aufnehmen. Alle diese Sinnesreize laufen im Hirnstamm zusammen und werden im Gehirn weiterverarbeitet. Dabei gibt es viele Störungsmöglichkeiten, die Schwindelsymptome verursachen.

So führen Herzrhythmusstörungen oder zu niedriger Blutdruck zu einer generellen Minderversorgung des Gehirns mit Blut. Das Gefühl des “In-Ohnmacht-Fallens“ oder das „Schwarzwerden-vor-Augen“ stellt sich vor allem beim Aufstehen oder bei körperlicher Anstrengung ein.

Verspannungen der Muskulatur entlang der Halswirbelsäule oder eine Überdehnung des Bandapparates nach z.B. einem Schleudertrauma führen zu einer Irritation der sog. Stellungsrezeptoren der Halswirbelsäule. Diese füttern das Gleichgewichtssystem mit Informationen über die Stellung des Körpers in Relation zum Kopf. Bei deren Störung empfinden die Patienten eine diffuse Gangunsicherheit oder Schwindel bei schnellen Kopfbewegungen.

Ein leichtes Schielen, Weitsichtigkeit oder allgemein die Fehlsichtigkeit kann zu Schwindel führen, v.a. bei starker Beanspruchung der Augen wie z.B. langes Arbeiten am Bildschirm.

Erkrankungen des Gehirnes können insgesamt die korrekte Verarbeitung der Sinneseindrücke behindern. So führen ein erhöhter Hirnwasserdruck oder gar ein Hirntumor zum Zusammenquetschen des Hirngewebes, was dessen allgemeine Funktion stark beeinträchtigt und ebenso zu diffusem Schwindel führen kann. Tumoren im Hirnstamm oder entlang der Gleichgewichts-Nervenstruktur können hingegen direkt die Reizleitung behindern. Auch allgemein degenerative Hirnerkrankungen wie Parkinson oder demenzielle Syndrome machen vor dem Gleichgewichtsystem nicht halt.

Arterienverkalkung oder Verschlüsse von kleineren Gefäßen im Gehirn und Hirnstamm führen zu kleinen Hirninfarkten, die vor allem dort, wo die Informationen der verschiedenen Sinnesorgane zusammenlaufen, einen diffusen unspezifischen Schwindel erzeugen. Dieser ist schwierig zu diagnostizieren und stellt oft eine sog. Ausschlussdiagnose dar, d.h. nach Ausschluss aller anderen Schwindelursachen bleibt oft nur der unspezifische Schwindel übrig.

Einfacher in der Diagnostik sind die sog. peripheren Schwindelursachen, die vom Hörsystem ausgehen. Das Gleichgewichtsorgen im Innenohr ist eng mit dem Gehörsinn verbunden, sodass eine Erkrankung des einen oft auch das andere beeinträchtigt. Akuter Drehschwindel entsteht oft durch eine Störung des Labyrinthes, wie das Gleichgewichtsorgan im Innenohr heißt. Meistes sind im Innenohr kleine Kristalle lose, die bei bestimmten Bewegungen einen oft starken aber nur kurz anhaltenden Drehschwindel auslösen. Aber auch eine vermutlich infektionsbedingte Störung des Labyrinthes führt für einige Stunden bis Tage zu Drehschwindel. Hier ist oft auch eine Hörschädigung zu beobachten. Ach bei einem Überdruck im Innenohr kommt es häufig zu wiederkehrenden Drehschwindelattacken und charakteristischen Hörveränderungen.

An der Vielzahl an Erkrankungen, die Schwindel nach sich ziehen können, wird klar, dass eine oft langwierige fachärztliche Begutachtung nötig ist, um die richtige Diagnose zu stellen. Nur dann, wenn akute Erkrankungen korrekt von chronischen Ursachen getrennt werden, ist eine korrekte Therapie möglich. Akute Schwindelsymptome sind oft gut zu behandeln, chronische hingegen bedürfen einer langfristigen physiotherapeutischen Begleitbehandlung, um den degenerativen Veränderungen entgegenzuwirken.