Es gibt Orte in Meran, die sich ins Gedächtnis einer Stadt einschreiben. Die Metzgerei Siebenförcher in den oberen Lauben ist einer davon. Wer heute durch die Tür tritt – vorbei an sorgfältig bestückten Vitrinen, die das Können des Hauses auf den ersten Blick verraten, und hinunter ins Untergeschoss mit vorbildlich restauriertem Steingewölbe, das an vergangene Jahrhunderte erinnert –, betritt kein Geschäft. Er betritt eine Geschichte. Eine, die 1930 begann und seither nicht aufgehört hat. Der...
Martha Margesin Zischg, gebürtige Lananerin, lebt und arbeitet auf dem Runstnerhof in Gargazon. Seit bald sechzig Jahren widmet sie sich der Bildhauerei, einer dreidimensionalen, plastischen Kunst und wohl der ältesten der Menschheitsgeschichte. Prägten ihre Werke in den ersten Jahrzehnten vor allem den privaten und öffentlichen Raum Südtirols, so hat die Künstlerin inzwischen auch im Ausland großes Interesse geweckt. Zuletzt war sie bei den Gemeinschaftsausstellungen ART NOVA in der Hofburg Innsbruck sowie...
Der Salzburger Stier gilt unter Branchenkennern als der Oscar des Kabaretts. Seit 1982 wird die gehörnte Trophäe an Kabarettist:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben. In den Anfangsjahren fühlte sich der Stier in seiner Heimatstadt offensichtlich sehr wohl. Doch irgendwann wurde ihm langweilig, und seither ist er auf Wanderschaft und besucht die Sendegebiete seiner Erfinder. Am 22. und 23. Mai kommt er nach 2005 und 2019 zum dritten Mal nach Meran. Veranstalter sind RAI Südtirol und der Kunstverein Kallmünz,...
Was erzählen Gärten über uns? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Die Ausstellung „Gestaltete Paradiese – Von Menschen und Gärten“, die derzeit in der Remise von Schloss Trauttmansdorff in Meran zu sehen ist, lädt dazu ein, Grünräume neu zu lesen: als Ausdruck von Macht, Sehnsucht und Lebensstil – und als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen. „Gestaltete Paradiese – Von Menschen und Gärten“ ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den...
Seit 1845 ist die Familie Kikinger-Ortner fester Bestandteil der Meraner Geschäftswelt. Alles begann, als Eduard Kikinger aus dem bayerischen Passau nach Meran kam und vom Magistrat die Konzession zum Seifensieden sowie das Bürgerrecht erhielt. 1913 übernahm der geschäftstüchtige Alfons Ortner aus Innichen das Geschäft – ein Wendepunkt in der Familiengeschichte. Als in den 1920er-Jahren Gerbereien, Färbereien und Seifensiedereien aus dem Stadtkern verbannt wurden, errichtete er in Marling nahe des Untermaiser Bahnhofs...
Was macht ein Kunstwerk zeitlos? Was verleiht ihm jene Qualität, die Jahrzehnte, mitunter Jahrhunderte überdauert – unabhängig davon, wo und wann es entstanden ist? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe des Festivals Sonora, das der Verein Conductus vom 12. März bis zum 8. April mit fünf Veranstaltungen in Meran ausrichtet. Das Thema lautet „Klassik" – verstanden nicht als Epoche, sondern als Eigenschaft: Klassisch ist, was unabhängig von Zeit und Herkunft nichts von seiner...
Die Meraner Kabarett Tage zwingen das Publikum wie immer, über äußerst interessante Fragen nachzudenken: Was unterscheidet Hildegard Knef von ihrer Zwillingsschwester Irmgard? Wer vertreibt sich die Zeit mit Rotwein und Stricken und überrascht gegen Aufpreis mit anarchistischem Verhalten? Und was muss man wissen, damit man in Frieden ruhen kann und trotzdem noch laut und deutlich gehört wird? Da raucht der Kopf, nicht wahr? Soll er ruhig. Der Kopf darf rauchen, auch in geschlossenen Räumen. Apropos: Alle Antworten auf diese und...
Dorothea Platzer war das Kind armer Leute. Am 20. Juli 1909 als Dorothea Marth geboren, konnte sich die Tochter zweier „Zugereister“ dennoch ihren Platz in der Welt erobern. In der vom Faschismus geprägten Zwischenkriegszeit gehörte sie zu den wenigen Frauen aus der Arbeiterschicht mit abgeschlossener Schulbildung und Matura, in Folge war sie die erste weibliche Bankangestellte der neu gegründeten Südtiroler Sparkasse. Sie beherrschte zudem Englisch als Fremdsprache – etwas, das in Südtirol damals alles andere als...
Wer heute durch die unteren Meraner Wasserlauben schlendert, dem fällt sie sofort ins Auge: die aufwendige Holzfassade aus dunkel lackiertem Kirschholz, verziert mit geschnitzten Matrosen. Dahinter verbirgt sich eine der ältesten Geschichten Merans – die der Familie Rösch.
Vom Sprengstoff zum Hundehalsband
Im Jahr 1853, als Südtirol noch Teil der K. u. K. Monarchie war, gründete Josef Peter Rösch aus Lana in Meran einen Fachhandel für Kolonialwaren: Gewürze, Tabak und Sprengstoff. Der begüterte...
Alljährlich wird im Refektorium des Deutschordenskonvents in Lana in Südtirol ein großer Krippenberg aufgebaut, der von Frater Gabriel Anton Hochkofler erdacht und in langer, mühevoller Arbeit gestaltet wurde. Eine einzigartige Krippe, schlicht und ehrlich Diese Krippe ist wohl einmalig in ihrer Art. Ernsthaft und dennoch mit hintergründigem Humor ausgestattet. Zeitumspannend in ihren Aussagen – ein fast kahler, nur mit Moos bewachsener Hügel, von dem sich eine Straße abwärts windet, unten eine kleine,...
